Letzte Meile

Die gesamte Transportkette digital abbilden

| Redakteur: Bernd Maienschein

„KiSoft Pick Up & Delivery“ ist das Ergebnis einer strategischen Kooperation zwischen dem österreichischen Intralogistikspezialisten Knapp und der deutschen Softwareschmiede Kratzer Automation.
„KiSoft Pick Up & Delivery“ ist das Ergebnis einer strategischen Kooperation zwischen dem österreichischen Intralogistikspezialisten Knapp und der deutschen Softwareschmiede Kratzer Automation. (Bild: Knapp)

Ende Mai dieses Jahres haben der österreichische Intralogistik-Systemanbieter Knapp und das deutsche Softwareunternehmen Kratzer Automation ihre strategische Zusammenarbeit bekannt gegeben. Zu der „Partnerschaft für die letzte Meile“ haben wir mit Peter Puchwein, Director Innovation bei Knapp, und Mathias Vieweg, Head of Product Management bei Kratzer Automation, gesprochen, der die Kooperation von Anfang an begleitet hat.

Kratzer Automation ist unter den Topanbietern von operativen Transport-Management-Systemen. Kunden aus Spedition, der KEP-Branche sowie Industrie und Handel nutzen die Transport-Management-Software, die nun als Add-on „KiSoft Pick Up & Delivery“ das Softwareportfolio von Knapp ergänzt.

Mit „KiSoft“ sind alle Prozesse im Lager softwaregeführt. „KiSoft Pick Up & Delivery“ schließt die Lücke zwischen der Auslieferung der Ware und der Übernahme der Lieferung durch den Endkunden. Damit werden Sendungen nachverfolgt, vollständig dokumentiert und Transportschäden erfasst. Darüber hinaus können auch aussagekräftige Kennzahlen gewonnen werden. Alle Informationen werden über die gesamte Lieferkette vollständig erfasst, verarbeitet und bedarfsgerecht bereitgestellt.

Herr Puchwein, Knapp ist weltbekannt für seine effizienten Intralogistiklösungen. Machen Sie jetzt auch in Transportlogistik?

Intralogistik und Transportlogistik sind eng miteinander verbunden. Die Schnittstelle ist das Lkw-Dock. Eine effiziente Intralogistiklösung nimmt darauf Rücksicht, was danach passiert. Unser Ziel ist es immer, den Gesamtprozess zu optimieren und nicht innerhalb von vier Wänden zu denken. Wir optimieren unsere Systeme so weit, dass es die Transportlogistik danach leichter hat.

Wie kam die Kooperation mit Kratzer Automation zustande?

Wir sind im Zuge einiger Projekte aufeinandergetroffen und haben immer wieder darüber nachgedacht, wie man einen Mehrwert generieren kann, wenn man den Gesamtprozess betrachtet. Dadurch kommt man aus dem Inseldenken heraus und optimiert das System auf mehr als den eigenen Betrachtungshorizont. Dazu ist Kratzer der perfekte Partner.

Peter Puchwein ist Director Innovation bei der Knapp AG, die zu den Markt- und Technologieführern unter den Anbietern intralogistischer Komplettlösungen, automatisierter Lagersysteme und Logistiksoftware-Lösungen zählt.
Peter Puchwein ist Director Innovation bei der Knapp AG, die zu den Markt- und Technologieführern unter den Anbietern intralogistischer Komplettlösungen, automatisierter Lagersysteme und Logistiksoftware-Lösungen zählt. (Bild: Knapp)

In der Vergangenheit haben Sie Know-how in der Regel zugekauft, wenn wir die Akquisen von Syslog und Atis oder auch Ylog betrachten. Warum jetzt Kooperation?

Transportlogistik ist nicht unsere Kernkompetenz, das ist auch der Unterschied zu den genannten Akquisitionen.

Mit „KiSoft“ haben Sie eine mächtige Software-Produktlinie am Start. Trotzdem suchen Sie die Partnerschaft mit einem Software-Spezialisten …

„KiSoft“ ist ein mächtiges Intralogistik-Softwarepaket mit umfangreichen Schnittstellen zu vor- und nachgelagerten Logistikprozessen. Kratzer Automation bietet genau die notwendigen Schnittstellen, um die Transportlogistik perfekt anzubinden und notwendige Daten auszutauschen.

„Von der Supply Chain zur Value Chain“ – was steckt hinter diesem schicken Slogan?

