Blechhandling Moderne Blechlagersysteme arbeiten schnell und produktiv

Autor / Redakteur: Armin Stolzer / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Weil heute aufgrund hoher Arbeits- und Investitionskosten Kommissionier- und Bearbeitungszellen rund um die Uhr effektiv arbeiten sollen, kommt modernen automatischen Blechlagern als Material-, Produktions- und Logistikzentren immer größere Bedeutung zu.

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Uniline-Längslager im Stahlhandel mit Einlagerstation, Auspacktisch und automatischer Kommissioniereinrichtung. Bild: Kasto
Uniline-Längslager im Stahlhandel mit Einlagerstation, Auspacktisch und automatischer Kommissioniereinrichtung. Bild: Kasto
( Archiv: Vogel Business Media )

Moderne Fertigungsbetriebe in der Blechverarbeitung und Blech kommissionierende Stahlhändler investieren verstärkt in moderne Blechlagersysteme, denn diese bieten als Materialdrehscheibe bei der Ein- und Auslagerung, Kommissionierung oder auch bei einer Abfolge von Fertigungsprozessen eine hoch wirtschaftliche Grundlage. Ein rationeller Materialfluss wird immer wichtiger, will man auf heutige Marktanforderungen reagieren.

Uniline-Längslager für einfachtiefe Lagerung konzipiert

Ab einem mittleren Lagervolumen von etwa 100 Lagerplätzen und für die Anbindung unterschiedlichster Blechkommissioniereinrichtungen oder Blechverarbeitungsmaschinen kommen moderne Blechlagersysteme in Form eines verfahrenden Blechlängslagers zum Einsatz. Dabei ist das Kasto-Längslager Uniline als einseitiges oder doppelseitiges Lagersystem zur einfachtiefen Lagerung konzipiert.

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Die mit standardisierten Aufnahmen versehenen Blechpaletten werden im allgemeinen für 3 t ausgelegt, bei speziellen Anforderungen sind auch Auslegungen für 5 t oder eine höhere Nutzlast möglich. Vorzugsweise kommt das Großformat (3 m × 1,5 m) zum Einsatz. Systeme für Mittel-, Maxi- oder Sonderformate oder auch für die Lagerung von Material auf Europaletten, die auf die Blechpaletten gesetzt werden, sind aber auch gängige Praxis.

Das robust aufgebaute Regalbediengerät (RBG) ist als Zweimastgerät ausgeführt, die heb- und senkbare Lasttraverse verfährt zwischen den beiden Hubmasten. Die Hubbewegung erfolgt über zwei robuste Präzisions-Rollenketten, der Hubantrieb fährt auf der Traverse mit. Für dynamische Bewegungen und effektive Diagonalfahrten sorgt die bereits in vielen Kasto-Kommissionierlagern bewährte Antriebs- und Regeltechnik.

Gleitbahnen über Jahre schmierfrei

Für die eigentliche Palettenmanipulation kommt eine Zieh-Schiebetechnik mit Präzisionsrollenketten und daran befestigten Mitnehmern zum Einsatz, die aus dem Langgutlager-Bereich abgeleitet wurde. Die Blechpaletten werden über spezielle Kunststoff-Gleitbahnen in den Regalblock geschoben oder aus dem Regal gezogen. Auf Grund der großen Auflagenfläche und der damit verbundenen geringen Flächenpressung arbeiten diese Gleitbahnen viele Jahre schmier- und wartungsfrei. Ein weiterer Vorteil ist der Platzgewinn: Ein- und ausfahrende Teleskopgabeln würden ein so enges Packen der Paletten im Regal nicht erlauben.

