Schüttgutförderer Tragende Rollen für Glas

Autor / Redakteur: Ralf Goffin / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Bei der Essener Glashütte Wisthoff ersetzen in der Fördertechnik seit November 2005 neue Kunststofftragrollen sukzessive die alten Stahlrollen, deren Lager defekt oder deren Oberflächen sichtlich verschlissen sind.

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Glasproduktion in der Glashütte Wisthoff. Das Unternehmen beliefert Markenartikler der Branchen Pharmazie, Kosmetik und Spirituosen. Bild: Metso Minerals
Glasproduktion in der Glashütte Wisthoff. Das Unternehmen beliefert Markenartikler der Branchen Pharmazie, Kosmetik und Spirituosen. Bild: Metso Minerals
( Archiv: Vogel Business Media )

Für die Glashütte Wisthoff in Essen sind hohe Temperaturen im Produktionsprozess keine Seltenheit, sondern im ausgelasteten Dreischichtbetrieb eindeutig die Regel. Als Tochter der Gerresheimer-Gruppe ist Wisthoff wichtiger Produzent von Glass-Packaging-Lösungen für die Bereiche Pharmazie, Kosmetik und Miniaturen für Spirituosen. Angesichts des hohen Referenzspektrums ist im Foyer der Wist-hoff-Verwaltung kaum noch Platz für weitere Exponate aus dem Bereich Spezial-Behälterglas.

Die Glashütte liefert seit Jahren alle denkbaren Formen in Weiß- und Braunglas auf Grundlage der Glasart 2 und 3, einer Typisierung mit anspruchsvollen Eigenschaften: Entscheidend für die chemische Beständigkeit sind die chemische Zusammensetzung der Gläser wie auch ihre Oberflächeneigenschaften. Eigenschaften, an denen sich Wisthoff-Gläser messen lassen können: Deren Scherben-Anteil liegt bei lediglich 25%. Sichtbare Mängel wie Schlieren, Blasen oder Einschlüsse sucht man in ihnen vergeblich.

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Die innerbetriebliche Fördertechnik ist durchweg auf hohe Temperaturen um die 70 °C (bei rund 30 °C Außentemperatur) eingestellt, was im Bereich des „Scherbenbandes 6” seit November 2005 für einige Überraschungen sorgt: Neue Kunststofftragrollen ersetzen dort sukzessive Stahlrollen, deren Lager defekt oder deren Oberflächen sichtlich verschlissen sind. Die auffällig blauen Kunststofftragrollen sind dort als Obergurtrollen eingesetzt und eignen sich für den problemlosen Abtransport des 75/25-Gemisches (75% Gemenge im Verhältnis zu 25% Scherben).

Ziel und letzte Station des Förderbandes ist der Vorratsbunker der „Wanne”, in der das gesamte Material anschließend bei rund 1400 °C eingeschmolzen wird. Die neuen Trellex Kunststoff-Obergurtrollen von Metso Minerals verhalten sich weitestgehend umgebungsneutral und versagen nicht ihren Dienst. Frank Meierotte, Leiter der Instandhaltung, räumt zwar ein, dass die Lager der neuen Rollen in der Einlaufphase etwas schwergängiger sind als die der Stahlrollen. Doch das ist nicht weiter problematisch.

Mit den verwendeten Stahl- und Eisentragrollen kam es in der Vergangenheit zu defekten Lagern. Scharfe Metallkanten beschädigten zunehmend die Bänder, so dass ein umfangreicher Komponentenaustausch mit der Zeit zu hohen Investitionen führte.

Mit den Kunststoffrollen ist Meierotte weitaus zuversichtlicher, denn scharfe Kanten schleifen sich, sofern sie erst einmal auftreten, auch von alleine ab. Metso Minerals ist bei Wisthoff für den Service rund um die Fördergurt-Verschleißschutztechnik zuständig. Zum Betreuungsressort gehören Gurte, Abstreifer oder Trommeln, die im Rahmen einer 24-Stunden-Bereitschaft gegebenenfalls spontan gewartet werden.

Da kein Abstreifer in der Lage ist, einen Gurt vollständig zu “säubern”, ist insbesondere bei feuchtem Fördergut der Einsatz von Kunststofftragrollen einzuschränken: Bei Scherbenbändern ist ihr Einsatz als Unterbandrolle ausgeschlossen, da der Gurt an der Abwurfstelle auch nicht zu 100% von Scherbenresten befreit wird. Scherbenreste bleiben am Band haften, schneiden sich zum Teil im Band ein und zerstören anschließend im direkten Kontakt mit der Kunststoffrolle deren Oberfläche. Handelt es sich dagegen um “reine” Gemengebänder, sind Trellex-Tragrollen auch als Unterbandrollen einsatzfähig.

Derzeit sind erst 5% der Wisthoff-Rollen aus Kunststoff, doch ist mit zunehmendem Verschleiß der Stahlrollen ein weiterer Austausch nur eine Frage der Zeit.

Ralf Goffin ist freier Journalist in 41836 Hückelhoven, Tel. (02462) 908383, ralf.goffin@adservice-web.de

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