Behältersysteme

Lagerbehälter: Von Kleinladungsträger bis Sichtlagerkästen

| Autor / Redakteur: Sabine Barde / Sebastian Hofmann

Egal ob als Transport- oder Lagergefäß: Behälter bilden die Grundeinheit vieler logistischer Prozesse, etwa im automatischen Kleinteilelager.
Egal ob als Transport- oder Lagergefäß: Behälter bilden die Grundeinheit vieler logistischer Prozesse, etwa im automatischen Kleinteilelager. (Bild: ©David Pimborough - stock.adobe.com)

Ein Lagerbehälter ist ein Gefäß zur Aufbewahrung oder Speicherung unterschiedlicher Gegenstände. Behälter sichern die Inhalte vor äußeren Einflüssen oder schützen die Umwelt vor den Gefahren des Inhalts. Jetzt weiterlesen und die Lagerung von Stückgut mit Lagerbehältern perfektionieren!

In der Logistik spielen Lagerbehälter bei der Lagerung und Kommissionierung von Gütern eine wesentliche Rolle. Sie dienen als Gebinde, um Gegenstände mit bestimmten Gemeinsamkeiten zusammenzufassen oder zu ordnen. Behälter kommen sowohl in manuellen und teilautomatisierten als auch in automatischen Lagersystemen zum Einsatz:

  • bei der Lagerung von Waren in manuell bedienten Regalanlagen
  • in automatischen Kleinteilelagern
  • in Kombination mit Regalbediengeräten
  • als Transportbehälter bei automatisierten Förder- und Sortieranlagen
  • bei der manuellen und automatischen Kommissionierung

In diesem Video zeigt Aberle, welche Rolle Lagerbehälter bei der Lagerung und der Kommissionierung in automatischen Kleinteilelagern spielen!

Dabei stellen die verschiedenen Lagerarten unterschiedliche Anforderungen an Behältersysteme. Hierauf reagiert der Markt mit Systemen in verschiedenen Dimensionen und Ausführungen, die optimal auf die Lager- und Bevorratungsstruktur sowie die Anforderungen an ein modernes Lagermanagement und eine Nachschubsicherung zugeschnitten sind. Oft ist es schwierig, eine klare Trennlinie zwischen Transport- und Lagerbehältern zu ziehen, da sich die Einsatzbereiche der beiden Behälterarten nicht immer klar voneinander trennen lassen. Im Folgenden betrachten wir die gängigsten Lagerbehälter, die zurzeit auf dem Markt erhältlich sind.

Automatische Kleinteilelager-Funktion, Vorteile & Strategien

Logistikgrundlagen

Automatische Kleinteilelager-Funktion, Vorteile & Strategien

21.02.18 - Automatische Kleinteilelager (AKL) bieten die Möglichkeit, Artikel raumsparend und effizient in Kleinteilebehältern wie Kunststoffkästen oder Tablaren zu lagern. Hier erfahren Sie, wie AKL aufgebaut sind, wie viel sie kosten und nach welchen Zugriffsstrategien man unterscheidet! lesen

Sichtlagerkästen

Sichtlagerkästen oder auch Sichtboxen sind Lagerbehälter zur Bereitstellung von Kleinteilen. Eine schräge Frontöffnung ermöglicht bei dieser Lagerbehälterform einen einfachen und schnellen Zugriff auf Materialien. Beschriftungen am Behälter sorgen für mehr Übersicht und Ordnung. Sichtlagerkästen sind in unterschiedlichen Größen sowohl aus Kunststoff als auch aus lackiertem oder verzinktem Stahlblech erhältlich und werden meist in manuell betriebenen Lagern verwendet.

Sichtlagerkästen sorgen für eine hohe Übersichtlichkeit im Lager und ermöglichen so ein effizientes C-Teile-Management.
Sichtlagerkästen sorgen für eine hohe Übersichtlichkeit im Lager und ermöglichen so ein effizientes C-Teile-Management. (Bild: ©Sport Moments - stock.adobe.com)

Mehrwegebehälter

Mehrwegebehälter eignen sich als Transport-, Stapel- und Kommissionierbehälter. Sie sparen teure Transportverpackungen, sind belastbar und zudem umweltfreundlich. Der Vorteil von Mehrwegebehältern: Durch ihre spezielle Bauform (konisch) sind die Lagerbehälter im Leerzustand ineinander stapelbar (nestbar). So wird eine Platzersparnis von bis zu 75 Prozent erreicht. In einfacher Bauart sind Mehrwegebehälter mit glatten Innenwänden erhältlich, die eine leichte Reinigung sicherstellen sollen. Unterschiedliche Böden in den Lagerbehältern sorgen bei schweren Inhaltslasten für einen optimalen Lauf auf Förderstrecken und im automatischen Kleinteilelager.

