Transportlogistik

Styropor macht Holzpaletten Konkurrenz

19.01.2007 | Autor / Redakteur: Frank Fladerer / Frank Fladerer

Leichtgewicht für den Transport:Mit einer Tragfähigkeit von 660 kg in den Standardmaßen der Europalette wiegen die Lightpallets von Storopack nur 2,6 kg. Bild: Storopack
Leichtgewicht für den Transport:Mit einer Tragfähigkeit von 660 kg in den Standardmaßen der Europalette wiegen die Lightpallets von Storopack nur 2,6 kg. Bild: Storopack

Einwegpaletten aus expandierbarem Polystyrol (EPS) haben sich in den vergangenen Monaten in der Transportlogistik etabliert. Sie können mittlerweile auch beim Preis mit Massivholzpaletten konkurrieren. Zu den Pionieren bei EPS-Einwegpaletten zählen die Unternehmen Arinstein, Beck + Heun und Storopack.

Die Suche nach Einsparmöglichkeiten beim Warentransport und hohe Ansprüche an Sicherheit und Hygiene in der gesamten Wertschöpfungskette begünstigen den Werkstoff Polystyrol, der auch unter dem Namen Styropor bekannt ist. Ausschlaggebend für den Vormarsch von EPS in der Transportlogistik ist unter anderem der „International Standard for Phytosanitary Measures” (ISPM) Nr. 15.

Die von der Food and Agriculture Organisation der UN forcierte Einfuhrvorschrift für Vollholzprodukte findet in immer mehr Ländern Anwendung, um die einheimischen Waldbestände gegen Einschleppung von Holzschädlingen zu schützen. Im Jahr 2006 haben unter anderem Australien, Brasilien und China die Einhaltung der ISPM 15 für Importe zur Pflicht gemacht.

Für exportierende Unternehmen bedeutet dieser Trend unter anderem eine Verschärfung bei allen Massivholzpaletten, die entweder mit Temperaturen von 56 °C ausgetrocknet oder mit dem hochgiftigen Methylbromid begast und gekennzeichnet werden müssen.

Zu diesem Handicap addieren sich massiv gestiegene Holzpreise. Der Bundesverband Holzpackmittel, Paletten, Exportverpackung (HPE) meldete für das vierte Quartal 2006 um mehr als ein Drittel gestiegene Einkaufspreise für Paletten-Massivholz im Vergleich zum Vorjahr.

Die Unternehmen mussten Lieferengpässe für Paletten auf Holzbasis, also auch für solche aus Pressholz, hinnehmen. Hinzu kommt eine boomende Nachfrage, die die Paletten-Lieferanten zusätzlich unter Druck setzt. So expandierte die Palettenproduktion in den ersten drei Quartalen 2006 um 8,6% auf 48,3 Mio. Paletten.

Holzpaletten werden teurer

Die Hersteller von Europaletten geben die höheren Kosten zu einem großen Teil an die Verbraucher weiter. So stieg der Palettenpreis nach Einschätzung der Gütegemeinschaft Paletten im Jahr 2006 um rund 30%. Damit schwindet auch der bislang vorhandene Preisvorteil der Holzpaletten. Während die Standard-Euroholzpalette im Neuzustand derzeit für knapp 9 Euro zu haben ist, bekommen die Hersteller von EPS-Kunststoffpaletten durch zunehmend günstigere Preise einen steigenden Anteil am Boom der Transportindustrie ab.

Arinstein etwa bietet seine Brandenburger Palette mit einer Tragkraft von 600 kg ab einer Gesamtabnahmemenge von 600 Stück derzeit für 6,70 Euro pro Stück an. Die Ausführung dieser Styroporpalette mit einer Tragkraft von 800 kg kostet 7,20 Euro pro Stück. Bei den Partnerfirmen Beck + Heun und Logis Systems sind die Styroporpaletten ab 5,60 Euro netto (500 kg Tragkraft) zu haben. Hier gibt es vier Ausführungen, von denen die stärkste bis zu 1 t trägt und zu einem Preis von 10,75 Euro erhältlich ist. Storopack macht die Preise von der individuellen Anfrage abhängig.

