Verpackungen aller Art sind essenziell für Industrie, Handel und den Konsumenten. Ohne sie geht es nicht. Deswegen sollte die Nachhaltigkeit bei der Herstellung und Verwendung eine Rolle spielen.
Aufbereiten, erneuern, umdenken. Mit diesen drei Konzepten lassen sich Verpackungen nachhaltiger machen.
(Bild: Dominik Kron - VCG)
Bis zu 35 Mio. Sendungen in drei Wochen. Das war die Prognose von Hermes für das Weihnachtsgeschäft 2020. Auch wenn die Pandemie diese Zahl möglicherweise zusätzlich angehoben hat, sie ist mit den Vorjahren durchaus vergleichbar. Und einen stetig wachsenden E-Commerce konnte man auch vor Corona schon beobachten. Der E-Commerce-Spezialist Bloomreach geht davon aus, dass die Branche bereits 2025 wieder auf dem Wachstumspfad zurück ist, der vor der Krise prognostiziert wurde.
Auf den B2B-Bereich trifft das genauso zu, wie auf den B2C-Bereich. Spätestens 2020 haben viele Unternehmen, wenn auch manchmal aus der Not heraus, erkannt, wie wichtig ein Onlineshop sein kann. Man kann davon ausgehen, dass auch bei geschäftlichen Sendungen der Gipfel noch nicht erreicht ist.
Wachstum an sich ist nicht schlecht, aber man darf dabei auch die Konsequenzen nicht übersehen. Kann der steigende Konsum auch mit dem Ruf nach Nachhaltigkeit einhergehen? Wir haben uns in der Branche umgehört und Antworten gefunden.
Nachhaltigkeit und Konsum müssen sich nicht ausschließen. Es gibt im Bereich Verpackung unterschiedliche Ansätze, die man verfolgen kann, um beide einander anzunähern.
Aufbereiten
Ein Ansatz ist Recycling. Definitiv kein neues oder revolutionäres Konzept, das aber einen großen Unterschied machen kann. Eine vollständig im Kreislauf agierende Materialversorgung ist utopisch. Beim Recycling gibt es immer Verluste. Allerdings lassen sich Verfahren auch verbessern. Gerade bei Verpackungen muss man immer auf die Masse rechnen. Nehmen wir als Beispiel herkömmliche Wellpappe. Laut Marjo Halonen, Vice President Communications bei Metsä Board, lässt sich Wellpappe in Europa im Durchschnitt zu 85 % recyclen. Im Jahr 2017 wurden in Deutschland allein 5,3 Mio. t Wellpappe hergestellt (Quelle: Verband der Wellpappe-Industrie e. V.). Würde man nicht mit 85 %, sondern 86 % Recyclingrate rechnen, könnten 53.000 t mehr recyclet werden. Auf ganz Europa oder die Welt gerechnet ließe sich viel Müll vermeiden und Ressourcen schonen. Natürlich lässt sich nicht nur Pappe wiederverwenden. Glas und Metall sind auch vielversprechende Kandidaten für Mehrwegverpackungen.
Erneuern
Die Rohstoffauswahl ist auch eine Stellschraube, um Emissionen zu sparen. Bleiben wir doch bei der Wellpappe. Die ist bereits ein nachwachsender Rohstoff. Aber Holz wächst langsam nach. Bis ein neu gepflanzter Baum die Größe erreicht hat, um gefällt und für die Zellstoffproduktion eingesetzt werden kann, vergehen Jahrzehnte. Ein Komplementär- oder Ersatzstoff sind Naturfasern aus Gras. Dadurch werden Emissionen und vor allem Wasser gespart. „Bei der Produktion unserer Grasfaser wird keine Chemie verwendet, das Produkt wird rein mechanisch verarbeitet. Außerdem sind im Schnitt nicht 6000, sondern nur 6 l Wasser notwendig“, erzählt Birgit Goldenstern, Marketing & Sales bei Creapaper. Beim Etikettenhersteller Herma arbeitet man auch mit Grasfasern. Ralf Drache, Leiter Vertrieb und Marketing bei Herma, sagt: „Wir haben das Haftmaterial HERMA Nature Fieno eingeführt. Zugegeben, das ist und bleibt zunächst ein Nischenprodukt, und man sieht dem entsprechenden Etikettenpapier seine Herkunft an. Aber es stößt auf durchaus beachtliche Resonanz bei Kundengesprächen.“
Rein auf Gasfasern basierende Verpackungen sind auch nicht die Lösung. Denn auch Gras ist nicht unendlich verfügbar. Die Kombination aus Holzfasern und Grasfasern ist momentan ein guter Weg, Versandverpackungen nachhaltig zu gestalten. So wird die Last auf mehrere Säulen verteilt und etablierte Produktionen können weiter bestehen bleiben.
Umdenken
Recyclen und die Herstellung weiterentwickeln sind Ansätze Ressourcen zu schonen und Emissionen zu reduzieren. Der effektivste Ansatz ist aber vermutlich den Bedarf einzuschränken. Das heißt nicht, dass wir aufhören sollen zu konsumieren oder den E-Commerce signifikant zurückfahren sollen.
Aber genauso wie man bei der Herstellung von Verpackungen neue Wege finden kann, lässt sich auch ihre Verwendung weiterentwickeln. „Die Hauptaufgabe der Verpackung ist es, die Ware vor Schäden zu schützen. Verglichen mit dem Produkt darin, ist ihr klimatischer Effekt relativ gering. Man muss die gesamte Wertschöpfungskette betrachten. Dazu zählen auch Design und Transport“, erklärt Halonen.
Über das Design der Verpackung lässt sich überflüssiges Material einsparen. Das gilt auch für die Einlagen im Inneren, die Waren extra schützen sollen. Über das Sendungsmanagement können auch Emissionen reduziert werden. Eine präzise Routen- und Tourenplanung kann dazu beitragen, dass bei der Auslieferung selbst der CO2-Fußabdruck des Pakets reduziert wird. Damit ließe sich auch Zeit sparen. Das würde dem Lieferanten wie auch dem Konsumenten finanziell zu Gute kommen.
Stand: 08.12.2025
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Aber auch der Kunde ist gefragt. Man kann die Verantwortung nicht nur auf die Lieferanten und Hersteller abwälzen. „Es hängt in hohem Maße von uns allen ab, ob wir zum Beispiel im Hinblick auf die Klimaerwärmung als Menschheit noch die Kurve kriegen. Das sollten wir uns bei jeder Kaufentscheidung vor Augen führen“, meint Drache. „Und wir werden uns vielleicht daran gewöhnen müssen, auch einmal auf etwas zu verzichten. Je mehr wir das aus eigenem Antrieb und aus eigener Überzeugung tun, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir eine Art Zwangs- oder Planwirtschaft vermeiden können.“