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Plagiate Plagiate made in China – das Schweigen der Intralogistiker

| Redakteur: Robert Weber

Kein Kommentar, nicht betroffen, zu heikel – die Lagertechnikexperten wollen über Plagiate nicht reden. Dabei sind sie laut VDMA auch betroffen. In China lauern Gefahren für ihr Geschäft. Mit Detektiven wehren sich mittlerweile einige gegen Kopierer. Die Kriminellen sind aber schon wieder einen Schritt weiter.

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"Wir arbeiten in der Höhle des Löwen." Dr. Hans Joachim Fuchs von Chinabrand Consulting aus München.
"Wir arbeiten in der Höhle des Löwen." Dr. Hans Joachim Fuchs von Chinabrand Consulting aus München.
(Bild: Chinabrand)

Auf eine Mauer des Schweigens, gefühlt fast so lang und unüberwindbar wie das chinesische Pendant, trifft der Journalist, wenn man in der Intralogistikbranche zum Thema Plagiate aus Fernost recherchiert. „Dieses Mal beteiligen wir uns nicht an der Befragung“, heißt es beispielsweise beim Branchenriesen SSI Schäfer und der hanseatische Staplerkonzern Jungheinrich antwortet: „Das Thema besitzt für uns derzeit eine untergeordnete Priorität.“

Produktpiraterie trifft 75 % der Intralogistikanbieter

Die Kommunikation der Unternehmen verwundert, denn längst haben Plagiatoren auch die Intralogistikwelt für sich entdeckt. Laut VDMA-Studie sind 75 % der Fördertechnik- und Logistiksystemanbieter von Produktpiraterie betroffen. Doch die Mehrheit schweigt und will sich nicht aus der Deckung wagen. „Der Maschinenbau und damit auch die Intralogistik ist eine der am stärksten betroffenen Branchen, wenn es um Plagiate in China geht“, erklärt Dr. Hans Joachim Fuchs von dem Beratungsunternehmen Chinabrand Consulting in München. Er und sein Team rücken Fälschern und Kopierern im Reich der Mitte auf die Pelle.

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Mit einem Schaden durch Plagiate von rund acht Mrd. Euro rechnen die Experten vom VDMA in Frankfurt. Zum reinen Umsatzausfall kommen auch Imageeinbußen, Regressforderungen und der Verlust der technologischen Vorreiterrolle dazu. „Die Chinesen haben den Maschinenbau als strategische Schlüsselindustrie definiert und Wachstumsziele im 12. Fünfjahresplan festgeschrieben“, berichtet Chinakenner Fuchs.

Dazu passt der Besuch des chinesischen Premierministers Wen Jiabao in Hannover. Auf der Industriemesse versprach er vor wenigen Tagen: „China wird sich an den Schutz des geistigen Eigentums halten.“ Das dürfte die deutschen Unternehmen und Politiker freuen, denn den wichtigen Kunden will man nicht vergraulen. Ganz im Gegenteil: „Es ist wichtig, dass wir uns schnell in den Fragen der Normen und Standards einigen“, erklärte Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler im Interview mit unserer Redaktion.

Detektive recherchieren in den chinesischen Fabriken

Doch allen Politikerankündigungen zum Trotz: China ist der größte Plagiator der Welt und deshalb florieren die Geschäfte von Fuchs und seiner Mannschaft vor Ort. „Wir agieren für deutsche Maschinenbauer in der Höhle des Löwen“, lacht Fuchs. Im Reich der Mitte arbeitet er mit Detektiven zusammen. Wenn Fuchs von dem Arbeitsalltag seiner Kollegen berichtet, dann klingt das für den Außenstehenden zunächst nach einer Mischung aus James Bond, Matula und Sherlock Holmes.

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