Live vom Deutschen Logistik-Kongress 2016

Digitalisierung braucht Offenheit!

| Autor: Benedikt Hofmann

Oliver Zipse, Mitglied des Vorstands von BMW: „Insgesamt benötigen wir in der Smart Factory offene Schnittstellen, um eine ungestörte Kommunikation gewährleisten zu können.“
Oliver Zipse, Mitglied des Vorstands von BMW: „Insgesamt benötigen wir in der Smart Factory offene Schnittstellen, um eine ungestörte Kommunikation gewährleisten zu können.“ (Bild: Hofmann/MM LOGISTIK)

Der 33. Deutsche Logistik-Kongress (DLK) ist eröffnet und eines wurde in Berlin gleich in den ersten Vorträgen klar: Die Digitalisierung wird das bestimmende Thema sein. Einig waren sich die Redner auch in ihren Forderungen an Logistik und Industrie. Dabei betonten sie vor allem die Bedeutung offener Schnittstellen und Standards für das Gelingen der Digitalisierung in Deutschland.

In seiner Eröffnungsrede verglich Prof. Raimund Klinkner, Vorsitzender des Vorstands der Bundesvereinigung Logistik (BVL) und damit des Veranstalters des DLK, die derzeitigen Herausforderungen mit der Zeit der Deutschen Einheit. Auch hier brauchte man Mut, Ideen und Gestaltungskraft, um den Wandel zu gestalten. Wie damals käme Berlin auch vor dem Hintergrund der Digitalisierung eine besondere Rolle zu, da sich die Stadt zu einem internationalen Zentrum der Start-up-Szene entwickelt hat. „Die Organisation von Wertschöpfung in dynamischen Netzwerken verändert den Wettbewerb maßgeblich“, so Klinkner. „Und einen digitalen Zugang zum Kunden hat nur, wer die Regeln des digitalen Marktes versteht.“ Abschließend rief er die Teilnehmer des Kongresses zum Austausch auf, um den Herausforderungen der Zukunft gemeinsam begegnen zu können.

Auch Michael Ziesemer, Präsident des Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V. (ZVEI), griff das Motto der Veranstaltung „den Wandel gestalten“ auf und stellte fest, dass nur wer nicht von der Digitalisierung überwältigt wird, diesen Wandel gestalten kann. „Industrie 4.0 bedeutet nicht Automatisierung in der Fabrik, hier sind wir schon sehr weit“ erklärte Ziesemer. „Es geht jetzt um die Digitalisierung ganzer Wertschöpfungsketten über die Grenzen von Unternehmen und Ländern hinweg. Dabei kommt der Logistik eine Schlüsselrolle zu.“ Auch den Mittelstand sieht er als wichtigen Treiber für den aktuellen Wandel, da gerade hier aktiv auf Veränderung gesetzt wird. Dass es immer noch Unternehmen gibt, die denken, dass die Digitalisierung sie nichts angeht, sieht er allerdings als Problem. Hier müsse man sich ein Beispiel an den USA nehmen, wo es heißt: „Was digitalisiert werden kann, wird auch digitalisiert.“ Als Beispiele für diese Entwicklung nannte er Uber und Airbnb. Außerdem sei es wichtig, so Ziesemer, die Menschen auf diesem Weg, der nicht nur mit „digitals natives“ beschritten werden kann, sondern für den auch die erfahrenen Kräfte benötigt werden, mitzunehmen. Hier komme es auch auf eine gezielte Weiterbildung der Mitarbeiter an. „Es geht nicht um Mensch oder Maschine, sondern um Mensch mit Maschine“, so Ziesemer. Er nahm aber auch die Politik in die Pflicht und führte beispielsweise die noch immer zu geringe Verfügbarkeit von schnellem Internet in Deutschland als Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung an. Außerdem müsse in Europa ein digitaler Binnenmarkt geschaffen werden.

Oliver Zipse, Mitglied des Vorstands bei BMW, stellte zunächst die enorme Bedeutung der Logistik für ein modernes, produzierendes Unternehmen heraus. Um die Prozessexzellenz hier noch weiter zu erhöhen, kommt es ihm zufolge besonders auf die Verfolgbarkeit der Teile in der Lieferkette an. Als Zukunftsvision für seinen Bereich führte er eine komplett dezentrale Produktion an, in der alle Schritte von den Teilen selbst angestoßen werden. Aus dem Bereich der Logistik ging er unter anderem auf verschiedene Projekte mit selbstfahrenden Transportsystemen ein, mit denen sich BMW derzeit beschäftigt. „Da kein Hersteller hier jede Art von Fahrzeug liefern kann, wird es zukünftig besonders wichtig sein, dass die verschiedenen Systeme herstellerunabhängig miteinander kommunizieren können,“ erklärte Zipse. „Insgesamt benötigen wir in der Smart Factory offene Schnittstellen, um eine ungestörte Kommunikation gewährleisten zu können.“ Das Ziel seines Unternehmens sei eine durchgängige Transparenz in der gesamten Supply Chain. Hierfür, so Zipse, ist die Logistik der Key-enabler.

Auch Joachim Drees, CEO von MAN, stellte die herstellerunabhängige Vernetzung von Systemen, in diesem Fall Lkw, in den Mittelpunkt seines Vortrags. Das sei gerade auch in seinem Bereich wichtig, da kaum eine Spedition oder ein Unternehmen über Fahrzeuge nur eines Herstellers verfüge. „Logistik 4.0 kann aber nur dann funktionieren, wenn alle Daten einfließen“, stellte Drees klar. Auch deshalb sei sein Unternehmen einer der Hauptantreiber der neuen Marke RIO von Volkswagen Truck & Bus gewesen. In dieser Plattform können Drees zufolge markenübergreifend alle Daten einer Flotte zusammengeführt werden: „Wir nehmen die übergreifende Vernetzung ernst und wollen das Silodenken beenden.“

Als Abschlussredner der Auftaktveranstaltung sprach Hans Christian Schmidt, Dänemarks Minister für Transport und Bau, über die Zukunftsperspektiven der Zusammenarbeit von Deutschland und Dänemark. Dabei hob er vor allem den Fehmarnbelttunnel hervor, der den Verkehr zwischen den beiden Ländern grundlegend verändern soll.

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