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Logistikimmobilien Von der Schraube bis zum Melkroboter

| Autor / Redakteur: André Banschus / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Abseits vom Standardprodukt gibt es immer mehr Logistikimmobilien mit Spezialcharakter. Eine davon steht im mecklenburgischen Gallin, 60 km östlich von Hamburg gelegen. Zwar sieht sie von außen aus wie manch andere Lagerhalle auch, doch im Inneren birgt das europäische Verteilerzentrum von DeLaval einige Besonderheiten.

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„Eierlegende Wollmilchsau“: Für DeLaval hat Verdion eine Logistikimmobilie der besonderen Art entwickelt.
„Eierlegende Wollmilchsau“: Für DeLaval hat Verdion eine Logistikimmobilie der besonderen Art entwickelt.
(Bild: Jazzper Maclouis)

Verdion hat im letzten Jahr das 57.000 m2 große Verteilerzentrum – inklusive 3800 m2 Bürofläche – für den weltweit führenden Anbieter von Produkten und Lösungen für die Milchwirtschaft DeLaval gebaut. Das Investitionsvolumen für den Gebäudekomplex im Business Park A24, direkt an der gleichnamigen Autobahn, die Hamburg und Berlin verbindet, lag bei 29 Mio. Euro.

In der Landwirtschaft würde man wohl sagen: Diese Logistikimmobilie ist eine „eierlegende Wollmilchsau“. Die Anforderungen an den Standort sind vielschichtig, weil DeLaval hier sehr unterschiedliche Produkte und Materialien lagert. Von der Warengröße her reicht das Spektrum dabei von kleinteiligen (Ersatz-)Teilen wie Schrauben bis hin zu Melkrobotern, die Platz für zwei Kühe bieten. Aber auch die Art der gelagerten Materialien bringt besondere Anforderungen mit sich.

Gefahrstoffe separat gelagert

Eine Melkmaschine wird sowohl mit sauren als auch mit alkalischen Mitteln gereinigt, die streng voneinander getrennt gelagert werden müssen. Bei einer Vermischung könnte gefährliches Chlorgas entstehen. Dementsprechend beinhaltet das Distributionszentrum drei kleinere Hallenteile, in denen unterschiedliche Gefahrstoffe separat gelagert und gesichert werden. Neben dem Kleinteilelager für die Schrauben und einer Halle ohne weitere Einrichtung für die Melkroboter gibt es einen weiteren Gebäudeteil, in dem nur Gummimatten und Kuhmatratzen für den Komfort der Kühe gelagert werden.

Da die Immobilie nicht nur für große Lagerflächen, sondern auch als Zentrale für die Verteilung in ganz Europa gedacht ist, war auch ein repräsentatives Bürogebäude gefordert. Dieses wurde mittels einer Brücke mit dem eigentlichen Verteilerzentrum verbunden. DeLaval beschäftigt insgesamt circa 190 Mitarbeiter am Standort und hat – im Hinblick auf den Fachkräftemangel in der Branche – bei der Konzeptionierung des Gebäudes auch deren Komfort in den Vordergrund gestellt. So gibt es unter anderem eine schön gestaltete Kantine, in der frisches Essen gekocht (statt nur aufgewärmt) und kostenlos an die Mitarbeiter abgegeben wird. Außerdem verfügt das Zentrum über Sport- und Yogaräume sowie einen Kreativraum, in dem Handy und Computer verboten sind. Dafür kann man dort lesen oder sich mit Kollegen zum Austausch treffen.

Weit weniger Energie und Wasser

Anfang März 2018 hat das Gebäude außerdem eine Goldzertifizierung des internationalen Nachhaltigkeitssiegels LEED des U. S. Green Building Council (USGBC) bekommen – ein Erfolg, der mit einem nachhaltigen Konzept von Projektbeginn an erreicht wurde. Der LEED-Referenzwert für den Wasserverbrauch von Logistikimmobilien konnte zum Beispiel um 45 % unterschritten werden. Das wurde unter anderem durch hocheffiziente Spüleinrichtungen und die Nutzung von Grauwasser erreicht.

Vor dem Bau hatte man eine umfassende Energiesimulation des Logistikzentrums umgesetzt. Dank dieser Simulation konnte der Basisenergieverbrauch um 43 % reduziert werden. Dazu trägt unter anderem eine gute Dämmung bei. Der gesamte Energiebedarf wird außerdem vollständig aus regenerativen Quellen gespeist. Auf dem Außengelände gibt es acht Tanksäulen für Elektroautos.

Auch der Bezug von umweltfreundlichen und teils regionalen Baumaterialien – zur Reduktion der Transportemission – sowie die Bepflanzung der Außenanlagen mit heimischen Bäumen spielten bei der LEED-Bewertung eine Rolle. Das nachhaltige Gesamtkonzept hat somit nicht nur den Mieter, sondern auch das USGBC überzeugt. Letztlich lässt sich festhalten: Das Konzept der „eierlegenden Wollmilchsau“ ist bei Logistikimmobilien durchaus umsetzbar – und das mit Rücksicht auf die Mitarbeiterbedürfnisse und die Umwelt.

* André Banschus ist Executive Director bei der Verdion GmbH in 40468 Düsseldorf, Tel. (02 11) 54 20 20, banschus@verdion.com

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