Suchen

Letzte Meile E-Commerce-Boom lässt Logistikimmobilien in die Höhe wachsen

Autor / Redakteur: Marius Schenkelberg / Sebastian Hofmann

Dass Bürogebäude und Hotels buchstäblich in den Himmel wachsen, ist seit Jahrzehnten gang und gäbe. Bei Logistikimmobilien haben Entwickler vom vertikalen Bau jedoch bislang eher abgesehen – jedenfalls in Deutschland. Doch das könnte sich zeitnah ändern. Dem E-Commerce sei Dank.

Firmen zum Thema

An Standorten wie Stuttgart und München könnten künftig vemehrt merhstöckige Logistikimmobilien entstehen. Der Grund: Hier gibt es eine beständig hohe Nachfrage an Industrieflächen und extreme Grundstückpreise.
An Standorten wie Stuttgart und München könnten künftig vemehrt merhstöckige Logistikimmobilien entstehen. Der Grund: Hier gibt es eine beständig hohe Nachfrage an Industrieflächen und extreme Grundstückpreise.
(Bild: ©Alexander Kazhdan - stock.adobe.com)

Noch vor wenigen Jahren warben Onlineversandhändler damit, die Bestellung innerhalb von nur zwei Tagen an den Kunden zu liefern. Für viele Konsumenten ist dieser Zeitraum heutzutage ein Grund, den Anbieter beziehungsweise den Shop zu wechseln. Auslieferungen am Tag der Bestellung oder sogar innerhalb einer Stunde sind gefragt. Wie weitreichend diese Forderung und das entsprechende Angebot der Versandhändler gehen, ist vor allem an den Entwicklungen in der Logistik abzulesen, da diese Art der Last-Mile-Delivery ein Distributionszentrum in der Nähe von zentralen Vorstadtgebieten voraussetzt. Der E-Commerce-Boom erfordert neue Logistikimmobilien in Innenstädten und innenstadtnahen Gebieten. Doch hier sind die Flächen knapp. Die Folge: Es geht in die Höhe. Im Vergleich zum flächenintensiven Bauen in die Breite haben vertikale Lösungen für Unternehmen Vorteile, angefangen bei geringeren anteiligen Grundstückskosten bis zu niedrigeren Transportkosten, da sich die Bauten nun in zentraler Lage befinden.

Nach Meinung vieler Experten werden sich auf dem europäischen Lager- und Logistikmarkt zwei Konstruktionsweisen für vertikale Flächen durchsetzen: Hochregallager und mehrstöckige Logistikzentren. In Asien ist diese Bauweise längst etabliert. Schließlich sind Grund und Boden in Metropolen wie Tokio, Schanghai und Hongkong knapp und dementsprechend teuer. Logistikzentren in die Breite zu bauen, ist hier schlicht unwirtschaftlich. Das höchste Logistikgebäude der Welt steht in Hongkong. In dem vom Logistikkonzern Goodman entwickelten Objekt im Hafenviertel Tsing Yi verteilen sich mehr als 200.000 m² auf 24 Etagen.

Die letzte Meile boomt in Übersee

Vertikale Immobilien für die Industrie sind mittlerweile sehr gefragt. Einen weiteren Beleg finden wir auf der anderen Seite der Erde. In Sydney boomt der E-Commerce und mit ihm steigt die Nachfrage nach kreativen Lösungen für die letzte Meile. Last-Mile-Delivery ist das Stichwort. Allerdings hat auch in der australischen Metropole die zunehmende Urbanisierung zu einem begrenzten Angebot an großen Lagerflächen geführt. Dies hatte zur Folge, dass Entwickler von Logistikimmobilien vermehrt vertikal denken. Ein Beispiel ist das Gebäude „The Hive“ in Lane Cove am unteren Nordufer von Sydney.

In diesem Video stellt Colliers International „The Hive“ in Lane Cove vor!

„Hive“ bedeutet Bienenstock und spielt auf die schwarz-gelbe Farbe der Immobilie und eine wabenähnliche Struktur an. Private Entwickler werden den Industriekomplex als strategisch günstigen Standort vor allem für aufstrebende, kleinere Unternehmen anbieten. Dieser vertikale, in Schichten errichtete Komplex wird 86 industriellen Einheiten Platz bieten, inklusive Terrassen, Keller und modernen „Mancave“-Einrichtungen (engl.: Männerhöhle). „The Hive“ soll in erster Linie die zunehmende Nachfrage nach Warehouses und Lagereinrichtungen von kleinen Unternehmen bedienen, die einen Standort in der Nähe günstig gelegener Verkehrsnetze benötigen. Daher sprechen Konzepte wie „The Hive“ auch auf E-Commerce spezialisierte Einzelhändler, Logistikunternehmen, Hightech-Unternehmen und innovative Start-ups an. Das Lane-Cove-Gebäude in der Sirius Road wird voraussichtlich der erste von mehreren „Bienenstöcken“ sein, die sich im ganzen Stadtgebiet ausbreiten werden.

