Interview

In der Produktionslogistik alle Teile im Zugriff

| Autor: Bernd Maienschein

Vier der weltweit fünf größten Reifenhersteller setzen bei Produktion, Lagerhaltung und Kommissionierung auf Fördertechnikkompetenz aus dem Hause Interroll.
Vier der weltweit fünf größten Reifenhersteller setzen bei Produktion, Lagerhaltung und Kommissionierung auf Fördertechnikkompetenz aus dem Hause Interroll. (Bild: Interroll)

Systemintegratoren, die für das produzierende Gewerbe arbeiten, hat Interroll seit drei Jahren besonders im Fokus. Ein Gespräch mit Maurizio Catino, Senior Director Global Sales & Services bei Interroll, über die strategische Bedeutung des Materialflusses in der Produktion.

Herr Catino, warum beschäftigt sich Interroll verstärkt mit dem Thema Produktionslogistik?

Maurizio Catino: Weil es sich für uns um einen vielversprechenden Wachstumsmarkt handelt. Neben der Distributionslogistik, die vor allem durch den florierenden E-Commerce angetrieben wird, steigt seit einigen Jahren auch im produzierenden Gewerbe das Interesse an Materialflusslösungen, die auf leistungsfähigen und effizienten Förderanlagen basieren. In diesem Bereich haben wir als weltweit führender Hersteller von entsprechenden Schlüsselkomponenten unseren Kunden, also den Systemintegratoren und Anlagenbauern, und den Anwendern eine sehr hohe Kompetenz zu bieten. So haben anspruchsvolle Produktionsunternehmen unsere Produkte zertifiziert. Mittlerweile sind unsere Lösungen etwa bei vier der fünf größten Reifenhersteller der Welt im Einsatz.

Warum beschäftigt sich das produzierende Gewerbe verstärkt mit betrieblichen Förderlösungen?

Catino: Viele Betriebe, vor allem aus der international agierenden Automobilbranche, haben erkannt, dass die Anwendung der Prinzipien des World Class Manufacturing (WCM) gerade im Bereich des Materialflusses noch eine Menge Optimierungsbedarf bietet. Beim WCM-Produktionssystem geht es unter anderem darum, Verschwendung zu eliminieren. Verschwendungen in der Produktion werden vom Endkunden nicht honoriert, sie schaffen keinen Wert. Und genau deshalb bieten effiziente Förderlösungen interessante Ansatzpunkte für einen kontinuierlich optimierten Produktionsprozess.

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Wie sehen diese Lösungsansätze denn konkret aus?

Catino: Nehmen Sie das Beispiel der Montage. In vielen Fällen werden die Einzelteile, die von den Mitarbeitern am Band oder an Fertigungsinseln zu einem Produkt zusammengestellt werden, heute noch sehr ineffizient über Flurförderfahrzeuge angeliefert und dort abgestellt. Abgesehen von Sicherheitsproblemen und möglichen Beschädigungen verbrauchen dieser Transport und die entstehenden „Handlager“ viel Platz. Experten schätzen, dass bereits 40 % der Fabrikflächen für logistische Aufgaben verwendet werden. Außerdem muss sich der jeweilige Mitarbeiter dann noch die benötigten Teile aus seinem kleinen „Lager“ heraussuchen. Das ist ein sehr ineffizienter Prozess, der Platz, Zeit und Arbeitskraft verschwendet. Daran ändern übrigens auch autonom agierende Flurförderfahrzeuge grundsätzlich nichts.

Dieses Szenario besteht ja schon sehr lange. Warum wird jetzt umgedacht?

Catino: Weil diese Art des Materialflusses in der industriellen Massenproduktion mit dem zunehmenden Wunsch der Verbraucher nach Personalisierung nicht mehr in Einklang zu bringen ist. So wollen Autokäufer heute etwa nicht mehr nur die Außenfarbe ihres neuen Fahrzeugs, sondern auch die Innenraumgestaltung bestimmen. Hierdurch steigt die Zahl der Teile drastisch an, die für die Produktion bereitgehalten und verarbeitet werden müssen. Das hat nicht nur Konsequenzen für die Lager, die an die Produktionsfläche angeschlossen sind, sondern auch für den Materialfluss im Fertigungsbereich selbst.

Wie sehen effizientere Lösungen aus?

Maurizio Catino: Das hängt natürlich immer vom Einzelfall ab. Generell eignen sich vor allem staudrucklose und modulare Förderplattformen auf der Basis von 24-V-RollerDrives, um die Produktivität in der Fertigung deutlich zu steigern. Diese automatisierten und intelligent gesteuerten Fördersysteme verbinden das Produktionslager mit den Arbeitsplätzen in der Fertigung und sorgen zugleich für die zeitweise Pufferung der benötigten Teile bei einer ununterbrochen laufenden Produktion. Die Teileversorgung kann dabei kontinuierlich, mit hohen Geschwindigkeiten oder über Barcodes und RFID-Systeme zielgenau zum jeweiligen Arbeitsplatz erfolgen. Der Mitarbeiter oder auch ein Roboter hat dann immer genau die Teile im Zugriff, die er gerade für den anstehenden Arbeitsgang benötigt. Gleichzeitig werden die entsprechenden Informationen ins Warenmanagementsystem eingespeist, sodass der Nachschub an Teilen automatisch ausgelöst wird.

Maurizio Catino ist Senior Director Global Sales & Services bei Interroll.
Maurizio Catino ist Senior Director Global Sales & Services bei Interroll. (Bild: Interroll)

Ein effizienter Materialfluss wird dann also zum integralen Bestandteil der Fertigung?

Catino: Richtig. Logistik und Produktion wachsen hierbei zusammen. Die verwendete Förderlösung ist dann Element der geschäftskritischen Infrastruktur geworden. Ihr Ausfall könnte einen Stopp der gesamten Produktion bedeuten. Deshalb werden neue Lösungen, selbst wenn sie große Vorzüge mit sich bringen, zunächst umfassend vom Anwender getestet. Zudem unterstützen viele Systemintegratoren, die sich mit der Fabrikationsplanung beschäftigen und ihr Know-how auf den intralogistischen Bereich erweitern, ihre Kunden auch in internationalen Projekten. Wer dann mit wechselnden lokalen Lieferanten zusammenarbeiten muss, erhöht die Projektkomplexität und hat mit Unwägbarkeiten zu kämpfen. Hier können international arbeitende Geschäftspartner wie Interroll punkten, die auf der ganzen Welt die gleich hohe Qualität bieten und über Personal verfügen, das die besonderen Anforderungen von Produktionsbetrieben kennt.

Vielen Dank für das Gespräch!

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