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Plattformstrategie/Automobillogistik Beim neuen Golf setzt VW auf Lego und Logistik

| Redakteur: Robert Weber

Vor gut drei Wochen präsentierte Volkswagen (VW) seinen neuen Golf. Die siebte Generation muss erfolgreich sein, denn der Kompaktwagen ist eines der wichtigsten Produkte der Wolfsburger Autobauer. Deshalb haben sich die Niedersachsen auch bei der Produktion neue Prozesse einfallen lassen.

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Generation eins trifft Generation sieben: Der Golf hat sich über die Jahre verändert und mit ihm auch die Produktions- und Logistikprozesse in den Autofabriken.
Generation eins trifft Generation sieben: Der Golf hat sich über die Jahre verändert und mit ihm auch die Produktions- und Logistikprozesse in den Autofabriken.
(Bilder: Volkswagen)

Blitzlichtgewitter, Lasershow und Sperrfristen – die Präsentation des neuen Golf VII war minutiös geplant. Die Bildzeitung widmete dem Volkswagen sogar einen Live-Stream, in dem die Redakteure des Boulevardblatts über Promis, Pferdestärken und Pkw-Träume berichteten. Kurz vor 21:30 Uhr lüftete dann VW-Vorstandsvorsitzender Martin Winterkorn den Vorhang für den VW-Golf. Die Fotografen stürzten gen Bühne, um die ersten Golf-Bilder zu knipsen und die schreibenden Journalisten nahmen sich des Designs, der Ausstattung und vor allem des Preises an. In vielen Tageszeitung fuhr der neue VW-Golf am nächsten Tag auf die erste Seite.

Die Show in Berlin kam nicht von ungefähr: Für VW zählt der Golf zu den wichtigsten Produkten – nicht nur aus Vertriebssicht, sondern auch technologisch und logistisch. Denn der Autobauer forciert mit der neuen Generation das Produktionskonzept vom modularen Querbaukasten (MQB).

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Modular, Plattform oder Lean Development?

Der MQB ersetzt auch in Teilen die alte Plattformstrategie des Konzerns. Diese beruhte auf Gleichteilen (COP, Carry Over Parts), die in allen Modellen einer Plattform eingebaut wurden. Auch der Golf zählte zusammen mit dem Audi A3, dem Seat Ibiza oder dem New Beetle von Volkswagen zu einer Plattform. Die Idee damals: Durch das Plattformdenken ist die Teilevarianz und damit Komplexität in der Logistik eingeschränkt. „Daraus lässt sich eine mathematische Gleichung bilden: (PQ1 × x Varianten) + (PQ2 × y Varianten) + (PQ3 × z Varianten) = die gesamte Variantenvielfalt“, erklärt ein ehemaliger Automanager, der nicht genannt werden will.

Lego lässt grüßen

Er behauptet: „Mit dem MQB wird die Komplexität in erster Linie größer, denn jede Baugruppe (Heck, Triebsatz, Motor, Getriebe, Innenraum und weitere) soll rein theoretisch mit jeder anderen Baugruppe des MQB kombinierbar sein.“

Lego lässt grüßen. Das Ziel von Volkswagen ist es, durch die Kombination aller Baugruppen im Querbaukasten mit allen anderen Baugruppen alle möglichen Nischenfahrzeuge für den Markt zu produzieren, mit extrem geringen Entwicklungskosten und einer viel schnelleren Time-to-Market sowohl in der Produktion als auch in der Entwicklung, sind Experten überzeugt. „Man könnte die Strategie auch Lean Development nennen“, meint der Autoexperte.

Bei Audi arbeiten die Werker bereits mit dem modularen Querbaukasten

Bei Volkswagen schweigt man sich über den MQB weitgehend aus. Der Redaktion von MM Logistik wurden mehrmals Material und Interviewpartner zugesichert, aber bis zum Redaktionsschluss gab es keine konkreten Aussagen aus Wolfsburg. Man sei mit der Markteinführung des Golf mit sehr vielen Presseanfragen konfrontiert, erklärte ein Sprecher.

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