Der Bienenstock als Vorbild – auch für Deutschland?

Christof Prange, Head of Business Development beim Immobilienkonzern Goodman Germany GmbH, erklärt, die Goodman Unternehmensgruppe treibe das „Vertical Warehousing“ in großen Städten bzw. Metropolen stetig voran. Goodman hat dazu das „Urban Renewal Program“ ins Leben gerufen: „Wir registrieren in den letzten Jahren eine außergewöhnlich hohe Nachfrage nach Industrieflächen und es sieht nicht danach aus, als würde dieser Boom in nächster Zeit abflauen – im Gegenteil“, so Prange. „Der E-Commerce spielt dabei eine wesentliche Rolle, da er die Nachfrage nach zentralen Lagerstandorten, effizientem Transport und moderner Logistik im Allgemeinen angekurbelt hat. Unser Urban Renewal Program trifft daher den Nerv der Zeit.“

Mehr als 200.000 m² auf 24 Etagen – das höchste Logistikgebäude der Welt steht im Hafenviertel von Hongkong.
Mehr als 200.000 m² auf 24 Etagen – das höchste Logistikgebäude der Welt steht im Hafenviertel von Hongkong.
(Bild: Goodman)

Generell gilt: Je höher der Grundstückspreis und je größer der Flächenbedarf, desto eher lohnen sich mehrstöckige Logistikimmobilien. Auch in Deutschland. Goodman prüft stetig die Möglichkeit der Entwicklung mehrstöckiger Gebäude. Jedoch werden diese nach Einschätzung der Experten nur in wenigen deutschen Großstädten, wie München oder Stuttgart, entstehen. Diese Standorte zeichnen sich durch eine beständig hohe Nachfrage nach Industrieflächen und – ähnlich wie in Übersee – extreme Grundstückspreise aus. Fakt ist aber auch: Die Bautätigkeit ist angesichts des hohen Flächenbedarfs auf einem Allzeithoch. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Logistik und die letzte Meile seit Jahren kontinuierlich an.

Bautätigkeit: wenig zentrumsnahe Objekte

Stehen genügend Flächen für den steigenden Bedarf zur Verfügung? Auf den ersten Blick ja, denn es werden immer noch zahlreiche großvolumige Objekte realisiert, die explizit auf E-Commerce und schlussendlich auf die letzte Meile fokussieren. Unter anderem entstehen weiterhin umfangreiche State-of-the-Art-Fulfilmentcenter, die zur Versorgung der Bevölkerung mit E-Commerce-Gütern dienen. Sie liegen aber allesamt am Rand von Innenstädten beziehungsweise Metropolen an verkehrsgünstigen Standorten und werden aufgrund ihrer Dimensionierung in der Regel auf Greenfields errichtet. Sie sind daher symptomatisch für die Bautätigkeit der vergangenen zehn bis 15 Jahre. Denn analysiert man die Projekte, die von den größten Entwicklern in den letzten Jahren realisiert wurden, ist erkennbar, dass kaum kleine Objekte oder zentrumsnahe Immobilien umgesetzt wurden. Wird in den Städten gebaut, dann nahezu ausschließlich großflächig in innerstädtischen Industriegebieten wie zum Beispiel in Hamburg-Billbrook. Ob der weltweit aufkeimende Trend zu mehrgeschossigen, innerstädtischen Logistikzentren sich auch in Deutschland durchsetzen wird, ist noch nicht deutlich vorhersehbar – aber wahrscheinlich. Das kontinuierliche Wachstum im E-Commerce-Bereich wird weiter voranschreiten und mit ihm die Nachfrage nach Lager- und Logistikflächen. Es geht also aufwärts – in mehrfacher Hinsicht.

Hier gibt's weitere Beiträge zu Goodman Germany!

* Marius Schenkelberg ist Fachjournalist mit Sitz in 56410 Montabaur, Tel. (0 26 02) 9 50 99 - 0, ms@additiv-pr.de

(ID:45120669)