Somit bleibt als Vorteil der klassischen Holzpalette vor allem die Tragfähigkeit: Sie beträgt entsprechend der Norm UIC 435-2 bis zu 1500 kg. Eine Exportpalette wird nach Einschätzung der Wirtschaftsdatenbank Genios allerdings selten einer höheren Belastung als 500 kg ausgesetzt.

Kein Gebrauchthandel bei EPS

Ein zweifellos großer Vorteil der Massivholzpaletten ist der rege Gebrauchthandel, der für die in der Regel als Einmalartikel konstruierten EPS-Träger verschlossen bleibt. Demgegenüber weisen EPS-Paletten einen klaren Gewichtsvorteil auf. EPS wird aus Granulat aufgeschäumt, und das Fertigprodukt besteht zu etwa 98% aus Luft.

Die guten Zukunftsaussichten für EPS-Träger führten bei Storopack in Metzingen dazu, dass der Unternehmensbereich Molding das Entwicklungsprojekt einer Einwegplatte vorantrieb. Seit Herbst 2006 gibt es hier die Produktlinie Lightpallets.

Bei Storopack wird seit über fünf Jahrzehnten Polystyrol verarbeitet. Präzision bei der Herstellung trägt zu einer guten Oberflächenqualität der Palette bei, weil die bei der Aufschäumung stattfindende Verschweißung der Zellen wie eine Haut wirkt. Soll die Abriebfestigkeit noch erhöht werden, wird die Palette mit Folie überzogen.

Polystyrol wirkt nach Einschätzung des Unternehmens zudem dämpfend gegenüber Umwelteinflüssen. Wenn die geladene Ware etwa die Oberfläche der Palette beschädigt, macht dies den Ladungsträger nicht unbrauchbar. Es fallen nur die Bereiche der Eindruckstelle aus. Da zudem keine scharfkantigen Splitter abbrechen können, besteht keine Verletzungsgefahr.

Melanie Kern von Storopack ist vom weiteren Styropor-Boom überzeugt: „Wir glauben, dass EPS-Paletten eine vielversprechende Alternative zu Ladungsträgern aus Vollholz, Pressholz oder anderen Kunststoffen sind.“

Variable Materialdichte

Die Paletten sind in den Standardmaßen 800 × 1200 mm und 400 × 600 mm erhältlich. Die Materialdichte kann variiert werden, so dass die Palette auf die tatsächliche Beanspruchung zugeschnitten ist. Kalkuliert ein Unternehmen etwa, dass die Palette in den Euro-Maßen 800 × 1200 mm nur bis zu 330 kg bei dynamischer Belastung und gleichmäßiger Lastverteilung tragen muss, genügt eine Dichte von 30 g/l bei entsprechender Kostenersparnis gegenüber der Ausführung, die in einer Dichte von 60 g/l bis zu 660 kg dynamischer Belastung garantiert standhält. Ähnliches wie bei Storopack gilt auch für Beck + Heun/Logis Systems und Arinstein, die schon ein paar Monate früher mit ihren Produkten auf den Markt gekommen waren.

EPS-Paletten haben ein sehr geringes Eigengewicht. Ein Ladungsträger in den Maßen der Euro-Palette aus der Produktserie Lightpallet von Storopack wiegt bei einer Tragfähigkeit von 660 kg beispielsweise 2,6 kg. Dies bietet bei steigendem Luftfrachtaufkommen eine zusätzliche Einsparkomponente. Interfracht Air Service hat errechnet, dass sich bei einer Luftfracht-Sendung von Deutschland in die USA durch das geringere Gewicht bis zu 30 Euro pro Palette einsparen lässt.

Das verringerte Ladungsgewicht wirkt sich aber auch beim Transport auf der Straße als Spritersparnis aus. Mindestens 15 kg Gewichtsersparnis pro Palette bedeutet, dass bei einem 40-Tonner-Lkw mit einem Fassungs-vermögen von 34 Paletten mehr als eine halbe Tonne Ladungsgewicht entfällt.

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