Mehrwegverpackungen

Mehrweg im Einzelhandel ist jetzt stärker gefragt

| Autor: Bernd Maienschein

Hatten wir das nicht schon einmal – Jute statt Plastik? Dieser Slogan ist scheinbar wieder salonfähig geworden.
Hatten wir das nicht schon einmal – Jute statt Plastik? Dieser Slogan ist scheinbar wieder salonfähig geworden. (Bild: Rajapack)

Unsere Ozeane versinken im Plastikmüll. Nicht zuletzt deshalb sind Mehrwegverpackungen wieder en vogue. Rajapack reagiert auf die freiwillige Selbstverpflichtung des Handelsverbands Deutschland (HDE), den Plastiktütenverbrauch zu reduzieren, mit dem Ausbau seines Sortiments an Tragetaschen aus Papier und Polyester.

Die im April 2015 verabschiedete EU-Richtlinie 2015/720, die den Verbrauch von leichten Kunststoff-Tragetaschen (Wandstärke unter 50 Mikron) bis 2019 auf 90 Stück und bis 2025 auf 40 Stück pro Einwohner und Jahr reduzieren soll, ist längst im Handel angekommen. Deutschland liegt zwar mit einem Verbrauch von 71 Tragetaschen unter dem EU-Durchschnitt von 198 Stück pro Einwohner und hat das Ziel von 2019 bereits erreicht. Allerdings verläuft der weitere Rückgang des Verbrauches eher schleppend. Die freiwillige Verpflichtung des deutschen Einzelhandels soll dem entgegenwirken: Am 1. Juli startete offiziell die Vereinbarung zur Verringerung des Verbrauchs von Kunststoff-Tragetaschen zwischen dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) und dem Handelsverband (HDE).

Erste Erfolge im Handel erkennbar

Seit Inkrafttreten der Vereinbarung, nach der innerhalb von zwei Jahren 80 % der Kunststofftüten im Einzelhandel (circa 6,1 Mrd. Tüten pro Jahr) nur noch kostenpflichtig abgegeben werden sollen, ist der Prokopfverbrauch bei vielen teilnehmenden Unternehmen bereits deutlich gesunken. Laut HDE sind Plastiktüten bei 350 Handelsunternehmen bereits kostenpflichtig. Am Point of Sale werden nun auch vermehrt Alternativen angeboten – und nachgefragt. So sprechen große Handelsketten beispielsweise von einem Rückgang der Nachfrage und einer Reduzierung der Plastiktütenabgabe zwischen 50 und 90 %. „Die ersten Zahlen aus dem Handel sprechen eindeutig für eine Veränderung des Konsumverhaltens. Je höher der Preis, desto höher das Bewusstsein. Die Wertschöpfung des Produktes ist eine ganz andere, wenn es einen konkreten Preis hat“, sagt Delphine Jean, Marketing- und Produktmanagementdirektorin bei Rajapack, auf die Frage, ob die kostenpflichtige Abgabe der Kunststofftüten den Verbraucher wirklich dazu bringe, sein Konsumverhalten zu überdenken.

Ganz ohne geht es nicht

Ganz ohne Tragetasche geht es bei vielen Handelsunternehmen jedoch nicht. Eine mögliche Alternative: Papiertragetaschen. Die sind jedoch nur bedingt ein sinnvoller Ersatz, da auch bei ihrer Produktion, im Verhältnis zur Nutzungsdauer, viele Ressourcen verbraucht werden.

Eine echte Alternative sind dagegen Mehrwegtragetaschen. Als Verpackungshändler hat Rajapack reagiert und sein Sortiment von wiederverwendbaren Tragetaschen stark ausgebaut. Die verschiedenen Materialien der Taschen haben dabei ihre jeweiligen Vorteile. Woven- und Non-Woven-Tragetaschen aus Polypropylen beispielsweise sind besonders wasserabweisend, die faltbaren Polyester-Tragetaschen sind besonders praktisch: Zusammengefaltet in ihrem eigenen Täschchen, finden sie in jeder Handtasche Platz. Jute- und Baumwolltragetaschen sind besonders stabil und sind mittlerweile zum modischen Accessoire geworden. Alle Tragetaschen sind darüber hinaus personalisierbar, ein klares Statement also zur Nachhaltigkeit und ein langanhaltender Werbeeffekt für die Marke. „Der entscheidende Unterschied ist nicht in erster Linie der Ressourcenverbrauch bei der Herstellung, sondern die Langlebigkeit der Produkte“, macht Jean deutlich. „Denn der Herstellungsprozess bei allen Varianten verbraucht Ressourcen. Entscheidend ist die Anzahl der Wiederverwendungen beziehungsweise die Betrachtung des vollständigen Lebenszyklus des Produktes. Mehrwegtragetaschen, egal ob aus Plastik oder Baumwolle, halten über 100 Einkäufe problemlos durch. Insofern ,schlagen‘ sie die Plastik- und auch die Papiertüte in puncto Ökobilanz.“

Die PP-Non-Woven-Tragetaschen in Kraftpapieroptik sind ein schönes Beispiel aus dem neuen Rajapack-Sortiment. Die Außendecke der Tasche besteht aus recyceltem Kraftpapier, durch die Kombination mit Polypropylen im Inneren und an den Rändern wird die Tasche reißfest und widerstandsfähig. „Die Kombination der beiden Materialien macht die Tasche einzigartig“, so Jean. „Das recycelte Kraftpapier gibt der Tasche einen natürlichen Look, gleichzeitig wirkt die Tasche durch ihre schwarzen Non-Woven-Träger und -Ränder aber auch sehr elegant. Die perfekte Kombination aus hochwertiger Tragetasche kombiniert mit einem natürlichen Eco-Look – und damit genau das, was im Handel gerade nachgefragt wird.“

Nichts für die Ewigkeit

Doch auch Mehrwegtaschen halten nicht ewig. „Zunächst einmal besteht die Mehrwegtragetasche schon einmal aus recyceltem Material, im Vergleich zu anderen Varianten verringert sich also hier schon einmal der Materialeinsatz bei der Produktion, was bei dieser Tasche der klare Vorteil ist“, sagt Delphine Jean. „Entsorgt werden kann sie über den normalen Hausmüll und wird so energetisch oder wertstofflich verwertet.“ ■

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