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Werkzeugmaschinenindustrie Werkzeugmaschinenhersteller bekennen sich zur Produktion in Deutschland

| Autor / Redakteur: Ulrich W. Schamari / Ulrike Gloger

Deutschland ist für die Werkzeugmaschinenindustrie nach wie vor ein ausgezeichneter Standort. Wenn im Ausland produziert wird, dann meist für die dortigen Regionen. Und natürlich muss die Branche ihre Kunden ins Ausland begleiten. Viele Unternehmen aber investieren kräftig am Standort Deutschland. Hier deren wichtigste Gründe dafür.

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Für<strong id="ForP_EBC337CC-D8B9-6404-39E5B43D9D3E3BB5"> Carl Martin Welcker,</strong> Vorsitzender des VDW und geschäftsführender Gesellschafter der Alfred Schütte GmbH & Co. KG, ist Deutschland ein ausgezeichneter Standort für die Werkzeugmaschinenindustrie.Bild: VDW
Für<strong id="ForP_EBC337CC-D8B9-6404-39E5B43D9D3E3BB5"> Carl Martin Welcker,</strong> Vorsitzender des VDW und geschäftsführender Gesellschafter der Alfred Schütte GmbH & Co. KG, ist Deutschland ein ausgezeichneter Standort für die Werkzeugmaschinenindustrie.Bild: VDW
( Archiv: Vogel Business Media )

Für Heinz R. Manzau, Geschäftsführer des Werkzeugmaschinenbauers Leistritz Produktionstechnik in Nürnberg, gibt es weder in Deutschland noch in anderen Ländern einheitliche Standortbedingungen. Als Beispiel dafür, wie atypisch die Verhältnisse im Inland gegenüber der allgemein angenommenen deutschen Situation sein können, nennt er die Lage seines Unternehmens: „Wir haben unseren Hauptfertigungsstandort mit über 300 Leuten nahe der tschechischen Grenze, und dort sind die Standortbedingungen sehr gut. Es besteht also eine Differenzierung in deutschen Landen selbst.“

Zwar gebe es vor Ort keine Facharbeiter und Leistritz bilde seine Leute selbst aus, aber dafür seien diese hochmotiviert. Zum zweiten Mal schon stelle das Unternehmen den Landessieger Bayern im Ausbildungswettbewerb.

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Es sei eine vollkommen andere Motivation für junge Mitarbeiter, dort einen Job zu haben. Sie seien stolz darauf, hervorragende Arbeit abzuliefern.

Deutschland insgesamt ist für Carl Martin Welcker, Vorsitzender des Vereins Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW) und geschäftsführender Gesellschafter der Alfred Schütte GmbH & Co. KG in Köln, trotz vielfältiger Veränderungen nach wie vor ein ausgezeichneter Standort für die Werkzeugmaschinenindustrie. „Zu den Erfolgsfaktoren gehören die gute Infrastruktur, hochentwickelte, innovative Lieferanten und Abnehmer, die qualifizierten Mitarbeiter, ein hohes Ausbildungsniveau und das dichte Forschungsnetz“, betont der VDW-Vorsitzende.

Deutscher Werkzeugmaschinenbau will Standort wettbewerbsfähig halten

Die Unternehmen seiner Branche hätten nicht nur davon profitiert, dass der deutsche Werkzeugmaschinenbau am Standort Deutschland wettbewerbsfähig ist, sondern zugleich entschieden dazu beigetragen. Man werde auch in Zukunft alles dafür tun, dass es so bleibe. Das Engagement im Ausland sei nicht selten mit erheblichen Kosten verbunden – etwa für die Übersetzung einer Dokumentation in eine seltene Sprache.

Dass sich sein Unternehmen auf den Standort Deutschland als den einzig richtigen konzentriert, ist für Jens Wunderlich von Profiroll Technologies in Bad Düben selbstverständlich. Er betont: „Das Unternehmen gibt es seit 1943 hier in Deutschland, und insofern ist das keine Frage.“

Die Qualifikation der Leute streicht er als besonderen Standortvorteil heraus, und er sieht darin das maßgebliche Kriterium dafür, dass die für ihre Kaltwalzmaschinen bekannte Firma allein in Deutschland angesiedelt ist. Wichtig ist ihm aber auch die soziale Komponente. „Am Ende wollen wir ja unsere Arbeitsplätze hier erhalten“, gibt Wunderlich zu bedenken.

Gut ausgebildete Fachkräfte als Standortvorteil für Deutschland

„Ich bin ein überzeugter Verfechter des Standorts Deutschland“, sagt auch Peter Witteczek, Vorstandsvorsitzender der auf Maschinen zur Metallzerspanung spezialisierten Walter AG in Tübingen. Er sei nach wie vor sicher, dass Deutschland viele Vorteile im Vergleich zu anderen Standorten mitbringe. Da gebe es in erster Linie die gut ausgebildeten Fachkräfte und die Ingenieure. Die deutschen Fachkräfte hätten den Abschluss in einer Lehrausbildung, die derjenigen im Ausland weit überlegen sei.

Einen weiteren Vorteil Deutschlands sieht Witteczek in der politischen Stabilität. Sein Kommentar dazu: „Auch wenn man nicht immer zufrieden ist mit allem – aber im Großen und Ganzen kann man damit leben, was heute die Politik der Wirtschaft bietet.“

Kritik an Bedingungen in China

Dagegen ist er vom Standort China wenig begeistert: „Wir produzieren in China für den asiatischen Markt, und wenn ich dort die Technologie, die Qualität, die Leistung, die Produktivität mit dem Standort Deutschland vergleiche, so hängt China weit, weit hinten.“

Für den weltweit tätigen Antriebs- und Steuerungsspezialisten Bosch Rexroth AG ist Deutschland nach wie vor ein wichtiger Markt, hat darüber hinaus aber auch als Standort eine hohe Bedeutung. In Deutschland sei das Know-how vorhanden, das das Unternehmen für die Entwicklung und Fertigung hochkomplexer Produkte und Lösungen benötige, heißt es. Im Ausland produziert Bosch Rexroth, weil das Unternehmen dort auf regionale Bedürfnisse der Kunden eingehen, neue Märkte erschließen und die Chancen auf den Wachstumsmärkten stärken kann.

Der weitere Ausbau des Stammsitzes in Deutschland steht auf dem Programm von Reis Robotics. Als ersten Grund dafür nennt Volker Wünsch, Vertriebsleiter Handhabungssysteme, das im fränkischen Obernburg verfügbare Ingenieurpersonal und als weiteres Kriterium „die gute Ausbildung, die man für das, was wir hier fertigen, benötigt.“ Es würden hochtechnologische Produkte hergestellt – nicht allein Roboter, sondern auch Komplettlösungen. Dazu brauche man gut ausgebildete Techniker und Ingenieure.

Zudem gebe es am deutschen Standort auch das entsprechende Produktions- und Applikations-Know-how. Zur Attraktivität ausländischer Standorte bezieht Wünsch eine klare Position: „Da, wo unsere Kunden hingehen, müssen halt auch wir sein.“

(ID:242901)