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Produktionsmethoden Nearshoring auf dem Vormarsch

Redakteur: Sebastian Hofmann

Überraschende Ergebnisse in der aktuellen Miebach-Studie: Die Mehrheit der international befragten Unternehmen verlagert ihre Produktion derzeit in absatzmarktnahe Nachbarländer. Nearshoring überholt Offshoring.

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Hauptgründe, die Produktion in die Nähe der Absatzmärkte zu verlagern sind verbesserte Lieferzeiten, die Senkung von Personal- und Produktionskosten und die Erhöhung der Produktqualität.
Hauptgründe, die Produktion in die Nähe der Absatzmärkte zu verlagern sind verbesserte Lieferzeiten, die Senkung von Personal- und Produktionskosten und die Erhöhung der Produktqualität.
(Bild: Pixabay, SD-Pictures)

Der neue Trend in der Produktion heißt Nearshoring. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Miebach Consulting GmbH aus Frankfurt. 51 % der befragten Betriebe aus unterschiedlichen Ländern geben an, dass sie ihre Produktionsanlagen zunehmend wieder in die Nähe ihrer Absatzmärkte rücken. 26 % der Teilnehmer sehen Nearshoring in hohem Maße als wichtigen Zukunftstrend. Bernd Müller-Dauppert, Mitglied der Geschäftsleitung bei Miebach Consulting, fasst die Ergebnisse der Befragung zusammen: "Moderne Produktionsmethoden ermöglichen eine stärkere Kundenorientierung und liefern einen Wettbewerbsvorteil, wenn die Standortstrategie stimmt. Hier wird Near- und Onshoring für Unternehmen immer wichtiger." Für den Konsumenten könnte das verbesserte Serviceleistungen und hochwertigere Produkte bedeuten.

Herausforderungen an die Supply Chain

Der Wettbewerbsvorteil durch Near- und Onshoring wird vor allem durch Automatisierung und Digitalisierung begünstigt. Supply Chains werden durch die Verlagerung von Produktionsstätten jedoch deutlich komplexer. Bisherige Offshoring-Standorte werden durch Nearshoring-Standorte nicht abgelöst, sondern ergänzt. Einen Grund dafür sieht die Studie in den steigenden Erwartungen der Kunden an Services und Produktqualität. Gleichzeitig müssten Unternehmen dem steigenden Kostendruck und der internationalen Konkurrenz standhalten. Dieser Balanceakt sei nur durch eine integrierte Betrachtung von Supply-Chain- und Produktionsnetzwerken realisierbar.

International unterschiedliche Trends

Insgesamt nahmen an der Studie 127 Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen und mit verschiedenen Umsatzklassen teil. Die Befragten stammen zu 1/3 aus Amerika und zu 2/3 aus Europa. Ihre Motivation, eine Nearshoring-Strategie ins Geschäftsmodell zu integrieren, begründeten die Studienteilnehmer zuvorderst mit der Optimierung von Lieferzeiten. Der Befragung zufolge wird die Nahverlagerung von Produktionsstätten an Absatzmärkte vor allem in Europa stark an Bedeutung gewinnen. Wohl nicht zuletzt durch die protektionistische Politik des US-Präsidenten erwartet man für Amerika hingegen vor allem Onshoring-Modelle, also die Verlagerung der Produktion ins eigene Land. Offshoring bleibe weiterhin für den asiatischen Raum interessant.

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