Fahrerlose Transportsysteme Selbstläufer im Krankenhausbetrieb

Redakteur: Volker Unruh

Fahrerlose Transportsysteme werden in den unterschiedlichsten Branchen eingesetzt. Außerhalb der industriellen Einsatzfelder rückt seit einiger Zeit der Bereich Krankenhaus zunehmend in den Fokus der Hersteller. Dort bieten die Logistikabläufe oft noch erhebliches Potenzial für Kosteneinsparungen.

Firmen zum Thema

Auf einer Trassenlänge von über 1700 m sorgen fahrerlose Transportsysteme im Bundeswehr-Zentralkrankenhaus in Koblenz für die durchgängige Automatisierung der Warenströme. Bild: PSB Intralogistics
Auf einer Trassenlänge von über 1700 m sorgen fahrerlose Transportsysteme im Bundeswehr-Zentralkrankenhaus in Koblenz für die durchgängige Automatisierung der Warenströme. Bild: PSB Intralogistics
( Archiv: Vogel Business Media )

Das moderne Bundeswehr-Zentralkrankenhaus in Koblenz ist eine leistungsfähige Institution, welche die medizinische Vollversorgung für Angehörige der Bundeswehr und auch für zivile Patienten sichert. Im Klinikbetrieb fallen täglich mehr als 500 Transporte von insgesamt 25 Speise- und 113 Universalcontainern zwischen dem Bettenhaus, der Küche, der Wäscherei, der Apotheke, dem OP und auch der Müllentsorgung an. Die Warenströme sind durchgängig automatisiert und werden auf einer Trassenlänge von über 1700 m von einem fahrerlosen Transportsystem (FTS) durchgeführt.

Der Einsatz des automatischen Warentransportsystems hat im Bundeswehr-Zentralkrankenhaus den manuellen Schiebebetrieb der Container abgelöst. Ein komplexes, computergesteuertes Materialflusssystem koordiniert und optimiert nach einer vorgegebenen Strategie die Verwaltung der Fahraufträge für die 17 eingesetzten fahrerlosen Transportfahrzeuge (FTF).

Bildergalerie
Bildergalerie mit 5 Bildern

Die Logistikabläufe in Krankenhäusern bieten oft noch erhebliches Optimierungspotenzial

Auch wenn Krankenhäuser keineswegs mehr Neuland für die Hersteller fahrerloser Transportsysteme sind, rücken sie immer stärker in deren Fokus, zumal im stationären Gesundheitswesen die Bedeutung einer gesamtheitlichen Betrachtung der Versorgungsketten und Logistikabläufe erkannt worden ist. Diese Prozesse bieten in unzähligen Krankenhäusern noch erhebliches Potenzial für Optimierungen und damit auch Kosteneinsparungen.

Krankenhäuser sind – genau wie jeder Industriebetrieb – auf eine optimale Produktivität angewiesen. „Alle Prozesse“, erläutert Hans Strobl, Leiter der Business Unit AGV bei der Swisslog Telelift GmbH in Puchheim, „müssen nahtlos ineinander greifen, ohne Stillstand oder Leerlaufzeiten.

Der Schlüssel dazu liegt in einer leistungsfähigen Logistik, die gleichermaßen geplante und ungeplante Transporte abdeckt. In beiden Fällen ist die Qualität des Transportes von höchster Bedeutung, da besonders in Krankenhäusern falsch gelieferte oder fehlerhaft behandelte Güter nachteilige Folgen für andere interne Abläufe, aber auch für Personen haben können.“

Der Einsatz eines fahrerlosen Transportsystems wird kritisch auf die Kostenprobe gestellt

Vor diesem Hintergrund sind fahrerlose Transportsysteme zumindest rein technisch geradezu prädestiniert für die Lösung logistischer Aufgabenstellungen im Klinikbetrieb, aber wie sieht das aus der Investorensicht aus? Dazu Volker Welsch, Vertriebsleiter der PSB Intralogistics GmbH in Pirmasens, die übrigens auch das FTS in der Koblenzer Zentralklinik realisiert hat: „Bekanntlich steigt der Kostendruck im Gesundheitswesen permanent. Sobald ein Krankenhaus – bezogen auf die Bettenanzahl – eine kritische Größe übersteigt, lässt sich der Einsatz eines FTS wirtschaftlich darstellen. Hierin unterscheiden sich also klassische Industriebranchen, wie zum Beispiel der Maschinenbau, in keinster Weise vom Krankenhaussektor: Der Einsatz eines FTS wird kritisch auf die Kostenprobe gestellt und selbstredend nur bei entsprechender Wirtschaftlichkeit realisiert.“

Dabei macht es durchaus einen Unterschied, ob fahrerlose Transportsysteme von vornherein in die Planung eines neuen Krankenhauses einbezogen oder später nachgerüstet werden. Peter Ossendorf, Vertriebsleiter der MLR System GmbH in Ludwigsburg, rechnet bei Neubauten mit einem Return of Investment (ROI) von drei bis vier Jahren, bei der Integration in ein bereits bestehendes Gebäude von fünf bis sieben Jahren.

(ID:322292)