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Trends der Fertigungsindustrie Diese Trends bestimmen die Zukunft der Fertigungsindustrie

| Autor: Sebastian Hofmann

Wie sieht die Zukunft der Fertigungsindustrie in Deutschland aus? Das hat Zebra Technologies mit der Manufacturing Vision Study 2017 herausgefunden.

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„Nur durch den Einsatz smarter Technologie können Fertigungsbetriebe zukunftsfähig bleiben“, sagt Ralf Schulze.
„Nur durch den Einsatz smarter Technologie können Fertigungsbetriebe zukunftsfähig bleiben“, sagt Ralf Schulze.
(Bild: © zapp2photo - Fotolia.com)

Globalisierung, das Aufkommen von Industrie 4.0 und steigende Kundenanforderungen – die Fertigungsindustrie in Deutschland steht momentan vor schwierigen Herausforderungen. Im Rahmen der Manufacturing Vision Study 2017 hat Zebra Technologies untersucht, welche aktuellen Trends die Branche besonders beschäftigen und die Zukunft der Fertigungsindustrie maßgeblich prägen könnten. Wir haben mit Ralf Schulze, EMEA Manufacturing Lead bei Zebra Technologies, über die Ergebnisse der Studie gesprochen.

Herr Schulze, was treibt die Fertigungsindustrie speziell in Deutschland derzeit besonders um?

Schulze: Wir erleben in der industriellen Welt gerade einen tiefgreifenden Wandel. Immer weniger Abnehmer wollen ein generisches Produkt von der Stange kaufen. Die Allermeisten verlangen eine Lösung, die genau auf ihr spezifisches Problem zugeschnitten ist. „Vom Produkt zur Lösung“ lautet das neue Motto. Besonders deutlich erkennen lässt sich diese Entwicklung an der Automobilindustrie: Wo es früher lediglich zwei, drei oder vier starre Produktlinien gab, steht heute eine Vielzahl an Modellreihen und Grundmustern, die Kunden individuell zusammenstellen können. Für Fertigungsunternehmen heißt das vor allem eines: Die Produktkomplexität steigt.

In diesem Video erklärt KPMG Deutschland, welche Folgen Digitalisierung für die Fertigungsindustrie hat. Unbedingt anschauen!

Wie können Betriebe dieser neuen Anforderung gerecht werden?

Schulze: Die gestiegene Produktkomplexität muss sich zuerst einmal auch in den Produktions- und Logistikprozessen der Unternehmen widerspiegeln. Das ist eine Grundvoraussetzung für Erfolg in der Zukunft. Die Systeme müssen so aufgebaut sein, dass sie die steigenden Kundenanforderungen erfüllbar machen und komplexe Prozesse für den Anwender nachvollziehbar darstellen. Das zentrale Stichwort lautet: Transparenz. Heute findet man in Fertigungsunternehmen noch viele Informationsinseln und Medienbrüche in den Informationsbarrieren. Zwar werden Daten entlang der Wertschöpfungskette gesammelt, man nutzt sie jedoch entweder gar nicht oder kann sie nur mit zeitlicher Verzögerung weiterleiten. Es gibt hier einen hohen Nachholbedarf, um die Transparenz von Supply Chains zu erhöhen.

Hier ein Anwendungsbeispiel: Wenn ich ein Produkt versende und die Paket- oder Versandnummer nicht direkt an den Empfänger weitergebe, verschenke ich wertvolle Daten. Der Kunde weiß dann nämlich nichts zum aktuellen Stand seiner Sendung. Er kann nicht feststellen, wann sein Produkt ankommt oder ob es Lieferverzögerungen gibt. Gesammelte Daten müssen also tatsächlich auch dazu genutzt werden, die Visibility der Wertschöpfungskette zu erhöhen.

Wie genau soll das funktionieren, Wertschöpfungsketten transparenter zu machen?

Schulze: Hier ist der Einsatz vernetzter, mobiler Lösungen gefragt. Sie sammeln Daten zeitnah und stellen sie dort zur Verfügung, wo sie gebraucht werden. Um solche smarten Technologien wirklich sinnvoll einsetzen zu können, braucht es jedoch auch eine gut ausgebaute IT-Infrastruktur. Nur auf dieser Basis können Unternehmen sehr flexibel und agil auf sich immer schneller ändernde Marktereignisse reagieren.