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Regal- oder Materialflusskästen

Regal- oder Materialflusskästen sind aus Kunststoff und verzinktem oder lackiertem Stahlblech erhältlich und eignen sich für die Lagerung und Aufbewahrung von Kleinteilen beispielsweise in Fachbodenregalen. Die Lagerbehälter sind in verschiedenen Größen und Abmessungen verfügbar. Mithilfe von Trennwänden ist eine Unterteilung im Kasten möglich. Oft ist auf der Stirnseite der Lagerbehälter eine Etikettenhalterung für Beschriftungen vorhanden. Die Trennwände lassen sich ebenfalls beschriften. Eine Schutzfolie für Etiketten schützt vor Verschmutzungen.

Was ist Etikettierung? Bedeutung, Definition & Prozesse

Etikettieren

Was ist Etikettierung? Bedeutung, Definition & Prozesse

19.02.18 - Eine effiziente Etikettierung ist das Erfolgsgeheimnis vieler Lager- und Transportbetriebe. Etiketten helfen dabei, Waren zu lokalisieren und erleichtern das Bestandsmanagement. Hier erfahren Sie, welche Etikettiersysteme es gibt und welches System das Richtige für Sie ist! lesen

Stahlblechkästen und Stahlblechbehälter

Diese extrem robusten Behältersysteme sind gegen hohe mechanische Belastungen unempfindlich und in zahlreichen unterschiedlichen Abmessungen und Ausführungen auf dem Markt erhältlich. Sie kommen insbesondere in der Produktionsvorbereitung, im Lager, in der Spedition, bei der Kommissionierung oder im Transport zum Einsatz. Die Kästen und Lagerbehälter eignen sich für die Aufnahme von schweren Gütern – beispielsweise Vollmaterial, Guss- und Schmiedeteile. Die Kästen sind in lackierter oder feuerverzinkter Ausführung zu erwerben und können platzsparend gestapelt werden.

Tablare

Tablare kommen im automatischen Kleinteilelager oder zum Transport auf einer Fördertechnik zum Einsatz. Sie sind in unterschiedlichen Größen erhältlich und zumeist aus Polypropylen. Für automatische und manuelle Prozesse können Tablare mit Unterteilungskästen sowie zur Identifizierung mit Barcodes und Etiketten ausgestattet werden.

Kleinladungsträger sind standardisierte Lagerbehälter, die zunächst in der Automobilindustrie eingesetzt wurden, heute aber auch immer öfter in anderen Branchen gebraucht werden.
Kleinladungsträger sind standardisierte Lagerbehälter, die zunächst in der Automobilindustrie eingesetzt wurden, heute aber auch immer öfter in anderen Branchen gebraucht werden. (Bild: ©anekoho - stock.adobe.com)

Was sind Kleinladungsträger-Behälter (KLT-Behälter)?

Der KLT-Behälter – auch unter den Namen Eurokiste, Euro(norm)behälter oder Euronormbox bekannt – ist eine vom VDA standardisierte Kiste aus Kunststoff (Polypropylen), die für die Logistik in der Automobilherstellung und der Zulieferindustrie entwickelt wurde und dort hauptsächlich für die Lagerung und den Transport von Kleinteilen eingesetzt wird. Inzwischen kommen die Lagerbehälter aber auch in vielen anderen Industriebereichen zur Anwendung. In der Logistik werden solche Lagerbehälter bisweilen auch als Kleinlastträger bezeichnet. Die genormten KLT-Behälter eignen sich als Lager-, Kommissionier- und Transportbehälter und werden gerne als Kleinladungsträger für den Einsatz in Kanban-Systemen verwendet. KLT-Behälter sind üblicherweise in den Größen 600 mm × 400 mm und 400 mm × 300 mm erhältlich. Das Behältersystem ist modular auf die Grundflächen 1200 mm × 800 mm (Europalette) und 1200 mm × 1000 mm (ISO) abgestimmt. Der VDA 4500 definiert drei Typen von Kleinladungsträgern sowie die dazugehörigen Deckel:

  • R-KLT, starr, Verbundboden
  • RL-KLT, starr, glatter Boden
  • F-KLT, faltbar, Verbundboden

