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Flurförderzeuge Welcher E-Stapler darf's denn sein?

| Autor: Gary Huck

Bei Elektrostaplern steht man vor der Wahl: Bleisäure, Lithium-Ionen oder Brennstoffzelle. Im folgenden Beitrag erfahren Sie, wo die Vor- und Nachteile der Konzepte liegen.

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Elektrofahrzeuge kommen heutzutage in allen Bereichen der Fördertechnik zum Einsatz.
Elektrofahrzeuge kommen heutzutage in allen Bereichen der Fördertechnik zum Einsatz.
(Bild: Crown)

Der Trend geht zum Elektroantrieb. In der Intralogistik ist das nichts Neues. Laut der World Industrial Truck Statistic der European Materials Handling Federation werden seit 2015 mehr Gabelstapler mit Elektroantrieb als mit Verbrennungsmotor verkauft. Im Jahr 2018 war das Verhältnis 94.788 elektrisch zu 77.541 Verbrenner. Vermutlich wird sich dieser Trend in den kommenden Jahren noch verstärken. Speziell bei den kleineren Tragkraftklassen ist Elektro die Antriebsart der Wahl.

Aber Strom ist nicht gleich Strom. Wer einen oder mehrere Elektrostapler erwerben will, steht vor der Frage: Bleisäure, Lithium-Ionen oder Brennstoffzelle, welches Antriebskonzept ist das beste? Wie so oft kann man darauf keine eindeutige Antwort geben. Was im Einzelfall die beste Entscheidung ist, hängt von vielen Faktoren ab, zum Beispiel Flottengröße, Einsatzumfeld oder Leistungsanforderung. Wir haben uns die Vor- und Nachteile sowie die Zukunftsperspektive der Bleibatterie, der Lithium-Ionen-Batterie und der Brennstoffzelle angeschaut und unsere Ergebnisse für Sie im Technik-Check zusammengefasst.

Bleisäure

  • Vorteile: Bleibatterien sind eine robuste und am Markt etablierte Standardtechnologie, die benötigte Infrastruktur ist oft schon vorhanden, ihr vergleichsweise hohes Gewicht ist für Gegengewichtsstapler vorteilhaft, die Materialien können in den Werkstoffkreislauf zurückgeführt werden, Recyclingprozesse für die Bestandteile sind ebenfalls etabliert.
  • Nachteile: Die Batterien sind wartungsintensiv, sie können nicht zwischengeladen werden, bei Tiefenentladung unter 20 % ihrer Kapazität verkürzt sich ihre Lebensdauer, der Einsatz bei 0 °C oder weniger verkürzt ebenfalls die Lebensdauer, beim Ladeprozess entstehen Gase, die abgeleitet werden müssen, das hohe Gewicht erschwert den Batteriewechsel, ein Einsatz im Mehrschichtbetrieb ist nicht ohne Batteriewechsel möglich.
  • Perspektive: Die Technologie ist etabliert und hat sich über Jahre bewährt. Blei, der Grundstoff der Batterien, könnte aber im Zuge des Umweltschutzes in Zukunft mit gewissen Auflagen belegt werden.
  • Fazit: Das Konzept hat sich bewährt, eignet sich aber nicht für den Einsatz bei niedrigen Temperaturen, Rohstoffverfügbarkeit könnte beschränkt werden.

Lithium-Ionen

  • Vorteile: Lithium-Ionen-Batterien können zwischengeladen werden, der Batteriewechsel fällt weg, mit etwa 3000 Ladezyklen verfügen sie über eine lange Lebensdauer und sind dabei weitgehend wartungsfrei, sie sind schneller aufgeladen als Bleibatterien, haben einen höheren Wirkungsgrad und erzeugen beim Laden keine Schadstoffe.
  • Nachteile: Die Batterien sind teurer in der Anschaffung, zum Betrieb ist ein Batteriemanagementsystem nötig, das Recycling ist aufwendiger und die benötigten Rohstoffe sind selten und schwer zu beschaffen, die Erstausstattung mit dem System ist aufwendiger als bei Bleibatterien.
  • Perspektive: Durch die lange Lebensdauer, den hohen Wirkungsgrad und die Flexibilität bei der Aufladung sind Lithium-Ionen-Batterien eine ernstzunehmende Alternative zur Bleibatterie. Einige Experten halten sie für die Best-Practice-Lösung. Die Rohstoffversorgung könnte allerdings zum Problem werden.
  • Fazit: Die Rohstoffverfügbarkeit hängt stark von wenigen Ländern ab, abgesehen davon ist die Lithium-Ionen-Batterie ein zukunftsfähiges Konzept.

Brennstoffzelle

  • Vorteile: Brennstoffzellen lassen sich in drei bis fünf Minuten betanken, können CO2-neutral betrieben werden, die Herstellung ist vergleichsweise ressourcenschonend, mit einer Betankung sind bis zu sechs Stunden Laufzeit möglich, Batteriewechsel fallen weg, die Brennstoffzelle ist das einzige der drei Konzepte, das von der Bundesregierung gefördert wird.
  • Nachteile: Investitionskosten für die benötigte Infrastruktur sind hoch, ohne Förderprogramme ist die Technik oft nicht rentabel, Brennstoffzellen sind nur nachhaltig, wenn der Wasserstoff mit erneuerbaren Energien gewonnen wurde, in Europa gibt es, anders als in den USA, noch keine Steuervorteile für Anwender, die Technik ist noch nicht voll ausgereift, der Einsatz lohnt sich nur bei großen Flotten.
  • Perspektive: Bis die Brennstoffzelle eine echte Alternative zu anderen Energiekonzepten ist, muss die Technik noch weiterentwickelt werden, aktuell lohnt sich der Betrieb nur für investitionsfreudige Unternehmen.
  • Fazit: Wegen hoher Investitionskosten ist das Konzept nur für große Flotten wirtschaftlich umsetzbar.

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