Hochregallager

Amica baut höchstes Lager in Polen

| Redakteur: Bernd Maienschein

Die neuen Regalbediengeräte „MTwin“ im Hochregallager von Amica sind 45 m hoch und verfügen über jeweils zwei Lastaufnahmemittel für die zweifachtiefe Lagerung.
Die neuen Regalbediengeräte „MTwin“ im Hochregallager von Amica sind 45 m hoch und verfügen über jeweils zwei Lastaufnahmemittel für die zweifachtiefe Lagerung. (Bild: MLOG Logistics)

In Wronki hat der Hausgerätehersteller Amica S.A. zusammen mit Kardex Mlog das höchste Hochregallager in Polen in Betrieb genommen – zugleich eines der größten seiner Art in ganz Europa. Im Zentrum der Anlage stehen fünf doppelsäulige „MTwin“-Regalbediengeräte mit zweifachem, doppelttiefem Lastaufnahmemittel und einer Höhe von über 45 m.

Polen ist mit großem Abstand der bedeutendste Produktionsstandort für weiße Ware in Europa. Praktisch jeder namhafte nationale und internationale Hersteller betreibt dort eigene Werke. Fast die gesamte Produktion geht in den Export. Hauptabnehmer mit knapp 25 % der Nachfrage ist Deutschland, dann folgen Großbritannien, Frankreich, Italien und Schweden. Die Produktionsbänder der 30 spezialisierten polnischen Fabriken verlassen jedes Jahr etwa 15 Mio. Waschmaschinen, Geschirrspüler, Kühlschränke und Elektroherde. Hinzu kommen Kleingeräte wie Mixer, Mikrowellen oder Wasserkocher, die von hier aus ihren Weg in die Küchen und Hauswirtschaftsräume Europas finden.

Produktion und Lagerkapazität gehen hoch

Besonders der inländische Marktführer Amica, 1945 gegründet und heute eines der größten an der Warschauer Börse gelisteten Unternehmen, wendete in den letzten Jahren erhebliche Mittel für die Ausweitung der Produktions- und Lagerkapazitäten auf. Das Unternehmen ist nicht nur auf dem heimischen Markt eine Größe – ein Gerät von Amica steht in mehr als der Hälfte der polnischen Haushalte –, sondern in mittlerweile über 50 Ländern der Welt aktiv. In den besonders wichtigen Exportmärkten werden die Geräte unter den Markennamen Amica, GRAM, Hansa und CDA vor allem über Elektro- und Baumärkte vertrieben. Die gesamte Gruppe beschäftigt über 3000 Mitarbeiter.

Angesichts der dynamischen Erhöhung von Produktions- und Vertriebskapazitäten investierte Amica nun in die Erweiterung der Produktions- und Lageranlagen am Hauptsitz in Wronki in der Nähe von Posen.

Rund 230.000 Elektrogeräte im Zugriff

Rund 60 Mio. polnische Zloty (etwa 14 Mio. Euro) investierte Amica in das neue, vollautomatische Hochregallager, das Anfang September dieses Jahres eröffnet und in Betrieb genommen wurde. Im dem fünfgassigen Lager mit einer Länge von 136 m und 44 m Breite verteilen sich 25.760 Palettenstellplätze. Es verfügt über Lagerkapazitäten für rund 230.000 Elektrogeräte.

Offizielle Einweihung der neuen AMICA-Anlage.
Offizielle Einweihung der neuen AMICA-Anlage. (Bild: MLOG Logistics)

Hier werden sowohl Großprodukte – Einbauherde, Waschmaschinen, Geschirrspüler, Wäschstrockner – als auch Kleinprodukte, wie Kochfelder oder Dunstabzugshauben, gelagert. Das Werksgelände mit dem gut sichtbaren neuen AMICA-Wahrzeichen steht aber auch sinnbildlich für die erheblichen Investitionen des Unternehmens in den Standort.

