Verladetechnik

Verlade- und Dockingsysteme – anspruchsvolle Schnittstelle zwischen Halle und Lkw

02.11.2007 | Autor / Redakteur: Reinhard Irrgang / Bernd Maienschein

Torabdichtungen nach Maß ermöglichen auch für kleinere Fahrzeuge optimal geschützte Verladevorgänge. Bild: Koch
Torabdichtungen nach Maß ermöglichen auch für kleinere Fahrzeuge optimal geschützte Verladevorgänge. Bild: Koch

Der Verladebereich, je nach Anwenderbranche und Anforderungen ausgestattet mit Rampen, Überladebrücken, Rolltoren, Torabdichtungen oder ausgeführt als komplettes Thermoschleusensystem und Dockingstation, stellt den zentralen Übergang von intralogistischen Prozessen zur externen Logistik dar. Damit handelt es sich, bei allen Anforderungen an die Robustheit der Systeme, um einen sehr sensiblen Bereich, am dem viel Geld verloren oder gewonnen werden kann.

Der Bedarf an und die Nachfrage nach Verladetechnik und Dockingsystemen gestalten sich branchenübergreifend, Schwerpunkte ergeben sich allenfalls aus dem Angebotsspektrum des jeweiligen Herstellers. „Überall dort, wo die Schnittstelle Halle/Lkw beim Warentransfer gelöst werden muss, sind unsere Produkte im Einsatz“, konstatiert Reiner Lendle, General Manager von Loading Systems. „Dabei liefern wir sowohl Einzelstücke für kleinere Bauvorhaben als auch bis zu einige hundert Systeme für Großprojekte. Wichtigster Kundenkreis für Loading Systems ist nach wie vor der Generalunternehmer, jedoch verstärken wir seit einigen Jahren die Zusammenarbeit mit Endkunden und Planungsbüros.“

„Die meisten Anfragen erhalten wir zur Zeit von industriellen Endverbrauchern, insbesondere von Produktionsunternehmen aller Industriezweige, wie beispielsweise Automobilherstellern, OEM, Nahrungs- und Genussmittel-Herstellern sowie Logistikdienstleistern bis hin zur Chemie- und Pharmaindustrie“, so Christopher Seysen, Geschäftsführer von Efaflex.

Bei Arnold Verladesysteme, Stuttgart, sind die „Kunden branchen-übergreifend und reichen von der Papierindustrie und Großmetzgereien bis hin zu den größten Speditionen“, wie Dipl.-Ing. Annette Arnold betont. Koch-Lagertechnik erhält, wie Verkaufsleiter Frank Schüring erläutert, „die überwiegende Anzahl der Anfragen nach Torabdichtungen, unserem Lieferschwerpunkt, von bundesweit tätigen Bauunternehmen, die Logistikzentren erstellen; an zweiter Stelle ist Ersatzbedarf der Anwender zu nennen.“

Die Hörmann KG ist „in der Bauentwicklung in allen Bereichen vertreten“, so Rüdiger Bierhenke, Verkaufsleiter für Industrietorsysteme und Verladetechnik, denn „wir können den Bauherren und Investoren mit der Verladetechnik die gesamten Öffnungsabschlüsse anbieten. Wir agieren dort, wo Logistikabläufe jeglicher Art gefordert sind. Zu unseren Partnern gehören beispielsweise Fahrzeughersteller wie Mercedes-Benz und MAN, Logistikdienstleister wie TNT und Logistikimmobilien-Betreiber wie Prologis.“

Kälte- und Wärmedämmung liegen im Trend

Welche Techniken und Systeme werden nun im Verladebereich derzeit bevorzugt nachgefragt? „Bereits seit einiger Zeit stellen wir am Markt eine deutliche Tendenz hin zu Schleusensystemen fest“, so Lend-le. Denn aufgrund gestiegener Anforderungen an Kälte- und Wärmedämmungen von Lagerhallen komme diesem Bereich am Markt eine immer höhere Bedeutung zu. Zudem bestehe diesbezüglich Bedarf auch als „mögliche Erweiterung von Hallen, da dadurch teure Betonarbeiten vermieden werden können“.

Loading Systems bietet für temperierte Hallen außer der Schleusenlösung sowohl in sich wärmegedämmte Überladebrücken an als auch die klassische Isolierung, bei der das hochgedämmte Sektionaltor vor der in das Gebäude zurück versetzten Überladebrücke auf ein darunter liegendes ISO-Paneel oder auf das Hofniveau herabfährt. Kombiniert werden diese Ausführungen häufig mit aufblasbaren Torabdichtungen, die bei größter Variabilität ein Optimum an Abdichteffekt darstellen.

