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Anschlagmittel Speziell entwickelter Patentstahl verleiht Anschlag- und Zurrketten mehr Festigkeit

| Autor / Redakteur: Reinhard Smetz / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

13 Jahre nach der ersten Fertigung des Grade-100-Anschlagketten-Baukastens von RUD Ketten unter dem Namen VIP präsentiert das Unternehmen den ersten Grade-120-Baukasten. Die neue ICE-Reihe entstammt der wissenschaftlichen Zusammenarbeit der RUD-Werkstoffspezialisten mit dem Stahlhersteller Krupp und erlaubt eine weitere Reduzierung der Kettennenndicke im Vergleich zur Güteklasse 8 — und das bei einem Tieftemperatureinsatz bis -60 °C.

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Bis zu 60% höhere Tragfähigkeit als herkömmliche Gk-8-Ketten und eine Vielzahl von Verbesserungen bietet die neue Grade-120-Generation „ICE“.
Bis zu 60% höhere Tragfähigkeit als herkömmliche Gk-8-Ketten und eine Vielzahl von Verbesserungen bietet die neue Grade-120-Generation „ICE“.
( Archiv: Vogel Business Media )

Vor 13 Jahren überraschte der Anschlag- und Zurrmittel-Spezialist RUD Ketten die Branche mit einem Grade-100-Anschlagketten-Baukasten. Die Neuerung bedeutete eine 30% höhere Tragfähigkeit der Ketten gegenüber der seinerzeit höchsten Güteklasse 8. Die auffälligen pinkfarbenen Anschlag- und Zurrketten unter dem Markennamen VIP werden inzwischen weltweit eingesetzt. Dieses Grade-100-Programm ist auf acht Kettennenndicken angewachsen und die über 220 anwendungsgerechten Bauteile erfüllen beinahe alle Anwendungswünsche.

Nach der damaligen Festigkeitserhöhung auf Grade 100 war für den Fachmann bei herkömmlichen Kettenstählen die Grenze erreicht — jede weitere Erhöhung durch eine noch intensivere Vergütung hätte zwangsläufig zu einer Verschlechterung der für die Kettenqualität wichtigen Parameter geführt: Bruchdehnung, geringe Empfindlichkeit gegenüber Wasserstoffversprödung, Kerbschlagzähigkeit, Dauerschwingfestigkeit und Tieftemperatureinsatzmöglichkeiten.

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Durch die weltweite Ressourcensuche ist der Ruf nach Tieftemperatureinsatzmöglichkeiten für hochfeste Ketten immer lauter geworden. Der Markt erwartet auch in dem Kettenabmessungsbereich von kleineren Ketten als 16 mm einen Nenndickensprung nach unten.

In wissenschaftlicher Zusammenarbeit der RUD-Werkstoffspezialisten mit dem Stahlhersteller Krupp wurde in den letzten Jahren ein einzigartiger Patentstahl entwickelt, der durch spezielle Formgebung und Verarbeitung, beispielsweise die ICE-Härtung, zu einem „Quantensprung“ in der Kettentechnologie geführt hat. Durch enorme Festigkeitserhöhung und Spezialeigenschaften konnte erstmals auch bei Ketten von 8, 10 und 13 mm Durchmesser eine Nenndickenreduzierung realisiert werden. Das bedeutet, dass aus einer 16 mm durchmessenden Kette eine 13-mm-Kette wird, aus 13 werden 10 mm und aus 10 werden 8 mm gegenüber Güteklasse 8. Aus dieser um 80% höheren Bruchkraft resultiert wiederum eine 30%ige Gewichtsreduzierung.

Das für die Fachwelt Besondere daran ist, dass die ICE-Eigenschaften auch bei sehr tiefen Temperaturen bis zu -60 °C erreicht werden (Bild 1). Dokumentiert wird das durch die Kerbschlag-Temperatur-Kurve. Bei -60 °C ergibt sich ein Kerbschlagwert von 55 Joule — bei Ketten Güteklasse 10 aus Fernost fallen diese Werte bereits bei geringen Minustemperaturen in nicht mehr der Sicherheit entsprechende Bereiche. Die herkömmlichen Güteklasse-8-Ketten liegen bei -20 °C bei 40 Joule und fallen bei noch tiefe-ren Temperaturen wesentlich ab.

