Suchen

Expertenbeitrag

 Sebastian Hofmann

Sebastian Hofmann

Journalist, Vogel Communications Group

Fünf Fragen und Antworten zum Fachkräftemangel

| Autor: Sebastian Hofmann

Das Fernbleiben von geeignetem Nachwuchs bringt die Logistik ins Schwitzen. Für Sie haben wir herausgestellt, wie ernst die Lage ist, welche Gründe der Fachkräftemangel hat und wie man das Problem lösen kann.

Firmen zum Thema

Kaum eine Branche ist so sehr vom Fachkräftemangel getroffen wie die Logistik.
Kaum eine Branche ist so sehr vom Fachkräftemangel getroffen wie die Logistik.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Wie stark ausgeprägt ist der Fachkräftemangel in der Logistik?

Laut einer aktuellen Studie der Bundesvereinigung Logistik spüren derzeit rund 90 % aller Logistikbetriebe und -abteilungen den Mangel an geeignetem Nachwuchs. Das Fernbleiben von qualifizierten Bewerbern erstreckt sich dabei nicht nur auf einzelne Logistikbereiche, sondern auf die gesamte Bandbreite des Wirtschaftssektors, wie eine Untersuchung der Weltbank feststellt. So kommt es dem Recruiting-Experten Ricardo Corominas zufolge, dass momentan etwa 50.000 Arbeitsstellen in der deutschen Logistik unbesetzt bleiben. Fast ein Zehntel aller Betriebe kann nur etwa 10 % dieser offenen Stellen langfristig vergeben.

Wieso ist der Fachkräftemangel in der Logistik so ausgeprägt?

Zuvorderst ist hierfür das teils miserable Image des Fachbereichs verantwortlich. Allgemeinhin verbindet man Logistik mit geringen Gehältern, erdrückenden Aufgabenbelastungen und körperlich zermürbenden Arbeiten. Doch völlig aus der Luft gegriffen sind diese Vorurteile auch nicht, wie eine Gegenüberstellung verschiedener Logistikberufe zeigt. Während es zwar vereinzelt sehr gut bezahlte Stellen für hoch Qualifizierte Bewerber gibt, haben viele gering Qualifizierte mit niedrigen Löhnen und zweifelhaften Arbeitszeitmodellen zu kämpfen – allen voran Lkw-Fahrer.

Welche Rolle spielt die Digitalisierung?

Die digitale Transformation ist mit Blick auf den Fachkräftemangel Fluch und Segen zugleich. Während auf der einen Seite viele Arbeitsvorgänge neuerdings vernetzt stattfinden können und damit viele Prozesse für Unternehmen produktiver und effizienter werden, schreckt die Aussicht, innerhalb der nächsten Dekaden durch Maschinen ersetzt zu werden, viele Bewerber ab. Die Delphi-Studie des Millennium Project von Bertelsmann zeigt, dass diese Sorge begründet ist und nicht auf Science-Fiction beruht: Die Befragten gehen davon aus, dass sich die globale Arbeitslosenquote im Zuge der Digitalisierung bis 2050 auf fast 25 % erhöhen wird.

Worauf müssen Unternehmen in Zukunft achten und wie können sie das Problem lösen?

Um dem Fachkräftemangel nachhaltig entgegenzuwirken, sollten Unternehmen mehrere Maßnahmen parallel umsetzen. Ganz gezielt müssen sie dem negativen Image der Logistik den Garaus machen. Konkret heißt das: innovatives Employer Branding betreiben, Diversity Management im Betrieb etablieren – also Diversität unterstützen – und an den Stellschrauben „Gehalt“ und „Arbeitsbelastung“ drehen. Ebenso gilt es, herauszustellen, dass es, neben zahlreichen Jobs für gering qualifizierte Arbeitnehmer, auch Stellen für hoch Qualifizierte gibt, zum Beispiel im Supply Chain Management oder im Bereich E-Procurement.

Wie kann man die kommende Mitarbeitergeneration für sich gewinnen?

Millennials achten – anders als ihre Vorgänger – neben dem Gehalt verstärkt auf die weichen Faktoren in Unternehmen. Ihre Entscheidung für oder gegen eine Arbeitsstelle treffen sie nicht nur auf Basis der Kenngröße „Gehalt“, sondern auch auf Grundlage des sozialen Miteinanders, der Arbeitszeitenregelung (Stichwort Work-Life-Balance) und des Diversity Managements im jeweiligen Betrieb.

(ID:45007927)

Über den Autor

 Sebastian Hofmann

Sebastian Hofmann

Journalist, Vogel Communications Group