Verpackungen

Wichtiger Meilenstein der Kreislaufwirtschaft in Deutschland

| Autor: Bernd Maienschein

Mara Hancker ist Sprecherin des IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen e. V. mit Sitz in Bad Homburg. Mit über 300 Mitgliedsunternehmen ist der IK zurzeit der größte Verband auf dem Kunststoffsektor in Europa. Vor ihrem Engagement beim IK verantwortete Hancker die Kommunikation des Logistikdienstleisters Logwin.
Mara Hancker ist Sprecherin des IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen e. V. mit Sitz in Bad Homburg. Mit über 300 Mitgliedsunternehmen ist der IK zurzeit der größte Verband auf dem Kunststoffsektor in Europa. Vor ihrem Engagement beim IK verantwortete Hancker die Kommunikation des Logistikdienstleisters Logwin. (Bild: IK)

Das jüngst verabschiedete Verpackungsgesetz mit seinen anspruchsvollen Recyclingquoten bezeichnet die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen als wichtigen Meilenstein der Kreislaufwirtschaft in Deutschland. Was die Branche momentan sonst noch alles umtreibt, haben wir IK-Sprecherin Mara Hancker gefragt.

Frau Hancker, der IK-Konjunkturtrend, den Sie vierteljährlich veröffentlichen, liegt seit Mitte 2010 deutlich und dauerhaft im Plus – trotz „Plastiktüten-Bashing“. Welche Packmittel tragen diese Entwicklung vor allem?

In der öffentlichen Wahrnehmung wurde die Plastiktüte unabhängig von ihren Umwelteigenschaften zum Symbol der Wegwerfgesellschaft stilisiert. Das hat mit den Fakten beziehungsweise den tatsächlichen Umwelteigenschaften und Vorzügen von Kunststoffverpackungen und damit ihrer bevorzugten Verwendung durch den Verbraucher wenig zu tun. Kunststoffverpackungen sind kein Selbstzweck. Ihre Hauptfunktion ist der Schutz der verpackten Ware. Dabei sind viele Verpackungen wahre Hightechprodukte. Sie sind innovationsstark, extrem leistungsfähig und anderen Materialien in vielen Belangen überlegen. Kunststoffverpackungen schützen unter anderem Lebensmittel, sind dabei extrem leicht, verbrauchen nur wenige Ressourcen und werden nach ihrem Gebrauch recycelt. Das alles sind gute Gründe dafür, dass in Deutschland 63 % aller Waren und Produkte, die der private Endverbraucher konsumiert, in Kunststoff verpackt werden.

Verbraucherschutz, und hier insbesondere der Lebensmittelkontakt, ist ja ein ganz großes Thema. Werden die gesetzlichen Anforderungen zur Migrationsvermeidung in Ihren Augen immer 1:1 umgesetzt?

Aus Sicht der IK werden die gesetzlichen Anforderungen zur Migrationsvermeidung von den IK-Mitgliedsfirmen sehr gut umgesetzt. Dabei gehen die Kundenanforderungen übrigens häufig weit über die gesetzlichen Vorgaben hinaus.

Ein anderes Kernthema ist das Recycling. Die Kreislaufwirtschaft von Kunststoffverpackungen funktioniert ja nicht so wirklich, man muss sich nur einmal die Vermüllung der Meere anschauen …

Für Deutschland stimmt das so nicht. Wir verfügen über ein in der Welt beispielloses Kreislaufsystem, das durch das aktuell verabschiedete Verpackungsgesetz noch einmal gepusht wird. Hat eine Kunststoffverpackung in Deutschland ihren Zweck erfüllt, landet sie sehr wahrscheinlich im gelben Sack beziehungsweise in der gelben Tonne. Die Sammel- und Verwertungsquoten sind hoch, weil die meisten Bürger mitmachen. In unseren Gewässern finden sich Verpackungen meist dann, wenn verantwortungslose Nutzer sie nach dem Gebrauch achtlos wegwerfen. Schließlich springen Verpackungen nicht alleine ins Meer. Gegen bequemes und umweltschädigendes Verhalten Einzelner kommt leider auch das beste Entsorgungssystem nicht an. Das ist schade. Hier müssen wir die Verbraucher weiter aufklären. Denn eines ist klar: Kunststoff gehört nicht ins Meer oder in die Natur. Dennoch finden sich dort sehr große Mengen, die vor allem durch die asiatischen Länder eingetragen werden. Da Müll eine globale Herausforderung ist, sind weltumspannende Anstrengungen erforderlich. Hier engagiert sich die Kunststoffindustrie bereits.

Frau Hancker, in einem aktuellen Positionspapier äußert sich die IK kritisch gegenüber oxo-abbaubaren Kunststoffen. Worum geht es da genau?