Superschnelle Rolltore

Bei Efaflex, dem Spezialisten für Schnelllauftore, werden, wie Seysen ausführt, schnelllaufende Torsysteme mit hoher Wärmedämmung – nämlich einem U-Wert von maximal 0,8 W/m2K — für den Hallenabschluss sowie besonders schnelle Innentore bis über 4,0 m/s besonders häufig nachgefragt. Efaflex ist weltweit der erste und einzige Anbieter von Schnelllauftoren, „der ab sofort für alle schnelllaufenden SST-Außentore nunmehr serienmäßig doppelwandige Isolierlamellen in thermisch getrennter und isolierter Ausführung anbietet“.

Bevorzugt nachgefragt werden bei Koch-Lagertechnik „Torabdichtungen mit Seitenteilen aus Spezialschaumkern ohne die Verwendung von Metallteilen und einem von den Seiten unabhängigen Hubdach, auf das wir ein Patent haben“, so Frank Schüring.

Und bei Arnold Verladesysteme „gewinnt in den letzten Jahren zunehmend die Sicherheitstechnik an Bedeutung, wie der Elektrokeil oder Safety-Jack“, so Annette Arnold, „das sind Unterstellblöcke, die das Kippen eines abgestellten Sattelaufliegers während der Be- und Entladung verhindern“.

Komplettlösungen bevorzugt

Eine Reihe von Herstellern bedient das gesamte Spektrum an Verladetechnik. So steht bei Loading Systems „die Lösung einer Verladesituation im Vordergrund“, wie Lendle betont: „Als Komplettanbieter versuchen wir, zusammen mit dem Betreiber beziehungsweise unserem Kunden eine durchdachte Komplettlösung rund um die Schnittstelle Halle/Lkw zu erarbeiten“, wozu in erster Linie die dem Bedarfsfall angepasste Überladebrücke, das Hallentor und eine geeignete Torabdichtung notwendig sind. „Da wir selbst fertigen, können wir dabei in der Regel auf unsere selbst hergestellten Produkte zurückgreifen.“ Diese umfassen alle Typen von hydraulischen Überladebrücken, Torabdichtungen als Nischen-Einbau, Vorbau sowie Planen-, Kissen- und aufblasbare Ausführungen und Sektionaltore. Hinzu kommen Einfahrhilfen, Ampelanlagen oder andere Sicherheitseinrichtungen.

„Neben dem Komplettangebot haben wir auch durch unsere innovativen Produkte Wettbewerbsvorteile“, weiß Bierhenke: „Bei vielen Bauvorhaben war zum Beispiel unser Soft-Edge-Tor eines der Kriterien, warum die Entscheidung zugunsten von Hörmann fiel.“ Das Soft-Edge-Tor ist serienmäßig mit einem völlig neuen Anti-Crash-System ausgestattet, das Mensch und Material vor Kollisionen schützt. Mit der Einführung dieses Tors hat Hörmann „dem Markt der Folien-Schnelllauftür in Deutschland ganz neue Impulse gegeben und eine enorme Nachfrage erzeugt“, berichtet Bierhenke.

Erschütterungsfreies Be- und Entladen

Um den Gesundheitsschutz der Mitarbeiter geht es auch beim neuesten System von Crawford Hafa: Mit dem Einsatz des Ergodocks werden die Stöße vermieden, die sonst bei jedem Überfahren der Überladebrücke durch den Absatz zwischen Brückenplateau und Vorschubteil entstehen und auf die Wirbelsäule des Staplerfahrers übertragen werden. Beim Ergodock stoßen Brückenplateau und Vorschubteil nahtlos und ohne den geringsten Niveau-Unterschied absatzlos aneinander. Keine Erschütterung beeinträchtigt Mensch und Ware beim Verladen, physische Belastungen für das Verladepersonal und auch Transportschäden werden vermieden; zudem werden die Abnutzung der Räder der Flurförderzeuge verringert und der Lärmpegel beim Verladen vermindert.

Arnold Verladesysteme bietet ein umfassendes Spektrum an Techniken und Systemen für den Verladebereich, von Verladebrücken und -plattformen sowie Hubtischen bis zu Anpassrampen, Verladewetterschutz und Puffersystemen.

Lkw-Räder sicher am Boden arretiert

Einen Schwerpunkt legt das Unternehmen auf Sicherheitstechnik. Das derzeit innovativste Produkt diese Bereichs bildet das Anti-Roll-System. Beim ARS handelt es sich um eine stationäre, in den Boden integrierte Standsicherung, bestehend aus acht pneumatisch gesteuerten schroffen und in eine mechanische Verriegelung integrierten Radkeilen. Diese fahren nach dem Andocken des Lkw an der Verladestation hoch. Dadurch kann dem Trend der immer stärkeren seitlichen Verspoilerung der Lkw vorgebeugt werden, da die Räder ausschließlich von unten festgehalten werden können.

Weil das System in den Boden versenkt wird, läuft der Rangiervorgang störungsfrei ab. Das robuste, witterungsbeständige und weitgehend wartungsfreie System kann ausschließlich vom Verladepersonal des Gebäudes bedient werden, dadurch bestimmt der Verlader selbst Start und Ende des Verladevorgangs.

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