Fahrerlose Transportsysteme

Freie Fahrt für flexible und effiziente Intralogistik

| Autor / Redakteur: Reinhard Irrgang / Benedikt Hofmann

MLR hat für einen Hersteller von Medizinbedarf ein FTS inklusive Steuerung realisiert, bei dem die frei navigierenden FTF jeweils zwei Edelstahl-Container mit geschlossenem Deckel transportieren.
MLR hat für einen Hersteller von Medizinbedarf ein FTS inklusive Steuerung realisiert, bei dem die frei navigierenden FTF jeweils zwei Edelstahl-Container mit geschlossenem Deckel transportieren. (Bild: MLR)

Fahrerlose Transportsysteme (FTS) erfreuen sich branchenübergreifend starker Nachfrage. Dabei zeigen aktuelle Entwicklungen eine zunehmende, exakt an die Kundenanforderungen angepasste Individualisierung und höchste Einsatzflexibilität mit problemloser Neuprogrammierung der Kurse und Steuerungen.

Die Ergebnisse unserer Umfrage bei führenden FTS-Herstellern belegen, dass die Nachfrage nach Geräten und Systemen weiter ansteigt und die zunehmende Vielfalt der FTF inklusive aller „Customized“-Varianten das Einsatzspektrum auch für kleinere Anwendungen weiter erhöht. Die Antworten auf die erste Frage „Seit geraumer Zeit erleben FTS eine Renaissance: Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung des FTS-Geschäfts Ihres Unternehmens?“ dokumentieren hohe bis höchste Zufriedenheitswerte der Hersteller mit ihrem Business.

Zukunftssichere Automatisierungslösung

„Bei Egemin sind wir zurzeit sehr zufrieden mit der Entwicklung des FTS-Geschäfts“, so Vertriebsleiter Yaser Gamai. „Nicht zuletzt, weil wir uns heute sicher sind, schon vor über 30 Jahren die richtige Entscheidung getroffen zu haben – nämlich, auf FTS als eine der zukunftssichersten Automatisierungslösungen zu setzen, die in den vergangenen Jahren einen stetigen Wachstumsschub erfahren hat. Der Grund: Der Bedarf an Flexibilität steigt kontinuierlich. Produzierende Unternehmen müssen ihren Materialfluss so flexibel wie möglich gestalten, weil sie ständig auf sich verändernde Anforderungen reagieren müssen. FTS können ohne großen Aufwand an neue Anforderungen in der Produktion oder Distribution angepasst werden.“

Industrie 4.0 auch bei FTS im Fokus

Ronald Kretschmer, Leiter Vertrieb und Marketing bei EK Automation, konstatiert:, „Wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung unseres Hauptstandbeins, des FTS-Geschäfts. Bei der Logimat 2015 konnten wir einen über 30 % gestiegenen Interessentenstrom feststellen. Der dort neu eingeführte ,EK Smart Move‘ wird sehr positiv vom Markt angenommen. Mit diesem Serienprodukt, einem automatisierten Linde-L16-Gabelhochhubwagen der neuesten Baureihe, bieten wir das optimale Einstiegsprodukt auf Basis einer industriellen Lösung für viele Kunden. Der EK Smart Move wird die Geschäftsentwicklung sicher positiv fördern. Zudem liefern wir aktuell wieder große Montageanlagen für die noch immer führende Branche im Bereich FTS, die Automobilindustrie.“

Serienfahrzeuge als Grundlage

„Wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung des FTS-Geschäfts. Jungheinrich ist bekannt als Premiumhersteller und die Automatisierung unserer praxiserprobten Serienfahrzeuge war ein weiterer Schritt, Jungheinrich als Gesamtlösungsanbieter zu präsentieren“, betont Jan Kaulfuhs-Berger, Sprecher Fachpresse, Jungheinrich AG. „Dafür werden unsere Auto Pallet Mover (APM) mit allen relevanten Sicherheitsausstattungen und Automatikkomponenten ausgerüstet. Für die Planung und Realisierung der APM-Systeme kommen Technik und Know-how stets aus unserer eigenen Fachabteilung.“

