Amazon unterstützt Mitarbeiter bei beruflicher Weiterbildung

| Autor / Redakteur: Rabea Tamm / Gary Huck

Amazon-Mitarbeiter können sich auch außerhalb ihres Tätigkeitsfeldes beruflich weiterbilden.
Amazon-Mitarbeiter können sich auch außerhalb ihres Tätigkeitsfeldes beruflich weiterbilden. (Bild: Amazon)

Amazon unterstützt mit dem Programm „Career Choice“ seine Mitarbeiter dabei sich beruflich weiterzubilden, um ihren Wert auf dem Arbeitsmarkt zu steigern.

Viele Unternehmen klagen, nicht genügend Fachkräfte zu finden, und legen sich mächtig ins Zeug, ihr Personal an sich zu binden. Auch Amazon legt großen Wert auf treue und motivierte Mitarbeiter. Dennoch bietet der Onlinehändler seinen Mitarbeitern in den Logistikzentren und im Kundenservice die Möglichkeit, sich über das Programm „Career Choice“ für eine Karriere außerhalb von Amazon oder einen internen Positionswechsel fit zu machen. Die Idee zum Programm entstand vor dem Hintergrund, dass ein großer Teil der weltweit rund 600.000 Mitarbeiter in der Logistik arbeitet und für die Tätigkeit als Versandmitarbeiter keine Vorqualifikation nötig ist. Amazon hat sich deshalb überlegt, wie es diese Mitarbeiter in der Logistik und im Kundenservice unterstützen kann, damit sie in der Lage sind, in qualifiziertere Positionen zu wechseln. Es war klar, dass dies nur über Bildung möglich ist, und so wurde 2012 in den USA der Startschuss für „Career Choice“ gegeben. Seither haben sich weltweit schon über 16.000 Mitarbeiter im Rahmen des Programms weitergebildet oder beruflich neu orientiert.

Amazon übernimmt 95 % der Weiterbildungskosten

Seit 2014 läuft das Bildungsprogramm auch in Deutschland. Motivierte Mitarbeiter können sich – neben den regulären Angeboten der Personalentwicklung – ganz nach eigenem Interesse und Bedarf berufsbegleitend weiterentwickeln und aus einem umfangreichen Kurskatalog wählen. Dies kann ein kurzes Training sein, aber auch eine dreijährige Ausbildung, ein Schulabschluss oder eine Meister- oder Fachwirtfortbildung. Das Besondere daran: Amazon fördert auch Aus- und Weiterbildungen, die mit dem eigenen Kerngeschäft nichts zu tun haben. Die Themenbereiche reichen von Verwaltung über Maschinenbau, Handwerk und IT bis hin zu Gesundheitswesen sowie Transport und Logistik. Das Unternehmen übernimmt 95 % der Kosten bis zu einem Höchstbetrag von 8000 Euro und unterstützt Mitarbeiter maximal vier Jahre lang. Einzige Zugangsvoraussetzung ist, dass sie seit zwei Jahren ohne Unterbrechung im Unternehmen beschäftigt sind.

Buchhalter, Krankenpfleger, Softwareentwickler oder Berufskraftfahrer – so exotisch diese Mischung klingen mag, allen Aus- und Weiterbildungen im Katalog ist eines gemeinsam: Sie versprechen beste Berufsaussichten. Denn das Bildungsprogramm war von Beginn an darauf ausgerichtet, den Arbeitnehmern eine realistische Chance für eine Weiterentwicklung in qualifiziertere Tätigkeiten zu ermöglichen, ob bei Amazon selbst oder bei einem anderen Arbeitgeber. Ein Beispiel dafür ist die Ausbildung zum Berufskraftfahrer, die am Arbeitsmarkt händeringend gesucht werden.

Amazon arbeitet für „Career Choice“ mit einer kleinen Zahl an Bildungspartnern zusammen. Bei der Auswahl ist es wichtig, dass diese an unterschiedlichen Standorten präsent sind und langjährige Erfahrung darin haben, Menschen mit unterschiedlichen beruflichen Hintergründen fit für eine berufliche Weiterentwicklung zu machen. Einer davon ist die Dekra Akademie, mit der unter anderem die Qualifizierung zum Berufskraftfahrer deutschlandweit umgesetzt wird.

Dekra übernimmt organisatorische Aufgaben

Gemeinsam mit dem Bildungsdienstleister hat Amazon den Rahmen für die Ausbildung zum Berufskraftfahrer festgelegt, die interessierte Mitarbeiter an allen Logistikstandorten einheitlich absolvieren. Sie dauert in der Regel acht Monate und beinhaltet den CE-Führerschein sowie die Grundqualifikation zum Berufskraftfahrer. Am Standort Koblenz haben sich beispielsweise 2018 insgesamt 18 Amazon-Mitarbeiter für diese Tätigkeit im Gütertransport weitergebildet. Im März 2019 ist hier schon die nächste Gruppe mit 13 Teilnehmern gestartet. Sie ist bunt gemischt, Ältere und Jüngere ebenso wie verschiedene Nationalitäten. In enger Kooperation mit Amazon übernimmt die Dekra Akademie vor dem Ausbildungsbeginn die organisatorischen Aufgaben, sodass alle formalen Voraussetzungen, wie die medizinischen Untersuchungen, der Erste-Hilfe-Kurs oder amtliche Zulassungen schon vorliegen, wenn die Mitarbeiter starten.

Die Mitarbeiter, die sich für die Berufskraftfahrer-Ausbildung entscheiden, arbeiten weiterhin in Schichten. Die beschleunigte Grundqualifikation findet in vielen Standorten direkt in den Räumen von Amazon statt, um die Ausbildung zu erleichtern und sie möglichst gut in den Arbeitszeitplan zu integrieren. Lediglich der Theorieteil des CE-Führerscheins wird bei der kooperierenden Fahrschule durchgeführt. Parallel zum Präsenztraining können die angehenden Berufskraftfahrer zuhause am PC oder über eine App Lerninhalte vertiefen. Die Prüfung der beschleunigten Grundqualifikation legen sie dann vor der örtlichen IHK ab und die Führerscheinprüfungen vor dem TÜV. 2018 haben auf diese Weise deutschlandweit 56 Amazon-Mitarbeiter die Ausbildung zum Berufskraftfahrer erfolgreich abgeschlossen.

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Amazon geht nach einer bestandenen Weiterbildung sogar noch einen Schritt weiter und erleichtert wechselinteressierten Teilnehmern mit einer neuen Qualifikation, für die es im Unternehmen keinen Bedarf gibt, den Kontakt zu passenden Arbeitgebern. Im Fall der Berufskraftfahrer ist die Dekra bei Interesse das Bindeglied zum Arbeitsmarkt und stellt den Kontakt zu Logistikunternehmen in ihrem Netzwerk her.

Die Resonanz auf „Career Choice“ ist sehr positiv. Derzeit befinden sich in Deutschland rund 300 Mitarbeiter in einer Aus- oder Weiterbildung. Das „Career-Choice“-Team wirbt intern weiterhin für das freiwillige Programm, zum Beispiel über Videos oder Berichte von Mitarbeitern bei Quartalstreffen an den Standorten. Eine Herausforderung ist jedoch die Tatsache, dass Beschäftigte in der Logistik und in den Servicecentern oft seit Längerem keine Weiterbildung mehr besucht oder in der Vergangenheit schlechte Lernerfahrungen gemacht haben. Gerade wenn Mitarbeiter zum Beispiel ihre Schulzeit oder die Ausbildung mit negativen Erlebnissen verbinden, ist es manchmal schwer, sie zu einer Weiterbildung zu motivieren.

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