Dimensionen ohne Qualitätseinbußen

So außergewöhnlich hoch die verbauten Regalbediengeräte auch sein mögen, so kurz waren die Entscheidungswege. Amica führte das Projekt in Eigenregie ohne Generalunternehmer durch. So fiel die Entscheidung für Kardex Mlog als Lieferant der RBG inklusive Software binnen weniger Wochen. Einer Delegation des Auftraggebers, die eigentlich den Regalstahlbau im Lager eines namhaften schwäbischen Unternehmens in Augenschein nehmen wollte, waren die dort eingesetzten Regalbediengeräte aufgefallen – nicht zuletzt aufgrund ihrer Dimensionen mit knapp 43 m Höhe.

Die Delegation erkannte gleich die sich daraus ergebenden Möglichkeiten für die Erweiterung des Logistikzentrums in Wronki. Nicht viele Hersteller haben Geräte dieser Größenordnung überhaupt in ihrem technologischen Portfolio. Kardex Mlog entwickelt und fertigt die Regalbediengeräte komplett im eigenen Werk in Süddeutschland und kann daher auch „die Dimensionen ohne Qualitätseinbußen skalieren“, wie Hartmut Schaffroth, Konstruktions- und Fertigungsleiter von Kardex Mlog, berichtet.

Zweimal 550 kg – zweifachtief

Nachdem auch der deutsche Betreiber der Regalbediengeräte den Delegierten von Amica seine positiven Erfahrungen schilderte, erhielt Kardex Mlog bereits zwei Monate später den Auftrag aus Polen über die Lieferung und den Bau von mindestens fünf Geräten des Typs „MTwin“ mit einer Höhe von 45,2 m – für Kardex Mlog ein Rekord. Darüber hinaus gehörten die Palettenfördertechnik sowie die Materialflusssteuerung und das Lagerverwaltungssystem zum Lieferumfang.

Das Amica-Lager im polnischen Wronki ist das größte seiner Art in Europa.
Das Amica-Lager im polnischen Wronki ist das größte seiner Art in Europa. (Bild: MLOG Logistics)

Die RBG verfügen über jeweils zwei Lastaufnahmemittel mit einer Traglast von 2 × 550 kg für die zweifachtiefe Lagerung – eine Kombination, die nur mit einem zweisäuligen Gerät wie dem „MTwin“ möglich ist. Durch dieses Konstruktionsprinzip kann die Ein- und Auslagerung ebenso effizient wie raumsparend erfolgen. Großprodukte, wie zum Beispiel Einbauherde, werden als lose Pakete mit vier, acht oder zwölf Produkten auf Paletten bewegt. Kleinprodukte, wie Kochfelder, Dunstabzugshauben oder Ersatzteile, können in Stapeln mit von über zehn bis zu einigen Dutzend Stück gepackt werden; vorausgesetzt, dass die begrenzenden äußeren Abmessungen der Ladung eingehalten werden.

Hohe Systemleistung pro Stunde

Bei Spielzahlen von circa 18 Kombinationen pro RBG, bei denen die Paletten ein- und ausgelagert werden, ergibt sich damit eine hohe Systemleistung von 160 Paletten (Auslagerung) und 120 Paletten (Einlagerung) pro Stunde. Die Steuerung der RBG erfolgt über den Materialflussrechner und die Lagerverwaltung im Kardex Mlog Control Center (MCC) mit Anbindung an das unternehmensseitige SAP. Der über SAP zur Verfügung gestellte Artikelstamm wird im MCC um interne Eigenschaften erweitert und für die Steuerung des Materialflusses angepasst. Die Anbindung erfolgt unter anderem über die Schnittstelle LE-IDW (Integration of a Decentralized Warehouse Management System). Zusätzlich zum automatischen Lager wurden noch manuelle Regallager und Blockbereiche in der Kommissionierung und Verladung in den Rechner integriert.

Weitere Beiträge des Unternehmens:

MLOG Logistics

* Weitere Informationen: MLOG Logistics GmbH, 74196 Neuenstadt am Kocher, Tel. (0 71 39) 48 93-5 36, presse.mlog@kardex.com

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