„MLR hat sich in den letzten Jahren erfolgreich auf dem internationalen Markt etabliert“, so Markus Kölsch, Leiter Unternehmenskommunikation MLR Gruppe. „Wir konnten in Australien und Skandinavien mehrere Großprojekte gewinnen, sind gut ausgelastet und suchen derzeit weiteres Personal für die Projektabwicklung.“ Und auch bei MT Robot geht laut CEO Andreas Drost „der Trend zu einer klaren Anfragesteigerung. Wir haben eine neue Klasse an FTS, die gerade im Zuge der Industrie 4.0 eine ganz wichtige Rolle spielt.“

Prozess- und bedarfsgerechte FTS

Wie Gérard Lacher, Vice President Intralogistics Systems bei Still, betont, realisierte sein Unternehmen „bereits ab 2003 die ersten Automatisierungsprojekte. Und in 2008 haben wir uns mit der Gründung des Unternehmensbereiches Intralogistik-Systeme verstärkt auf die Automatisierung unserer Serienfahrzeuge konzentriert, das Portfolio ausgebaut und mittlerweile unzählige Projekte erfolgreich realisiert.“ Wie er betont, ist es „immer das Ziel, unseren Kunden prozess- und bedarfsgerechte Technologien für unterschiedlichste Einsatzfälle zur Verfügung zu stellen. Wir verfolgen dabei den Ansatz ,Alles aus einer Hand‘ und gestalten unser Produktportfolio sukzessive so, dass wir ganzheitliche Lösungen anbieten können. Mit jedem weiteren Jahr verspüren wir eine stetig steigende Nachfrage nach unseren Automatisierungslösungen und der Markt bietet noch erhebliches Potenzial. Durch die gestiegene Komplexität und Dynamik der Märkte ändert sich auch das Anforderungsprofil an Automatisierungslösungen drastisch: Diese müssen flexibler werden und sich auch in Teilbereiche mit manuellem Betrieb integrieren lassen. Genau diesen Trend greifen wir mit der Automatisierung unserer Serienfahrzeuge auf, die sich bei Bedarf auch immer wieder manuell bedienen lassen; zudem mit bedarfsgerechten Automatisierungslösungen aus dem Still-iGo-Produktportfolio, die sich vor allem durch ihren Komplexitäts- und Flexibilitätsgrad unterscheiden. Damit sprechen wir eine größere Zielgruppe an.“

FTS werden, nicht zuletzt dank ihrer stark zunehmenden Flexibilität und dezidiertem Customizing, branchenübergreifend eingesetzt, so eine erste Quintessenz der Antworten auf unsere zweite Frage: „Aus welchen Branchen erhalten Sie derzeit die meisten Anfragen?“

„Aus allen Branchen, in denen Flexibilität gefragt ist“, so Yaser Gamai. „Zurzeit stehen Unternehmen aus der Kunststoffproduktion, der Papierverarbeitung und aus allen Bereichen der Lebensmittelindustrie ganz oben auf unserer Anfrageliste. Ein Projekt realisieren wir aktuell in einer Käserei: Hier übernehmen unsere FTF den gesamten Käsereifungsprozess inklusive Rezepturverwaltung. Auch branchenübergreifende End-of-Line-Anwendungen sind aktuell hoch im Kurs.“

Trend zur Automatisierung

„Führende Branche ist nach wie vor die Automotive-Industrie aufgrund der hohen FTF-Stückzahlen in den Anlagen“, erläutert Ronald Kretschmer. „Eine große Nachfrage ist auch in der Lagerlogistik zu erkennen, für die EK Automation automatisierte Schmalgangstapler für bis zu 14 m Einlagerhöhe anbietet. Und für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie kommen unterschiedlichste Lösungen zum Tragen, vom direkten Einsatz von Edelstahlfahrzeugen in der Käseproduktion bis zum Transport palettierter Waren im Lager- und Versandbereich. Als Kom-- plettanbieter für alle wesentlichen Navigationstechnologien und Fahrzeugausführungen bieten wir Lösungen für alle Branchen an.“

Wie Jan Kaulfuhs-Berger betont, „kommen die Anfragen aus unterschiedlichsten Branchen: Ob Metallverarbeitung, Automobil, Lebensmittel, Pharma – ein Trend hin zur Automatisierung von Prozessen ist überall spürbar, ob nun durch FTS, Fördertechnik oder automatische Hochregallager.“

