Onlinehandel

So revolutioniert E-Commerce die Logistik

| Autor: Sebastian Hofmann

Ein gut durchdachtes und flexibles Logistiksystem ist die Grundlage für den Erfolg von Onlineshops.
Ein gut durchdachtes und flexibles Logistiksystem ist die Grundlage für den Erfolg von Onlineshops. (Bild: ©small smiles - stock.adobe.com)

Der E-Commerce-Markt ist heftig umkämpft – wertvolle Wettbewerbsvorteile liefert da die richtige Logistik. Lesen Sie hier, was erfolgreiche Dienstleister ausmacht!

Der deutsche E-Commerce-Markt boomt. Bundesweit kaufen Kunden so begeistert wie nie bei Amazon, Zalando, Ebay & Co. und bescheren der Wirtschaft damit klingelnde Kassen. 2017 brachte das Onlinegeschäft immerhin einen Umsatz von knapp 48,7 Mrd. Euro. Auch deshalb ist der E-Commerce-Sektor immer härter umkämpft. Wer dem Wettbewerb nicht gewachsen ist, fliegt binnen kurzer Zeit vom Markt. Das erhöht vor allem den Druck auf die Logistik, die ja für das gelingen von Onlineshops wesentlich verantwortlich ist. Mit Manuel Unkel, dem Geschäftsführer von B+S Logistik, haben wir darüber gesprochen, welchen Anforderungen Logistik in Zeiten des E-Commerce gewachsen sein muss, welche aktuellen Trends am Markt zu erkennen sind und wohin die Reise in den nächsten Jahren gehen könnte.

Manuel Unkel ist Geschäftsführer bei B+S Logistik.
Manuel Unkel ist Geschäftsführer bei B+S Logistik. (Bild: Sputnik GmbH, B+S Logistik)

Herr Unkel, mittlerweile kaufen über 50 Mio. Deutsche im Netz ein. Kann man es sich als Unternehmen heute überhaupt noch leisten, nicht mit einem Onlineshop vertreten zu sein?

Unkel: Aus meiner Sicht nicht, das zeigt sich auch ganz klar am Markt: Fast jedes Unternehmen, egal aus welcher Branche und egal ob old oder new economy, hat das Thema inzwischen auf der Agenda. Zwar gibt es noch einzelne Betriebe, die sagen „das brauche ich nicht“, aber deren Anzahl wird immer geringer.

Diese Unternehmen verschwinden dann vom Markt?

Unkel: Diejenigen ausgenommen, die in einer speziellen Nische sitzen, wo sie von den Umwälzungen im E-Commerce nicht tangiert werden, ja. Dafür gibt es auch ganz konkrete Beispiele aus verschiedenen Branchen – denken wir nur mal an Promarkt oder Görtz. Das waren vor ein paar Jahren noch Unternehmen, die fest im Sattel saßen und sich ihrer Marktführerschaft sicher waren. Doch dann wurden sie plötzlich von jüngeren und flexibleren Unternehmen überholt.

Neben dem reinen Commitment braucht es für erfolgreichen E-Commerce aber auch gut durchstrukturierte logistische Prozesse. Welche neuen Anforderungen stellt das Onlinegeschäft an die Logistik?

Im letzten Jahr lag der Umsatz im deutschen E-Commerce-Sektor bei fast 50 Mrd. Euro.
Im letzten Jahr lag der Umsatz im deutschen E-Commerce-Sektor bei fast 50 Mrd. Euro. (Bild: HDE Handel Digital - Online-Monitor 2017, Statista)

Unkel: Neu ist vor allem die unglaubliche Geschwindigkeit im täglichen Geschäft. Jeder kennt das: Wenn ich etwas bestelle, will ich es entweder noch heute oder spätestens morgen auch geliefert bekommen. Diesen Standard haben Amazon und Co. etabliert. Schnell kann es dadurch aber auch passieren, dass Endkunden ihren Unmut in den sozialen Medien oder auf Bewertungsportalen auslassen, wenn etwas mit dem Versand nicht stimmt oder zu lange dauert. Von jetzt auf gleich hat man dann einen Imageschaden, der einen weitere Kunden kostet.