Die IK möchte mit den wesentlichen Fakten zur Versachlichung der Diskussion beitragen. So weisen wir beispielsweise darauf hin, dass „oxo-abbaubare Kunststoffe“ die Anforderungen an eine vollständige biologische Abbaubarkeit nicht erfüllen. Vielmehr handelt es sich um eine Fragmentierung der Kunststoffe zu sichtbaren oder unsichtbaren Kunststoffstückchen. Vor allem Endverbraucher werden durch die Verwendung des Begriffs zu Werbezwecken in die Irre geführt. Darüber hinaus machen wir darauf aufmerksam, dass die Fragmentierung von Produkten aus „oxo-abbaubaren Kunststoffen“ das aktuelle Problem des Eintrags von „Microplastics“ in Gewässer und Meere verschärfen kann. Auch wird das Recycling durch „oxo-abbaubare“ Kunststoffe beeinträchtigt.

Was unternimmt der IK-Arbeitskreis Bioplastics gegen den zunehmenden Eintrag von Kunststoffen in Gewässer und Meere? Unternimmt er überhaupt etwas dagegen?

Kunststoffverpackungen gehören nicht ins Meer und in die Umwelt. Die IK und ihre Mitglieder engagieren sich mit verschiedenen Maßnahmen für den Schutz der Meere. Neben der permanenten wichtigen Aufklärungsarbeit, dass Kunststoffverpackungen nicht ins Meer, sondern in die Sammlung gehören, und der Teilnahme beispielsweise am runden Tisch Meeresmüll des Bundesumweltamtes ist auch das Projekt „Null Granulatverlust“ eine wichtige Initiative der Kunststoffverpackungsindustrie für den Gewässerschutz.

Biokunststoffen, genauer gesagt, biologisch abbaubaren Verpackungen aus Kunststoff, wird seit Jahren ein „großer Markt“ vorhergesagt. Bei einem Anteil am deutschen Kunststoffverpackungsmarkt von unter 1 % aber doch eher eine Augenwischerei, oder?

Biokunststoff heißt nicht nur bioabbaubar, sondern auch biobasiert. Dabei geht der Trend eindeutig zu biobasiert. Aber in der Tat ist der Markt für biobasierte Kunststoffe noch nicht groß, doch er wächst mit hoher Geschwindigkeit. Bisher kommen biobasierte Kunststoffe bei frischen Obst- und Gemüseprodukten zum Einsatz. Mehr und mehr werden auch Schalen aus Biokunststoffen als Verpackung von Süßwaren, Salaten oder Fleisch verwendet. Gemeinsam mit unserem französischen Partnerverband Elipso unterstützen wir den Einsatz von biobasierten Kunststoffen, nicht zuletzt, da sich den Verarbeitern hier ein breites Spektrum an Innovationen bietet, allerdings zurzeit noch als Option für die Zukunft. Denn gegenwärtig benötigt man Nahrungsmittel, wie zum Beispiel Mais oder Zuckerrohr, und bei der Produktion der Pflanzen wird viel Wasser und Düngemittel verbraucht. Aktuell zeigt sich beim Vergleich der Biokunststoffe mit herkömmlichen Kunststoffen aus Erdöl, dass die Umweltbelastung durch die Biokunststoffe zum Teil höher ist. Außerdem muss man wie beim Biodiesel die Frage stellen, ob es wirklich sinnvoll ist, in Brasilien den Regenwald für Plantagen zu roden, um aus Zuckerrohr Biokunststoff zu gewinnen. In Zukunft will man für die Herstellung von Biokunststoffen natürliche Abfälle verwenden und damit auf Nahrungsmittel verzichten.

Stichwort Gefahrgutverpackungen: Etwa ein Drittel des Verbrauchs von Kunststoffverpackungen entfällt auf Transport- und Industrieverpackungen – ein sehr hoher Anteil gegenüber anderen europäischen Ländern. Sind die Beziehungen zum ICPP so eng, weil wir in so hohem Maße von gut funktionierender Exporttätigkeit abhängen?

Die IK führte das ICPP-Sekretariat, da wir einen hohen Anteil an Gefahrgutverpackungen vertreten und über das entsprechende Know-how verfügen. Die exportorientierte abfüllende und abpackende Industrie in Deutschland, insbesondere die chemische Industrie, ist Großverbraucher von Transport- und Industrieverpackungen. Gefahrgutverpackungen sind hier ein wichtiges Teilelement. Oder um die Frage einfach zu beantworten: Ja, die starke Stellung der Gefahrgutverpackungen ist eine Folge der starken Stellung der deutschen chemischen Industrie.Sehr geehrte Frau Hancker, herzlichen Dank für das Interview!

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