ICE-Kette geprüft und offiziell zugelassen

Die ICE-Kette wurde von der zuständigen Berufsgenossenschaft geprüft und zugelassen. Dokumentiert ist dies auf jedem Kettengliedrücken und auf jedem Bauteil durch den extra für höhere Güteklassen als 10 kreierten Zulassungsstempel D1-12 („D“, „1“ = Hersteller und „12“ = Güteklasse). Damit behauptet RUD seine Technologieführerschaft. Bereits im Jahr 1953 hatte das Unternehmen als erstes den Zulassungsstempel zur Herstellung von hochfesten Güteklassen erhalten. Ausschlaggebend für die ICE-Zulassung war, dass alle anderen Kriterien, die für eine Qualitätskette nach den herkömmlichen Kettennormen definiert sind, erfüllt wurden. So kann trotz der enormen Festigkeit die Bruchdehnung einer naturschwarzen Kette von 25% bestätigt werden.

Ebenfalls wurden die 20 000 Lastwechsel mit einer 50%igen Überlast für Kette und Bauteile auf dem hohen ICE-Niveau übertroffen. Bei Materialien mit hoher Härte (ICE ist um 30% härter als Gk 8) ist zu befürchten, dass die gefährliche Wasserstoffversprödung eintritt. Das patentierte ICE-Material zeigte jedoch in den zahlreichen Tests keine höhere Sensibilität gegenüber einer ungewollten Wasserstoffversprödung, als sie bei der Gk 8 anzutreffen ist. Die um 30% höhere Kettenhärte bringt automatisch eine längere Standzeit, das Eindringen von scharfen Kanten und die damit einhergehende Kerbbildung an den Kettengliedern wird erheblich reduziert.

ICE-Pink-Pulverbeschichtung der Kette verhindert Verwechslungen

Die Gefahr der farblichen Verwechslung mit anderen Güteklassen wird bei der neuen ICE-Kette durch die auffällige ICE-Pink-Pulverbeschichtung „Verkehrspurpur“ verhindert (Bilder 2 und 3). Die Farbgestaltung wurde so gewählt, dass sie einen eindeutigen Unterschied zum VIP-Magenta-Pink-Farbton bietet. Im Vergleich mit der roten oder gelben Farbe, wie sie bei der Gk 8 üblich sind, ist das ICE-Pink ebenfalls eindeutig abzugrenzen. Zusätzlich sind, wie oben erwähnt, alle Kettenglieder und Bauteile mit ICE und D1-12 gestempelt.

Für das Baukasten-Anschluss-System wurde ein völlig neuer ovaler und drehbar gelagerter Montagebolzen entwickelt. Der Bolzen ist ebenfalls verwechslungsfrei gestaltet und kann nicht im RUD-Baukasten-Gabelkopf der Güteklassen 8 und 10 mm montiert werden. Zusätzlich sind die Bolzen der niedrigeren Güteklassen nicht in den Gabelkopf von ICE montierbar. Um die vor allem im Export notwendige Minimum-Lagerpolitik anwenden zu können, hat RUD ein Steckkupplungs-System gewählt. So kann mit nur wenigen Bauteilen ein sicheres Anschlagmittel auch für Tieftemperatur- und Extrem-einsätze angeboten werden.

Die Aufhängeköpfe in fünf verschiedenen Größenabstufungen, für den Einsatz an hochfesten Hebezeughaken bis zu übergroßen 50-t-Kranhaken, sind mit einer 40° schrägen Abflachung versehen, um die Kupplungselemente ungehindert montieren zu können. Diese 1/2- oder 3/4-Strang-Aufhängeköpfe sind mit einem patentierten Kennzeichnungs-Anhänger ausgestattet.

Dipl.-Ing. (FH) Reinhard Smetz ist Bereichsleiter Anschlag- und Zurrmittel bei der RUD Ketten Rieger & Dietz GmbH u. Co. KG in 73432 Aalen, Tel. (0 73 61) 5 04-0, info@rud.com

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