Auf der anderen Seite sind die Anforderungen an die Logistik auch deutlich vielfältiger geworden. Früher ging es vor allem um reine B2B-, heute zunehmend um B2C-Logistik. Workflows verändern sich dramatisch und die geforderten Servicelevels steigen. Letztendlich sind hier Logistikdienstleister ohne entsprechende IT-Unterstützung verloren.

Welchen Herausforderungen muss die IT im E-Commerce gewachsen sein?

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16.01.19 - Hier finden Sie die wichtigsten Infos zu Distributionslogistik: Definitionen, Ziele, Grundlagen, Beispiele und Kennzahlen übersichtlich aufbereitet. lesen

Unkel: Das klassische B2B-Kontraktlogistikgeschäft, wo man eine einzige Schnittstelle – nämlich die zum ERP-System des Kunden – hat, gibt es heute immer seltener. Zunehmend haben Logistikdienstleister Überschneidungen zu mehreren Partnern, Kundenportalen, digitalen Marktplätzen und Zahlungsdienstleistern. Es braucht umfangreiche IT-Systeme, die eine schnelle und flexible Anbindung gewährleisten und alle relevanten Daten zeitnah zusammenführen können. Die Release- und Anbindungszyklen – beispielsweise an neue Zahlungsmethoden – sind ein ganz klares Kriterium dafür geworden, ob sich Logistikdienstleister erfolgreich am Markt positionieren können oder nicht.

Wie verändert sich die Intralogistik durch dieses Zusammenwachsen von B2B und B2C?

Unkel: Sie muss beide Bereiche vereinen. Im internen Warenfluss brauche ich heute als Logistikdienstleister unterschiedliche Pick-Strukturen und Verpackungsstraßen: auf der einen Seite, um größere Aufträge abwickeln zu können und auf der anderen Seite, um auch den kleinteiligen Bereich abzudecken. Immer mehr spielen hier auch Zusatzdienstleistungen eine Rolle, sprich die Produktion individualisierter Grußkarten, Textilien, Geschenkverpackungen und so weiter. Nicht zu vergessen ist auch das erhöhte Retourenaufkommen: Wer Rückgaben nicht effizient managt, kann sich am Markt nur schwer behaupten.

In diesem Video zeigt DB Schenker, wie innovative Technologien in einem Warenlager bei Stockholm dabei helfen, bis zu 40.000 Bestellungen pro Tag abzuwickeln – eine neue Generation der E-Commerce-Logistik.

Welche Folgen hat diese Entwicklung auch auf die Distributionslogistik?

Unkel: Das konnte man jetzt gerade wieder im Weihnachtsgeschäft erleben. In vielen Medien war vom Netzkollaps der KEP-Dienste die Rede. Und diese Einschätzung stimmt sicherlich auch: Ein Rekordjahr jagt das nächste. Mittlerweile investieren viele Paketdienstleister aber hohe Summen, um ihre Kapazitäten zu erhöhen und die Arbeitsbelastungen der Mitarbeiter zu reduzieren. Für mich ist es besonders spannend, zu sehen, wie gerade langsam ein Verständnis dafür entsteht, dass es diese Dienstleistung eben nicht zum Dumpingpreis geben kann – sowohl in der Branche als auch beim Endkunden.

Wie wird sich der E-Commerce-Sektor in Zukunft entwickeln?

Unkel: Der Onlinehandel hat weiterhin ein starkes Wachstum vor sich. Neben den Millennials nutzen auch immer mehr Ältere Onlineshopping-Angebote. Aus 50 Mio. Kunden werden bald mehr. Auf der anderen Seite sind auch die Anbieter immer professioneller im Geschäft und können Standards wie Kundennähe und Zuverlässigkeit immer besser und einfacher einhalten.

Dennoch: Die knappe Verfügbarkeit von Know-how und Manpower – gerade in den Bereichen IT und Logistikmitarbeiter – stellt Unternehmen auch zukünftig vor Herausforderungen. Ging es vor ein paar Jahren ausschließlich um den Kundenwettbewerb, kommt heute der Mitarbeiterwettbewerb dazu. Eine steigende Vernetzung und Schnelligkeit fordert künftig noch mehr Flexibilität und Agilität von Unternehmen. Letztendlich wird die Fähigkeit, bei unterschiedlichen Entwicklungszyklen im E-Commerce mitzuhalten, in Zukunft ein wesentliches Erfolgskriterium für Betriebe sein.

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