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Just-in-Time / Just-in-Sequence Wenn Stillstand mehr als Rückschritt ist

Autor / Redakteur: Franz-Joseph Miller / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Wenn Just-in-time- oder gar Just-in-sequence-Zulieferung ans Fertigungsband durch außergewöhnliche Umstände gestört wird, drohen schnell empfindliche Produktionsausfälle. Dann springen Notfall-Logistiker in die Bresche, und immer öfter sind sie sogar dauerhafte Vertragspartner.

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„Notfall-Logistiker“ wie Time-Matters leisten schnelle Hilfe, bevor etwa ein Produktionsband im Automobilwerk stillsteht. Bild: Time-Matters
„Notfall-Logistiker“ wie Time-Matters leisten schnelle Hilfe, bevor etwa ein Produktionsband im Automobilwerk stillsteht. Bild: Time-Matters
( Archiv: Vogel Business Media )

Jedes moderne Industrieprodukt besteht aus Tausenden von Einzelteilen; aus rund 3000 Teilen wird heutzutage beispielsweise ein Auto zusammenmontiert. Nur die wenigsten dieser Komponenten werden dort produziert, wo auch die Endmontage des Fahrzeugs geschieht. Das Gros der Bauelemente wird extern zugeliefert — eine Standardaufgabe für jeden Logistikdienstleister.

Globalisierte Fertigung wird immer störanfälliger

Allerdings nimmt im Zuge der Globalisierung in immer mehr Branchen die Entfernung zwischen den einzelnen Produktionsstätten stetig zu. Eng getaktete Herstellungsprozesse sowie Just-in-time-Produktionsverfahren minimieren kostspielige Lagerhaltung oder lassen sie überflüssig werden.

Daraus folgt aber: Fertigungsabläufe werden störanfälliger. Je wichtiger die Rolle ist, die der Faktor Zeit spielt, umso größer ist die Gefahr, dass unvorhersehbare Einflüsse das sensible Geflecht ineinander greifender Produktionsschritte ins Wanken bringen. In solchen Situationen — ihre Zahl nimmt kontinuierlich zu — schlägt die Stunde von Speziallogistikern, von „Problemlösern für fast jeden logistischen Notfall“.

Produktionsausfall kann mehrere hunderttausend Euro pro Tag kosten

Schauplatz Großbritannien, ein Industriegebiet unweit von London: Im Werk eines Automobilherstellers kommt es an einem normalen Arbeitstag frühnachmittags zu einem Engpass im Fertigungsprozess — fehlende Produktionsteile sind die Ursache. Da die erforderlichen Bauelemente nicht am Lager sind, drohen die Bänder spätestens am frühen Morgen des nächsten Tages stillzustehen.

Die dringend benötigten Teile können nur bei einem bestimmten Zulieferer beschafft werden. Und der hat seinen Sitz in der Schweiz. Der drohende Produktionsausfall würde einen wirtschaftlichen Verlust in der Größenordnung mehrerer hunderttausend Euro je Tag bedeuten. Schnelles Handeln ist also notwendig, um den Schaden zu begrenzen oder ganz zu vermeiden.

Logistiker mit spezifischer Notfallkompetenz

Gesagt, getan: Das Werk informiert eilends den Automotive-Zulieferer in der Schweiz, der umgehend seinen Logistikdienstleister Trans-Tell mit der Lösung des Problems beauftragt. Angesichts des kniffligen Notfallcharakters der Situation erkennen die Verantwortlichen bei Trans-Tell sofort, dass für die Bewältigung dieses Problemszenarios spezifische Notfallkompetenz hinzugezogen werden muss, denn die Zeit ist extrem knapp, der schnellstmögliche Lufttransport ist erforderlich.

Trans-Tell leitet die Anfrage des Zulieferers daher an das auf die Lösung jeglicher logistischer Notfälle spezialisierte Unternehmen Time-Matters weiter, wo der Notruf etwa um 15 Uhr eingeht. Die in der Nähe von Frankfurt/Main ansässigen „Problemlöser“ mit Schweizer Niederlassung und damit verbunden Servicestationen an den Flughäfen Basel und Zürich nehmen die logistische Herausforderung an: Binnen weniger Stunden müssen die fehlenden Produktionsteile aus der Schweiz in das britische Werk des Automobilherstellers geliefert werden.

Logistische Prozesskette wird für jeden Notfall-Einsatz optimiert

Die Time-Matters-Experten beginnen unverzüglich mit der Ausarbeitung der für diesen Einsatzfall optimalen Prozesskette. Im Rahmen ihres weltweiten Logistiknetzwerks stehen ihnen Beförderungsmöglichkeiten in der Luft, auf der Schiene und auf der Straße zur Verfügung, die je nach individuellem Einsatzszenario aktiviert und auch miteinander verknüpft werden können. Innerhalb von nur dreißig Minuten erarbeiten sie im vorliegenden Fall den kompletten Transport- und Zeitplan für Trans-Tell, der alle Komponenten umfasst: die Abholung beim Zulieferbetrieb, die Exportverzollung am Airport Zürich, den Flug nach London-Heathrow, die dortige Importverzollung sowie die Expresszustellung direkt zur Produktionsstätte.

Die Experten sorgen hierbei nicht nur zuverlässig für das reibungslose Ineinandergreifen der einzelnen Transportabschnitte, vielmehr wird der komplette Ablauf lückenlos und persönlich von einem Time-Matters-Mitarbeiter überwacht. Die gesamte Abwicklung des komplexen Prozesses erfolgt also aus einer Hand.

Unmittelbar nach Fertigstellung der Beförderungsplanung erfolgt deren Umsetzung: Wie konzipiert wird Glied für Glied der Logistikkette aktiviert, so dass es sogar trotz einer witterungsbedingten Verzögerung des Abflugs gelingt, die notwendigen Produktionsteile gegen 3 Uhr morgens im Produktionswerk abzuliefern — gut zwei Stunden, bevor die Fertigungsbänder zum Zwangsstillstand gekommen wären.

Notfall-Logistiker schaffen Win-Win-Situation für alle

Alle Beteiligten profitieren von derartigen Lösungen: In erster Linie der Automobilhersteller, dem ein Produktionsausfall erspart bleibt. Aber auch jene Logistikunternehmen, die für die Bewältigung von Notfällen auf das Know-how flexibel agierender Spezialdienstleister wie Time-Matters zurückgreifen.

Indem es diesen Problemlösern mit ihrem Fokus auf außergewöhnlichen, bisweilen auch „unmöglichen“ logistischen Sonderfällen gelingt, engste zeitliche Vorgaben einzuhalten, sind andere Logistikanbieter imstande, auch ungewöhnliche Ansprüche ihrer Auftraggeber zu befriedigen, ohne selbst eine aufwändige Notfall-Expertise aufbauen zu müssen. Dadurch können sie ihre Kundenbeziehungen festigen.

Die Rolle von Unternehmen wie Time-Matters wird immer wichtiger. Zum einen nimmt die Zahl der Branchen ständig zu, in denen Produktionsabläufe, überwiegend globalisierungsbedingt, dezentral organisiert werden. Den klassischen Wirtschaftszweigen gesellen sich sukzessive neue Bereiche hinzu. Zum anderen führen die wachsenden Produktionsverlagerungen ins Ausland, zusammen mit den zusehends knapper werdenden Fertigungs-Deadlines, immer häufiger zur standardmäßigen Einplanung der Notfall-Bewältigung. MM

Franz-Joseph Miller ist Geschäftsführer bei der Time-Matters GmbH, 63263 Neu-Isenburg

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