Ergänzendes zum Thema
 
Ab sofort mit intelligentem FTS-Portfolio

Automobilindustrie ist guter Kunde

„MLR ist traditionell in der Automobilindustrie und bei deren Zulieferern sowie in der Pharmaindustrie stark. Für mehrere Bestandskunden mit größeren Anlagen bauen wir derzeit die Systeme aus“, so Markus Kölsch. „Auch Retrofit oder die Übernahmen von Fremdanlagen sind Thema: So haben wir im vergangenen Jahr bei einem großen Automobilkonzern das bestehende FTS abgelöst und gegen 15 fahrerlose MLR-Fahrzeuge ausgetauscht. Aktuell sind wir mit einem Nahrungsmittelhersteller im Gespräch, eine bestehende FTS-Anlage mit 17 Fahrzeugen zu übernehmen und zu erweitern.“ MT Robot erhält Anfragen aus den „unterschiedlichsten Branchen. Schwergewichtige Anfragen kommen meist aus der Automobil- und deren Zulieferindustrie. Wir haben aber auch Anfragen aus der Keramik- und der Lederwarenbranche.“

Anfragen von kleinen und mittelständischen Unternehmen

„Dazu kann man keine Pauschalaussage treffen“, so Gérard Lacher. „Die Qualität der unterschiedlichen Automatisierungskonzepte von Still hat sich bereits in zahlreichen Automatisierungsprojekten für verschiedene Branchen bewährt – von der Lebensmittelindustrie und Chemieindustrie über Logistikdienstleister und Medizintechnik bis hin zur Automobilindustrie. Mittlerweile erhalten wir verstärkt Anfragen von kleinen und mittelständischen Unternehmen, die sich für eine Teilautomatisierung ihrer Prozesse interessieren.“

„Welche Besonderheiten Ihrer FTF würden Sie besonders hervorheben?“ war die nächste Frage an die Hersteller. Ein wichtiger Trend geht in die möglichst einfache Steuerung der Fahrzeuge per I-Pad und die so ermöglichte problemlose flexible Anpassung der Einsatzmimik an neue Anforderungen.

„Egemin liefert komplette Systeme aus einer Hand: von der individuellen Analyse der kundenspezifischen Gegebenheiten über die Konzepterstellung bis hin zur Umsetzung“, so Gamai. „Zudem werden die FTS in unserem eigenen Test- und Inbetriebnahmezentrum in Antwerpen, der E`gv-Factory, vor der Auslieferung unter realen Bedingungen getestet. Ein Netzwerk aus über 70 Mitarbeitern europaweit sorgt außerdem für einen optimalen, ständig verfügbaren Service unserer Anlagen.“ „Mit unserer umfassenden Erfahrung im Bereich der Hybridnavigation bieten wir flexible Lösungen für jedes Anlagenumfeld und jede Aufgabenstellung“, betont Kretschmer. So kombiniert EK Automation „Navigationstechniken wie die Umgebungsnavigation mit der Magnetpunktnavigation oder die Lasernavigation mit der induktiven Spurführung. Und zudem kann der ,Smart Move‘ in kürzester Zeit geliefert und installiert werden.“

Sicherer „Mischbetrieb“ von Mensch und FTS

„Mit dem umfangreichen Sicherheitssystem kann APM im Mischbetrieb mit manuellen Staplern und Menschen eingesetzt werden“, so Jan Kaulfuhs-Berger. Die flexible Lasernavigation ermöglicht Änderungen und Anpassungen des APM-Systems per Fernwartung. Zudem lassen sich „mit unserer Schnittstellensoftware, dem Jungheinrich-Logistik-Interface, auch ohne Host-System beispielsweise Blocklager verwalten, spezielle Ruhezeiten überwachen oder Transportaufträge generieren; zudem ist es die Standardschnittstelle zu kundenindividuellen Host-Systemen.“

Die Stärke von MLR ist die Entwicklung von kundenindividuellen Sonderlösungen und Sonderfahrzeugen. Dazu zählen FTF mit Scan-, Wiege- oder Dosierfunktion, Outdoor-Fahrzeuge, Vierwege- oder Doppelgabelstapler.

Zu den Besonderheiten der FTF von MT Robot zählen einfache Installation und von Kunden selbst durchführbare Änderungen, hohe Batterielaufzeit bei kurzer Ladezeit, Standardkomponenten für den Aufbau neuer Anlagen für Kartonagen, Teilekörbe und KLT-Boxen. Hinzu kommen Anpassungen an Kundenwünsche mit Individualprogrammen sowie einfache Bedienung durch eine intuitive Benutzeroberfläche.

Ergänzendes zum Thema
 
„Die FTS-Zukunft ist ein Modulbaukasten“

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