Diese sind für ein Füllgewicht von 20 kg spezifiziert. Darüber hinaus gibt es die doppelwandige Spezialform C-KLT für 50 kg. Bei fehlender VDA-Zertifizierung können die Maße und Eigenschaften auch abweichen. Angelehnt an die VDA-Empfehlungen sind stapelbare Lagerbehälter mit den Grundmaßen 800 mm × 600 mm, 800 mm × 400 mm, 600 mm × 400 mm, 400 mm × 300 mm und 300 mm × 200 mm üblich. Die Kennzeichnung der KLT erfolgt durch einheitliche Barcode-fähige Warenanhänger. Sowohl die Form als auch der Inhalt dieser Warenanhänger sind in der VDA-Vorschrift VDA 4902 dokumentiert. Als Barcode wird Code 39 verwendet. Je nach Größe des Lagerbehälters werden entweder DIN-A5-Warenanhänger oder halbierte DIN-A5-Warenanhänger – auch als „halbhohe Warenanhänger“ bezeichnet – verwendet. KLT-Behälter sind mit Deckel, Abdeckhauben und Zwischenlagen erhältlich, damit die Lagerware und Materialien vor Verschmutzungen und Beschädigungen geschützt werden können. Je nach Anforderung sind die Lagerbehälter in verschiedenen Höhen und Varianten durchbrochen oder geschlossen auf dem Markt erhältlich. Zum einfacheren Transport der Eurobehälter im gestapelten Zustand lassen sich diese zudem mit Transportrollern ausstatten.

ESD-Behälter

Das Oberflächenpotenzial von einem gewöhnlichen Kunststoffkasten beträgt bis zu 20.000 Volt. Dies stellt eine große Gefahr für darin transportierte elektronische Bauteile dar, denn bei einer elektrostatischen Entladung (Electrostatic Discharge, ESD) kann bereits eine geringe elektrische Spannung zu schweren Schäden an den Waren im Lagerbehälter führen. Um dieses Szenario zu vermeiden, empfiehlt sich der Einsatz von ESD-Behältern, mit denen sich über alle Prozesse hinweg ESD-sensitive Bauteile und Baugruppen in ESD-geschützter Umgebung lagern und transportieren lassen.

In diesem Video lernen Sie, was man unter ESD versteht und warum es einen Schutz vor elektrostatischer Aufladung braucht!

Egal ob ESD-Sichtlagerkästen, ESD-Behälter oder ESD-Zubehör – alle elektrisch leitfähigen Produkte sind üblicherweise schwarz. Der Grund hierfür ist, dass dem Kunststoff bei der Herstellung besonders leitfähige Kohlefasern beigefügt werden. Diese sorgen dafür, dass elektronische Ladungen gefahrlos abgeleitet werden und die Ware keinen Schaden erleidet. Für verschiedene Anwendungen ist auf dem Markt ein breites Spektrum an elektrisch leitfähigen beziehungsweise ableitenden Kunststoffbehältern und Deckeln erhältlich. KLT-Behälter mit ESD eignen sich für alle Anwendungen, bei denen elektrische Ladungen entstehen und Beschädigungen verursachen können. Insbesondere kommen diese in automatischen Kleinteilelagern (AKL) und manuellen Kanban-Anwendungen zum Einsatz.

Intelligente Behälter

Der klassische Lagerbehälter ist mittlerweile zum intelligenten Lagerplatz geworden. Die Anforderungen reichen hier von neuester Displaytechnik, die einen fehlerfreien und schnellen Zugriff ermöglichen soll, bis hin zu RFID und NFC-Techniken, mit deren Hilfe der Lagerbehälter selbst Bedarfe erzeugt und Bestellungen auslöst. Der von Bossard entwickelte Smartbin beispielsweise soll Anwender dabei unterstützen, ein effizientes B- und C-Teile-Management zu betreiben und Produktionsausfälle zu verhindern.

In diesem Video erfahren Sie, wie smarte Lagerbehälter die Effizienz im C-Teile-Management erhöhen können!

Weitere Infos

  • In unserem Themenkanal Lagertechnik gibt es fortlaufend interessante Produktmeldungen und Artikel zum Thema Lagerbehälter.

Uns interessiert Ihr Feedback! Wie hilfreich war der Artikel zum Thema Lagerbehälter für Sie? Welche Fragen sind bei Ihnen noch offengeblieben? Und welche Aspekte des Themenkomplexes sollten wir noch einmal genauer beleuchten? Helfen Sie uns dabei, den Beitrag noch besser zu machen und posten Sie ihre Fragen und Anregungen in die Kommentare! Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldung.

Hier gibt's weitere Beiträge zu Bossard! und Aberle!

* Sabine Barde ist Inhaberin von PR-Solution in 45481 Mülheim an der Ruhr, Tel. (02 08) 6 26-75 26, info@pr-solution.de

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