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Flottenverbrauch Spielerisch die Motivation verbessern

Autor / Redakteur: Christian Adam / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Die Reduktion von CO2-Emissionen hat auch für Fuhrparkmanager seit den neuen Emissionsgrenzwerten für Lkw verstärkt an Relevanz gewonnen – denn rund 25 % der Emissionen in der EU werden durch Lkw und Kleinlastwagen verursacht. Die Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs von ganzen Lkw-Flotten bietet demnach ein enormes Einsparpotenzial, das beispielsweise durch eine angemessene Fahrweise leicht und zeitnah umgesetzt werden kann.

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Mit spielerischen Ansätzen lässt sich der Kraftstoffverbrauch ganzer Lkw-Flotten reduzieren. So kann ein enormes Einsparpotenzial gehoben werden.
Mit spielerischen Ansätzen lässt sich der Kraftstoffverbrauch ganzer Lkw-Flotten reduzieren. So kann ein enormes Einsparpotenzial gehoben werden.
(Bild: Verizon Connect)

Zumindest im Vergleich zu langfristigen Anpassungen wie der Umrüstung auf Fahrzeuge mit Elektroantrieb ist das möglich. Wie bereits in vielen anderen Bereichen der Industrie steht für diese Herausforderung eine große Anzahl an Lösungen und Technologien zur Verfügung. GPS-basiertes, digitales Flottenmanagement ist ein Beispiel für einen technischen Ansatz, um Kosten durch verbesserte Routenplanung, vereinfachte administrative Prozesse und reduzierte Standzeiten einzusparen. Zudem geben die GPS-Daten detaillierte Auskunft über die Fahrweise der einzelnen Fahrer(innen). Geschwindigkeitsüberschreitungen, das Tragen des Sitzgurtes und abruptes Anfahren und Abbremsen werden sichtbar gemacht.

Doch die eigentliche Herausforderung besteht darin, die Mitarbeiter dazu zu bewegen, ihre Fahrweise auch anzupassen und zu verbessern. Hier kommt Gamifizierung ins Spiel.

Gamifizierung, also die Implementierung spielerischer Elemente in einen spielfremden Kontext, ist seit einigen Jahren ein bekannter Begriff und wird bereits häufig genutzt. Wo bisher jedoch meist Unternehmen in einem B2C-Umfeld Gebrauch von besagten Elementen machten, erscheinen nun auch mehr und mehr Anwendungen des Gamifizierungskonzeptes in einem rein unternehmensbezogenen Umfeld. In immer mehr Betrieben reift die Erkenntnis heran, dass dieses einen positiven Einfluss auf Mitarbeiter haben kann. Das Hauptaugenmerk liegt dabei nicht einfach auf dem Erreichen einer möglichst hohen Punktzahl und dem Küren von Siegern, sondern auf nachhaltigem Fortschritt und Incentivierung guter Arbeit.

Die Nutzung von Gamifizierung in Kombination mit digitalisiertem Flottenmanagement und der GPS-Verfolgung in Echtzeit bietet für einen Fuhrpark eine neue und nachweislich effektive Möglichkeit, die Mitarbeiter zur Verbesserung ihrer Fahrweise zu bewegen, ohne ständig mit Strafen oder negativen Konsequenzen ihres Verhaltens drohen zu müssen. Die Einführung von Gamifizierung kann in drei aufeinander aufbauenden Phasen stattfinden.

Mission und Ziele als Ausgangspunkt spielerischer Herangehensweise

In der ersten Phase sollte die Mission des Unternehmens oder der jeweiligen Abteilung festgelegt werden. Die Belegschaft der Lkw-Flotte eines Unternehmens kann hierbei eine eigene Mission haben, die zwar die übergeordnete Unternehmensmission unterstützt, aber nicht zwingend identisch mit dieser sein muss. Nachhaltigkeit und die Einsparung von Emissionen könnten Teile dieser Mission sein, beispielsweise, indem die Ambition festgehalten wird, aus der eigenen Flotte die umweltfreundlichste in einer bestimmten Region zu machen. Daraus leiten sich dann konkrete Ziele ab – zum Beispiel geringeres Beschleunigen und abruptes Abbremsen, wodurch der Kraftstoffverbrauch optimiert und ressourcenintensives Fahren vermieden wird.

Die festgelegten Ziele sollten aber in jedem Fall spezifisch, messbar, ausführbar, realistisch und termingerecht (sogenannte SMART-Ziele) sein. Sind sie dies nicht, können die Fortschritte der Teilnehmer nicht sinnvoll verfolgt und gemessen werden.

Damit eine Implementierung der Anwendung und die Auswertung der Ergebnisse zu gewissen Zeitintervallen funktioniert, sollten zentrale Personen im Unternehmen eingebunden werden – wie etwa alle relevanten Manager. Dies ist – nach der ersten Festlegung der Ziele – die zweite Phase. Die Influencer und Multiplikatoren im Unternehmen geschickt als Befürworter einzusetzen, ist maßgeblich dafür, dass die Einführung von Gamifizierung bei den Mitarbeitern akzeptiert und als offizielle Unternehmensanwendung angesehen wird.

Installation, Überwachung und Belohnung von Erfolgen

Des Weiteren ist es sinnvoll, sich kontaktfreudige Personen im Unternehmen zunutze zu machen. Diese haben häufig einen besseren und direkten Zugang zu den Mitarbeitern als das Management oder die Führungsebene, können direktes Feedback über die Mission und Ziele einholen und im Zweifel zwischen den Parteien vermitteln. Es ist wichtig, dass sich die Fahrer einer Flotte mit den Zielen auseinandersetzen und auch identifizieren können. Ist dies nicht der Fall, werden die erreichten Punkte in der spielerischen Anwendung keine langfristige Motivation darstellen. Die dritte Phase besteht – nach der umfassenden Festlegung der Ziele und Bewertungsfaktoren sowie der Implementierung des Systems – in der Überwachung und der Anerkennung bei Verbesserungen. Das kann abhängig von der Größe des Unternehmens stattfinden. Kleinere Unternehmen und Fuhrparks können Gebrauch von einer App machen, die intuitiv verständlich ist und nicht viele Ressourcen bei der Erlernung ihrer Nutzung verschlingt. Für einen Lkw-Fuhrpark von größerem Ausmaß mit einer Vielzahl von Fahrer(innen) und möglicherweise mehreren Standorten würde eine App allerdings keine sinnvolle Variante darstellen, um alle Faktoren mit einzubeziehen. In solchen Fällen ist eine individuell angepasste Plattform vonnöten.

Jeder im Unternehmen sollte sich über die Ziele im Klaren sein und wissen, wie sie erreicht werden können sowie welche Rolle er selbst dabei spielt. Die Ergebnisse und Fortschritte müssen stetig überprüft werden und mithilfe einer Punktetabelle einsehbar sein. Am Ende eines Spielzeitraums, der zum Beispiel 90 Tage betragen kann, sollten gute Ergebnisse belohnt und wertgeschätzt werden. Dadurch kann die intrinsische Motivation, die, im Gegensatz zur rein monetären Motivation, die bloße Freude an der Ausführung einer Tätigkeit mit sich bringt, auf Dauer gefördert werden.

Diesen Beitrag können Sie auch in einem E-Paper aus unserem Heftarchiv nachlesen: MM Logistik Ausgabe 001 2020

* Christian Adam ist Managing Partner bei der Verizon Connect Germany GmbH in 10117 Berlin, Tel. (0 30) 63 42 98 00, info.de@verizonconnect.com

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