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Deutscher Logistik-Kongress Logistik ist Treiber der digitalen Veränderung

Im Berliner Hotel Intercontinental und im gegenüberliegenden Hotel Pullmann Berlin Schweizer Hof läuft zur Zeit der Deutsche Logistik-Kongress. Auf dem Galaabend am Eröffnungstag (Mittwoch) gaben sich der regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, und der Botschafter der Volksrepublik China, S. E. Wu Ken, die Ehre.

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BVL-Vorstandsvorsitzender Robert Blackburn fordert nicht nur über den Tellerrand, sondern gleich aus dem Esszimmer zu schauen.
BVL-Vorstandsvorsitzender Robert Blackburn fordert nicht nur über den Tellerrand, sondern gleich aus dem Esszimmer zu schauen.
(Bild: Maienschein)

Nicht nur über den Tellerrand, sondern gleich aus dem Esszimmer zu schauen – dazu forderte Robert Blackburn unter tosendem Applaus bei seiner Eröffnungsrede des 36. Deutschen Logistik-Kongresses im Berliner Interconti auf. Der Vorstandsvorsitzende der Bundesvereinigung Logistik (BVL), Bremen, die das „Who is Who“ der Logistik-Community alljährlich ausrichtet, fühlt sich in der Betrachtung der gegenwärtigen Wirtschaftslage an die Jahre 2008/2009 erinnert; nur gehe es nicht so steil nach unten. Medial überwögen schlechte Nachrichten, die Transportleistung sei abwärts gerichtet. „Die wirklich schlechte Nachricht ist: Die Einschätzungen kommen auch aus der Praxis.“ Da brauche es Mut und „Mutig machen“ ist demnach auch das treffend gewählte Kongressmotto des „BVL-Kongresses“.

BMW Group fährt Deutschen Logistik-Preis 2019 ein

Auf insgesamt zehn Einreichungen kann die BVL für den Deutschen Logistik-Preis 2019 verweisen. Unter den besten drei waren dann am Ende Airbus Operations, BMW Logistik sowie Loxxess. Das Rennen haben dieses Jahr die Bayerischen Motoren-Werke (BMW) gemacht. In seiner Laudatio per Bildschirm, der Juryvorsitzende Matthias Wissmann konnte wegen eines USA-Termins nicht zugegen sein, hob er die autonom agierende Technik im BWM-Werk Regensburg hervor, die dort mit Schwarmintelligenz laufenden Geräte zum innerbetrieblichen Transport und den erfolgreich laufenden KVP-Prozess. Was neu und durchaus ungewöhnlich sei: Es gebe keine Alleingänge mehr, keine Einzellösungen, keine Konkurrenz unter den Werken - man mache stattdessen Dinge gemeinsam.

Alexander Birken, CEO Otto Group: „Ist Mut nur ein Buzzword oder steckt da gesellschaftliche Verantwortung dahinter?“
Alexander Birken, CEO Otto Group: „Ist Mut nur ein Buzzword oder steckt da gesellschaftliche Verantwortung dahinter?“
(Bild: Maienschein)

Alexander Birken, CEO der Otto Group, weiß mit seiner Aussage „Mut braucht Demut“ zu überzeugen. Mut sei ein zentraler Baustein, ein zentrales Erfolgskriterium, um die Transformation zu gestalten. Damit beantwortet der Otto-Manager gleich seine Eingangsfrage: „Ist Mut nur ein Buzzword oder steckt da gesellschaftliche Verantwortung dahinter?“ Aus „trial and error“ könne auch „trial and success“ werden. Als Birken vor 30 Jahren seinen Arbeitsvertrag beim Konzern erhielt, sei dieser auf Recyclingpapier gedruckt gewesen. Damit will er verdeutlichen, dass sein Haus mindestens schon so lange eine Nachhaltigkeitsstrategie verfolgt. Birken spricht vom Kulturwandel 4.0. „Wir haben vor drei Jahren öffentlich gemacht: Wir gehen den Kulturwandel an.“ Das Ganze aus der Überzeugung heraus, dass die Führungs- und Arbeitskultur im Unternehmen komplett überarbeitet gehörte. Das mündet darin, dass der Otto-CEO seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als Inspirationsquelle nutzen möchte.

„Es geht nicht um etwas - es geht um alles!“

„Habemus papam“ wird er vom Moderator und Poetry Slammer Lars Ruppel angekündigt: Die Rede ist von Prof. Michael ten Hompel, der in der Eröffnungs-Sequenz des 36. DLK über „Logistics in Other Gravities“ spricht. Über das AGV Loadrunner und dessen künstlicher Schwarmintelligenz – „Künstliche Intelligenz auf vier Rädern“, wie es der Ordinarius der TU Dortmund und geschäftsführende Institutsleiter des Fraunhofer-IML nennt. Künstliche Intelligenz (KI) werde zur Selbstorganisation von Automated Guided Vehicles (AGV) genutzt, mit Geschwindigkeiten von bis zu 10 m/s.

„Das alles mag noch sehr visionär erscheinen“, so ten Hompel, werde sich aber in den kommenden Monaten und Jahren durchsetzen. Übrigens: Die Fahrzeuge sind 3D-gedruckt. „Es gibt keine andere Branche auf dieser Welt, in der so viele Fachgebiete angesprochen werden wie in der Logistik“, sagt ten Hompel. Und das wiederum mache die Branche so interessant für KI-Anwendungen. „Es geht nicht um etwas - es geht um alles“, so das Fazit von ten Hompels Rede. „Wer die Logistikketten dieser Welt steuert, steuert einen wesentlichen Teil der Weltwirtschaft.“

Prof. Michael ten Hompel: „Es geht nicht um etwas - es geht um alles!“
Prof. Michael ten Hompel: „Es geht nicht um etwas - es geht um alles!“
(Bild: Maienschein)

Angela Titzrath hat ihre Mutprobe längst mit Bravour bestanden, als sie den Vorstandsvorsitz der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) übernahm. In Sachen Welthandel habe sich der Westen gleich mehrfach ein Bein gestellt, er beschäftige sich zunehmend mit sich selbst. Außerdem wachse im Westen die Zahl der Globalisierungsgegner, nicht zuletzt befeuert durch protektionistische Maßnahmen des US-amerikanischen Präsidenten. Den 2018 in Brüssel stattgefundenen ASEM-Gipfel bezeichnet Titzrath demzufolge als „die machtvollste Anti-Trump-Demonstration der Welt“. Europa handle zunehmend, zuletzt mit einem Freihandelsabkommen mit Singapur.

HHLA-CEO Angela Titzrath: „Mutig machen prägt uns von Beginn an!“
HHLA-CEO Angela Titzrath: „Mutig machen prägt uns von Beginn an!“
(Bild: Maienschein)

Überhaupt habe Hamburg und die HHLA dieselbe DNA. Nicht ohne Grund stehe in Hamburgs Verfassung „Welthandelsstadt“. Und in Richtung des diesjährigen Kongressmottos sagt Titzrath: „Mutig machen prägt uns von Beginn an.“ Das habe sich schon 1966 gezeigt, als man den Containerhafen plante - mit damals wenig Freunden der Idee. Seit Anfang der 2000er-Jahre seien sogar Kenntnisse in der Automatisierungstechnik im Hafen gefragt – früher unvorstellbar. Und nicht ohne Stolz schließt die HHLA-Chefin mit den Worten: „Das Container-Terminal Altenwerder (CTA) ist seit Frühjahr 2019 die weltweit erste TÜV-zertifizierte klimaneutrale Anlage!“

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