„Vernetzung entlang der Wertschöpfungskette wird eine der zentralen Aufgaben der Zukunft für die Fertigungsindustrie und die Logistik“, sagt Ralf Schule.
„Vernetzung entlang der Wertschöpfungskette wird eine der zentralen Aufgaben der Zukunft für die Fertigungsindustrie und die Logistik“, sagt Ralf Schule.
(Bild: Zebra Technolgies)

Die Vernetzung entlang der Wertschöpfungskette wird in Zukunft also eine Schlüsselaufgabe von Fertigungsunternehmen?

Schulze: Auf jeden Fall. Unsere Studie hat ergeben, dass heute noch 56 % der Betriebe auf Stift und Papier zurückgreifen! Smarte Technologien stoßen hier also auf ein enormes Einsparpotenzial und könnten den Nachbearbeitungsaufwand solcher analogen Prozesse deutlich reduzieren. Wir gehen davon aus, dass sich die Zahl der vernetzten Fabriken bis 2022 verdoppeln wird. Neben der Erfüllung gestiegener Produktkomplexität und Kundenanforderungen müssen Fertigungsindustrie und vor allem Logistik zunehmend auch auf schnellere Zustellung achten.

Schauen wir doch nur in die Automobilindustrie: War es früher durchaus akzeptabel, sechs bis neun Monate auf ein neues Auto zu warten, darf die Lieferzeit heute maximal noch zwölf Wochen betragen!

Eine große Anzahl von Unternehmen ist deshalb regelrecht dazu gezwungen, in Vernetzung zu investieren. Gerade im Mittelstand stellen sich viele deshalb natürlich auch die Frage: „Auf welche Technologien und (Kommunikations-)Standards soll ich setzen?“ Schließlich müssen die Verantwortlichen ihre Investitionen in neue Systeme nicht nur im Hier und Jetzt, sondern auch im Hinblick auf die Zukunft rechtfertigen.

Die Studie zeigt, dass der Einsatz smarter Technologien in der Fertigungsindustrie und der Logistik immer wichtiger wird.
Die Studie zeigt, dass der Einsatz smarter Technologien in der Fertigungsindustrie und der Logistik immer wichtiger wird.
(Bild: Zebra Technologies)

Welche Investitionen machen da aus Ihrer Sicht momentan Sinn?

Schulze: Wir sehen Radio-Frequency Identification (RFID) klar im Kommen. Zwar hat das Thema jahrelang darunter gelitten, dass es keine einheitlichen technischen Standards gab, zunehmend wird RFID jedoch attraktiv für die Industrie. Die Technologie unterstützt die Fertigung individualisierter Produkte bis hin zu Losgröße 1 und sorgt gleichzeitig für transparente Supply Chains.

Werden künftig auch Wearables eine zentralere Rolle in der Fertigungsindustrie und der Logistik einnehmen?

Schulze: Generell rücken Informationsverarbeitung, Erzeugung und Logistik dichter zusammen. Mobile Technologien erobern das Lager und den Shopfloor. Wir sehen ganz klar, dass Wearables hier einen entscheidenden Vorteil gegenüber traditionellen Werkzeugen wie etwa mobilen Terminals bieten, zum Beispiel in Sachen Handlichkeit. Entsprechend dieser Entwicklung gibt es auf dem Markt auch ein immer breiteres Produktportfolio, angefangen bei der Smartwatch bis hin zum Headup-Display.

Industrie 4.0 wird die Logistik und die Fertigungsindustrie in Deutschland also in die Zukunft führen?

Schulze: Dem würde ich nur in Teilen zustimmen. Industrie 4.0 ist letztendlich nichts anderes als ein Werkzeugkasten mit vielen Technologien. Die kann man schon heute nutzen, um das eigene Unternehmen für morgen zukunftsfähig zu machen. Gleichzeitig muss man die Umsetzungsgeschwindigkeit der Industrie beim Thema Industrie 4.0 realistisch einschätzen: Ich glaube zum Beispiel nicht, dass es in absehbarer Zukunft auch nur ein Unternehmen gibt, das sagen kann, es sei ein komplett Industrie 4.0 ausgerichteter Betrieb.

Weitere Informationen:https://www.mm-logistik.vogel.de/redirect/643786/aHR0cHM6Ly93d3cuemVicmEuY29tL2RlL2RlLmh0bWw/e53834e4fb9e2ad5d4a587ff97f752b9dc97a333bd7de851bd2fc931/article/

(ID:44883430)

Über den Autor

 Sebastian Hofmann

Sebastian Hofmann

Journalist, Vogel Communications Group