Plagiate

Plagiate made in China – das Schweigen der Intralogistiker

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Doch mit Filmcharaktern hat die Arbeit dann noch nicht so viel zu tun. Sie ist langwierig und nervenraubend. Mit fiktiven Identitäten sammeln Detektive in China gerichtsfeste Beweise. Ausdauer und Sitzfleisch brauchen sie, denn die Recherchen dauern manchmal mehrere Monate.

Plagiatoren agieren schnell und geschickt

„Die Kollegen vor Ort treten als Kunden auf, führen mit dem Plagiator Verkaufsgespräche, bauen Nähe und Vertrauen auf und unterschreiben sogar Kaufverträge“, erklärt Fuchs. Die Mitarbeiter müssen vorsichtig agieren, denn die Fälscher sind clever, schicken Strohmänner, gewähren nur selten Einblick in die Produktion und werden bei zu vielen Nachfragen sehr schnell misstrauisch.

Apropos Schnelligkeit: Der Still Stapler RX50 wurde 2003 offiziell präsentiert. Knapp anderthalb Jahre später entdeckten die Hamburger ein erstes Plagiat. Schnell und geschickt agieren die Asiaten am Weltmarkt und bedienen sich aufwendiger Prozesse. Sie lagern Fakes an unterschiedlichen Orten oder labeln die gefälschten Produkte erst im Ausland, beispielsweise in Dubai.

Deutsche Mittelständler scheuen oft den juristischen Weg

Doch Fuchs und seine Mannschaft können Erfolge verzeichnen. Mit den notarisierten Beweisen leiten sie rechtliche Schritte gegen ein Unternehmen ein. Doch die heimische Wirtschaft beschreitet nur selten den juristischen Weg. 44 % der Unternehmen gaben in einer VDMA-Studie an, dass sie in mindestens einem Fall nicht reagiert hätten. Vor allem die kleinen und mittelständischen Firmen erstarren, wenn es um Plagiate geht.

Dabei existieren auch in China Gesetze gegen Plagiate. „Wir haben mit der chinesischen Justiz sehr gute Erfahrungen gemacht“, erklärt Fuchs. Aus seiner Sicht ist es wichtig, Kontakt zu Behörden und Richtern aufzubauen, um Vertrauen zu schaffen und sie von den Problemen zu überzeugen. „China ist eine Misstrauensgesellschaft, deshalb braucht es persönliche Beziehungen“, empfiehlt der Plagiatsjäger.

Auch China geht härter gegen Produktpiraten vor

Er hat schon einige Prozesse im Reich der Mitte geführt. Kommt es zu einer juristischen Auseinandersetzung, dann läuft diese meist auf einen Zivilprozess hinaus. Ab einem Schaden von 50.000 Euro leiten die Behörden einen Strafprozess ein. „Auch in China werden Fälscher konsequent verfolgt“, sagt Fuchs und legt nach: „Die Vorstellung, das Kopieren sei eine Auszeichnung im Sinne der chinesischen Philosophie des Konfuzianismus, ist pure Romantik.“

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