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An den Gedanken, dass es zukünftig autonome Autos geben wird, denen beim Einsteigen einfach das Fahrziel mitgeteilt wird, hätten sich die Menschen schon gewöhnt. „Aber genau das Gleiche können wir auch mit Maschinen und Prozessen machen“, so Franke weiter. Als Beispiel benennt er einen Container, dem vorgegeben wird, zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort zu sein. Alles Weitere würden Digitalisierungstechniken regeln und sich gleichzeitig selbst optimieren.
Von der Theorie in die praktische Umsetzung
Doch die Blockchain-Technologie ist nicht nur Global Playern vorbehalten. Diesen Beweis treten das Dortmunder Fraunhofer-IML und der technische Großhändler Piel aus Soest an. Im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsprojekts testen die Partner entsprechende Lösungen für den unternehmensübergreifenden elektronischen Datenaustausch. Ziel ist die Implementierung einer durchgängig digitalisierten Nachbestellung von Ersatzteilen und Verbrauchsmaterialien. Die dafür verwendeten Transaktionen sollen den Ablauf beschleunigen. Unterstützt wird die laufende Umsetzung, die bis Juni 2019 abgeschlossen sein soll, durch die IML-eigene Industrie-4.0-Testumgebung. Dazu Axel T. Schulte: „Unsere Testumgebung bietet optimale Bedingungen, um die zu digitalisierenden Datenaustauschprozesse unter realistischen Bedingungen zu entwickeln und zu erproben.“ Wichtig für den Wissenschaftler ist aber auch die Möglichkeit, einen gezielten Know-how-Transfer rund um die Service-, Software- und Plattformentwicklung und das Datenmanagement (Stichwort: Big Data) leisten zu können.
Abgeschlossen hingegen ist ein Blockchain-Pilotprojekt für die chemische Industrie. Dies hat das digitale Versorgungsnetzwerk Elemica Mitte Januar 2019 bekannt gegeben. Demnach sind im Rahmen einer Innovationsoffensive zwei global agierende Chemiekonzerne mittels neuer Technologien an ihre Handelspartner und Lieferanten angebunden worden. Im Fokus stand ein vereinfachter Transfer von Daten und Dokumenten. Erkenntnissen zufolge sollen Nutzer der Blockchain von einer Reihe an Vorteilen entlang der Supply Chain profitieren. So ließe sich ein Informationsaustausch zwischen verschiedenen Interessengruppen auf Grundlage eines vertrauenswürdigen, vermittlerfreien und dezentralen Standards realisieren. Die Automatisierung vereinfache zudem vorhandene Geschäftsprozesse und es sei eine Erweiterung des Systems auf weitere Netzwerke sowie IoT-Geräte möglich.
Wettbewerbsvorsprünge sukzessive sichern
Ob die Blockchain nun tatsächlich das Potenzial hat, die Logistik zu revolutionieren, bleibt abzuwarten. Letztlich ist es auch nicht nur eine Frage der Technologie an sich. Nach wie vor sind rechtliche Fragen zu klären und es müssen neue Formen der Kollaboration zwischen den beteiligten Akteuren implementiert werden – ein Prozess, der möglicherweise noch geraume Zeit in Anspruch nimmt. „Die Blockchain steht noch ganz am Anfang und momentan kann noch keiner wirklich absehen, wozu diese in der Lage sein und was sie verändern wird. Unser Rat: Machen Sie sich auf den Weg, fangen Sie an, sich mit dem Thema zu beschäftigen!“, hält Franz Vallée fest. Ulrich Franke bescheinigt der Blockchain einen disruptiven Charakter und ist überzeugt, dass die Technologie langfristig eine zentrale Rolle spielen werde. Sicher ist er aber auch, „dass wir noch ganz am Anfang einer neuen, vierten technischen Revolution stehen“.
Und Andreas Gmür von Camelot fasst zusammen: „Es ist zu erwarten, dass sich in den kommenden Jahren durch das Zusammenspiel mit anderen IT-Megatrends – Künstliche Intelligenz, Internet of Things, et cetera – weitere spannende Anwendungsszenarien für Blockchain in der Logistik entwickeln werden. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für Unternehmen, um sich im Rennen um die beste Ausgangsposition in Stellung zu bringen.“ Axel. T. Schulte empfiehlt in diesem Zusammenhang unter anderem, bei der Suche nach adäquaten Use Cases den Kundennutzen sowie mögliche Effizienzsteigerungen nicht aus den Augen zu verlieren. Auch müsse die jeweils geeignete Technologie ausgewählt werden, etwa eine „private“ Blockchain in Kombination mit Smart-Contract-Lösungen. Ferner sei es ratsam, erste Umsetzungen anhand von „Piloten“ zu starten, um die Technologie einerseits schnell, andererseits aber auch zunächst ohne Beeinträchtigung der laufenden Geschäftsprozesse zu testen. ■
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