Wir verstehen darunter die Lieferkette der Zukunft mit dynamischen, flexiblen, wirtschaftlichen und fehlerfreien Prozessen. Ich muss aber gestehen, ich selbst bin kein großer Fan von Slogans und Hypebegriffen. Bei vielen Dingen muss man genauer hinsehen, Industrie 4.0 und Artificial Intelligence (AI) sind mir als Techniker zu wenig. In der Knapp-DNA ist tief verankert, dass wir uns nicht auf Produkte, sondern auf Gesamtlösungen fokussieren, die nachhaltigen Mehrwert für unsere Kunden generieren. Nur so funktioniert Intralogistik. Um die Lösungen weit über unsere Grenzen hinaus zu optimieren, bedarf es Partnerschaften wie der mit Kratzer Automation, mit denen wir Fachwissen in beide Richtungen teilen können, um die Gesamtlösung besser zu machen.

Herr Vieweg, Ihre Softwarelösung Cadis sorgt für effiziente operative Prozesse in der Transportkette. Wie bringen Sie das mit der Intralogistiksoftware „KiSoft“ zusammen?

Der Übergang von der Kommissionierung in den Transport ist eine der wichtigsten Schnittstellen im Supply-Chain-Prozess. Durch die Partnerschaft mit der Knapp AG und die Einbindung von Cadis als „KiSoft Pick Up & Delivery“ können wir dieses entscheidende Glied der Supply Chain optimal unterstützen. So greifen alle Geschäftsprozesse reibungslos ineinander.

Matthias Vieweg ist Head of Product Management bei der Kratzer Automation AG. Er hat die Kooperation mit Knapp primär mitinitiiert und begleitet. Sein Unternehmen liefert seit über 35 Jahren prozessnahe Softwarelösungen für die internationale Automobilindustrie und die Transportbranche in Europa.
Matthias Vieweg ist Head of Product Management bei der Kratzer Automation AG. Er hat die Kooperation mit Knapp primär mitinitiiert und begleitet. Sein Unternehmen liefert seit über 35 Jahren prozessnahe Softwarelösungen für die internationale Automobilindustrie und die Transportbranche in Europa. (Bild: Kratzer Automation)

Was war überhaupt Ihre Motivation, mit einem Global Player der Intralogistik wie Knapp gemeinsame Sache zu machen? Stand alone ging nicht?

„Stand alone“ ist in einer komplexen und vernetzten Welt nicht mehr State of the Art. Angesichts globaler Logistikketten werden starke Partnerschaften immer wichtiger. Für ein erweitertes Serviceportfolio braucht es eine integrierte Lösung. Mit der Knapp AG hatten wir einige Touch Points – so lag es nahe, dass wir uns im Hinblick auf einen innovativen Ansatz zusammenschließen.

Ihre Kooperation konzentriert sich auf PUD (Pick-up and Delivery). Das Cadis-Produktspektrum geht aber mit Lösungen für Disponenten, Fahrer und Menschen „auf der Halle“ weit über die letzte Meile hinaus …

Das stimmt. Wir können unseren Kunden mit Cadis eine umfassende Transport-Management-Lösung anbieten, die Rampe und Straße umfasst. Mit „KiSoft Pick Up & Delivery“ konzentrieren wir uns gemeinsam mit Knapp darauf, die letzte Meile aus dem Lager zu optimieren. Diese Anforderung tritt in der Praxis sehr häufig auf. Sofern die Anforderungen eines Kunden darüber hinausgehen, bieten wir optional erweiterte Funktionalitäten.

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Big Data ist so ein großes Wort. Was nützen Ihnen und Ihren Kunden aber die ganzen schönen Daten, wenn der Kunde am Ende nicht erreichbar ist? Dann ist es mit der Aussagekraft der Kennzahlen doch ganz schnell vorbei, oder?

Wir empfehlen, strukturierte Daten im Hinblick auf klar definierte Geschäftsprozesse zu evaluieren – das Stichwort lautet „Smart Data“. Aus diesen lassen sich operativ Maßnahmen ableiten, um etwa die Zahl an Leerfahrten zu reduzieren oder Standzeiten am Tor oder der Rampe zu verkürzen. Auf Datenbasis lassen sich für Logistiker etwa bessere Routenoptionen identifizieren oder Lieferzeitfenster bei Empfängern anpassen, sodass die Anlieferung zuverlässig und schnell klappt. Smart Data spielen auch in der Kooperation mit Knapp eine wichtige Rolle: Die in Cadis entstehenden Transportdaten fließen in „KiSoft“ zusammen mit Daten aus anderen Prozessschritten und Systemen. Daraus folgen intelligente Auswertungen.

Vielen Dank für Ihre Antworten, meine Herren!

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