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Tiefkühllager Technische Lösungen für die Meister der Kälte

| Autor: Benedikt Hofmann

Tiefkühlprodukte sind eine der Erfolgsgeschichten der Nahrungsmittelindustrie. MM Logistik hat mit Anwendern und Anbietern aus dem Tiefkühlbereich gesprochen und erfragt, welche Anforderungen sich in dem Bereich stellen und wie die technischen Lösungen dazu aussehen.

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Im Tray-Lager von Edna arbeiten hochdynamische Regalbediengeräte und Fördertechnik-Elemente, die von der Witron-Tochter FAS entwickelt und hergestellt wurden.
Im Tray-Lager von Edna arbeiten hochdynamische Regalbediengeräte und Fördertechnik-Elemente, die von der Witron-Tochter FAS entwickelt und hergestellt wurden.
(Bild: Witron)

Die Unternehmen Eismann und Deutsche See sind zwei Ikonen der Lebensmittelindustrie. Während das eine für viele Verbraucher in Deutschland gleichbedeutend für qualitativ hochwertige Meeresfrüchte steht, versetzte das andere auch den Autor dieses Artikels schon in seiner Jugend in Verzückung, wenn der „Eismann“ an der Tür klingelte – dann galt es nämlich die Mutter mit engelsgleichem Blick davon zu überzeugen, möglichst viele der verschiedenen Eisspezialitäten zu erwerben. Die Unternehmen sind also perfekte Ansprechpartner, um sich einmal eingehend über die Ansprüche eines Anwenders im Bereich Tiefkühllager zu unterhalten. Das taten wir genauer mit Carl Wanders, Leiter Demand & Supply Planning bei Eismann, und Wolfgang Zeitz, Leiter Logistik bei Deutsche See. Anschließend konfrontierten wir einige namhafte Anbieter von Lagerlösungen mit den Aussagen und Wünschen der Anwender und möchten so sowohl die Herausforderungen als auch Möglichkeiten dieser Branche aufzeigen.

Energieeffizienz und Nachhaltigkeit

Wenn man über ein Thema wie Kühltechnik spricht, ist es wenig verwunderlich, dass der Begriff „Energieeffizienz“ ziemlich früh fällt. Zeitz begründet das unter anderem mit der kontinuierlichen Optimierung des Umwelt- und Energiemanagements seines Unternehmens. „Gute Kältehaltung durch Einsatz nachhaltiger und CO2-reduzierter Werkstoffe beim Kühlhausbau und energieeffiziente Kühlanlagen unter Einbeziehung nachhaltiger Energien sind deshalb besonders wichtig“, so der Logistiker.

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Bei dieser Frage kommt es allerdings besonders auf den Architekten und den Bauträger an, wie Martin Stich, technischer Geschäftsführer bei Witron Logistik + Informatik, herausstellt. Das heißt allerdings nicht, dass der Lieferant der Lagertechnik sich in diesem Bereich nicht einbringen kann. So komme es gerade bei Tiefkühllagern auf eine enge Kooperation zwischen den verschiedenen Projektpartnern an, da gerade in diesem Sektor ein besonderes Know-how gefragt ist. Allerdings kann auch der Lagerausstatter zu einer besseren Energiebilanz beitragen, wie Stich betont. Das geschieht zum Beispiel durch eine kompakte Bauweise, um das zu kühlende Raumvolumen deutlich zu reduzieren. Das unterstreicht auch Frank Heptner, TK-Lager-Spezialist bei Viastore Systems: „Dabei sollte vor allem die horizontale Lagerfläche so klein wie möglich sein, denn der größte Teil der Kälte geht über das Dach verloren.“ Heptner sieht hier vor allem durch eine automatisierte Lagerführung großes Potenzial, da automatisierte Lagersysteme einen hohen Volumennutzungsgrad haben und die vorhandene Fläche mit bis zu 45 m hohen Regalen sowie mehrfachtiefer Lagerung besonders effizient nutzen. Allerdings reicht es den Fachleuten zufolge nicht, nur das Lager anzusehen, wenn man den Energieverbrauch minimieren will. So wendet Stich ein: „Festzuhalten gilt, dass jedoch die meisten Energieverluste in einem Tiefkühllager entstehen, wenn die Produkte mit einer höheren Temperatur eingelagert werden, als der, welche im Tiefkühllager herrscht. Ein hoher zusätzlicher Kühlaufwand wird schon bei geringen Temperaturunterschieden notwendig, weil die Temperatur von Wareneingangspaletten – die oft in großen Mengen angeliefert werden – an die Umgebungstemperatur angeglichen werden muss.“ Deshalb ist es nötig, die gesamte Supply Chain zu betrachten, um eine möglichst ideale Lösung zu finden.

Trend geht zu Automatisierung

Passend zu den bereits getätigten Äußerungen sehen die Anwender in der Automatisierung einen der Trends in der Gegenwart und der näheren Zukunft. Wanders bringt es auf den Punkt: „Wie in vielen anderen Bereichen auch, steht uns mit großer Wahrscheinlichkeit eine Automatisierung der operativen Abläufe im Lager bevor.“ Dieser Anforderung sind sich die Anbieter natürlich seit einiger Zeit bewusst und bieten entsprechende Lösungen an. Bei SSI Schäfer setzt man Andres Koch, Leiter Produktmanagement, zufolge auf eine Kombination aus automatischem Regalbediengerät mit Palettensatellit als mobilem Lastaufnahmemittel (LAM): „Das sorgt für die Möglichkeit der mehrfachtiefen Lagerung bei gleichzeitig hoher Lagerdynamik. Und dies unabhängig von den Temperaturbedingungen.“ Dem liegt zugrunde, dass bei SSI nicht nur das Fördertechnikportfolio, sondern auch die Standardlagersysteme in der Tiefkühlausführung erhältlich sind. Hier sorgt dem Produktmanager zufolge insbesondere das Lift&Run-System durch seine mehrfachtiefe Lagerung für eine äußerst platzsparende und damit energieeffiziente Lagerung. Bei dem System handelt es sich um eine Lagermaschine mit integriertem Shuttle für Kanalläger.

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