Beladehöhe wird mit Sensoren abgetastet

Die Stationen und das Regalbediengerät sind mit Sensoren zum Abtasten der Beladehöhe ausgestattet. Der Lagerverwaltungsrechner Kasto-LVR sucht anhand dieser Informationen den Platz für eine einzulagernde beladene Palette so aus, dass möglichst wenig Raum oberhalb der Ladung ungenutzt bleibt, die Paletten also so nahe wie möglich übereinander im Regal sitzen. Deshalb ist der Stahlbau in einem engen Raster mit Auflagewinkeln und Gleitschienen bestückt, die Anzahl der Paletten im System ist aber meistens kleiner.

Zur Überprüfung der Nutzlasten auf den Paletten kann eine Wiegeeinrichtung entweder in die Lasttraverse integriert werden (hydraulisches Anheben der Palette), was bei Fertigungsbetrieben meistens bevorzugt wird, oder aber die Stationen werden mit Wiegezellen ausgerüstet, wie es im Stahlhandel gängige Praxis ist.

Lasttraverse stellt sich automatisch ein

Um möglichst viel Material auf der verfügbaren Grundfläche lagern zu können, ist es häufig sinnvoll, unterschiedliche Blechformate, beispielsweise das Groß- und Kleinformat, in einem System zu kombinieren. Zu diesem Zweck lässt sich eine der Zieh-/Schiebeeinrichtungen auf der Lasttraverse des Regalbediengerätes elektromotorisch in zwei Positionen verfahren, so dass sich, abhängig vom aufzunehmenden Kassettentyp, die Lasttraverse automatisch auf das richtige Format einstellt. Das Verfahren der Zieh-/Schiebeeinrichtungen erfolgt dabei zeitneutral während der Hub- und Längsfahrt zum Ziel.

Der Stahlbau lässt sich modular aus einzelnen Leitern und entsprechenden Verbindungselementen zusammenstellen. Er kann optional gebäudetragend realisiert werden und enthält auch die obere Führungsschiene des oben und unten geführten Regalbediengerätes. Der Stahlbau wird präzise vorbereitet, um vor Ort einen schnellstmöglichen Montagefortschritt mit geringem Richtaufwand zu gewährleisten. Ebenso werden sämtliche Einzelkomponenten wie RBG und Stationen im Haus getestet, um auch ihre Installations- und Inbetriebnahmezeiten vor Ort auf ein Minimum zu reduzieren.

Je nach Aufgabenstellung kommen unterschiedliche Stationen zum Einsatz. Längs- und Querwagen sind dabei die einfachste Möglichkeit, optional können sämtliche Stationen mit Wiegeeinrichtungen versehen werden. Mit einer Ausstempeleinrichtung ist es möglich, Blechpakete, die zuvor mittels Stapler oder Kran von ihrem Holzgestell befreit wurden, sanft auf die Blechpalette zu setzen.

Einlagerstationen im Wareneingang mit Positionierbolzen ausgerüstet

Um die exakte Lage der Blechpakete auf der Systempalette zu gewährleisten – und damit ein prozesssicheres Zusammenspiel mit den angebundenen Bearbeitungsmaschinen zu erreichen –, sind die Einlagerstationen im Wareneingang mit Positionierbolzen ausgerüstet.

Für komplexere Anwendungen lassen sich zwei Auslagerniveaus Platz sparend übereinander mit Hilfe von Ober- und Unterwagen anordnen. Es können auch Pufferplätze außerhalb des Stahlbaus für die Blechbereitstellung realisiert werden. Bei Bedarf lässt sich die Blechpalette um 90 oder 180° drehen, um den Koordinaten-Nullpunkt-Definitionen der verschiedenen Blechbearbeitungsmaschinen-Hersteller zu entsprechen. Durch den modularen Aufbau des Gesamtsystems ist eine Anpassung auf sich ändernde Produktions- und Kapazitätsanforderungen jederzeit kostengünstig möglich.

Armin Stolzer ist geschäftsführender Gesellschafter der Kasto Maschinenbau GmbH & Co. KG, 77855 Achern, Tel.(07841) 61-180, kasto@kasto.de

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