Nachfragevorhersage Extreme Komplexität in der Supply Chain meistern

Autor / Redakteur: Enrico Casalino / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Franke ist ein führender Anbieter für Küchen- und Badausstattungen. Das Unternehmen wurde 1911 von Hermann Franke in Rorschach, einer kleinen Stadt im schweizerischen Kanton St. Gallen, gegründet und entwickelte sich von einem lokalen Handwerksbetrieb zu einem globalen Pionier mit 9.000 Mitarbeitern in 40 Ländern.

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„Make your kitchen the most wonderful place“ ist der Leitspruch von Franke. Das erfordert eine große Artikelvielfalt, auch für Ersatzteile und Reparaturen.
„Make your kitchen the most wonderful place“ ist der Leitspruch von Franke. Das erfordert eine große Artikelvielfalt, auch für Ersatzteile und Reparaturen.
(Bild: Franke)

Das enorme Wachstum des Unternehmens führte zu einem sehr komplexen Supply-Chain-Netzwerk. Die beiden Divisionen Franke Kitchen Systems und Franke Water Systems umfassten 42 Standorte (zwölf davon Produktionsstätten) mit vier Lagerstufen, die 146 Märkte und mehr als 125.000 Stock-Keeping Units (SKU) bedienten, was in etwa 1,4 Mio. SKU entspricht. 17 verschiedene ERP-Systeme waren im Einsatz.

Die Datenstrukturen und Planungsprozesse waren vielfältig. Franke hatte bereits SAP als Material-Stammdatenbank für alle Standorte eingeführt. Allerdings wurde weder das System für die Nachfrageprognose und -planung verändert noch wurden diese Prozesse integriert. Dies stellte angesichts der Komplexität des Supply-Chain-Netzwerks eine große Herausforderung dar.

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Der nächste Schritt in der Überarbeitung des Supply-Chain-Netzwerks bestand daher darin, globale Geschäftsziele zu definieren, um das Nachfrageprognose- und Planungssystem auf die nächste Stufe zu bringen. Da das selbst entwickelte Tool keine End-to-End-Lösung bot, suchte man nach einer kommerziellen Software, die die Prognoseergebnisse in einem Multi-Echelon-Umfeld schnell verbessern konnte. Außerdem mussten die Bestandsoptimierung und der Warennachschub an den Standorten unterstützt werden, an denen SAP nicht verfügbar war. Die gesuchte Lösung sollte in der Lage sein, unterschiedliche Kalender über das Netzwerk hinweg zu berücksichtigen. Natürlich war eine starke SAP-Integration ein absolutes Muss.

Ein komplexes Supply-Chain-Netzwerk und nur zwei globale Planer

Während der Evaluierungsphase hat das Supply-Chain-Team eine lange Liste von Tools zur Bewertung zusammengestellt. Nach einer harten Auswahlphase mit mehreren Workshops hat sich Franke für den „Service Optimizer 99+“ („SO99+“) von Tools Group entschieden, der als klarer Sieger überzeugte. Franke hat ein sehr komplexes Supply-Chain-Netzwerk, aber nur zwei Personen aus dem globalen Team, die an dem Projekt arbeiten. Bis auf Tools Group erforderten alle anderen Lösungen doppelt bis dreimal so viel Aufwand und Ressourcen, wie sie zur Verfügung standen. Niemand hätte gedacht, dass es möglich sein würde, diese Komplexität mit nur zwei Personen zu bewältigen.

Auch der probabilistische Vorhersageansatz von Tools Group spielt eine große Rolle. Mit anderen Tools konnte Franke nur eine Durchschnittsprognose erstellen. Die anderen Lösungen erforderten zudem, dass die Algorithmen für verschiedene Aufgaben manuell ausgewählt werden mussten – angesichts der Millionen SKU-Marktkombinationen eine Unmöglichkeit. Nur der „SO99+“-Algorithmus von Tools Group entscheidet automatisch, was am besten zu den Bedürfnissen von Franke passt.

Ein weiterer Grund für die Entscheidung ist Tools Groups Demand Collaboration Hub (DCH), eine webbasierte Konsensus-Prognoseplattform, die Bedarfs- und Prognosedaten aus verschiedenen Quellen zusammenführt und den Prognoseplanungsprozess über verschiedene Standorte hinweg realisiert.

Die professionelle Unterstützung durch das Tools-Group-Team während der Evaluierung und die Tatsache, dass die Lösung kostengünstig war, stellten weitere Pluspunkte für „SO99+“ dar.

Die neue Lösung war nach drei Monaten im Einsatz

Heute nutzt Franke „SO99+“ für Nachfragevorhersage und -planung, mehrstufige Bestandsoptimierung und Warennachschub reibungslos zusammen mit SAP ERP 6.0. Um das zu ermöglichen, hat Tools Group die Logik beider Systeme aufeinander abgestimmt, einschließlich der Definition eines Datenvalidierungs- und Datenlieferprozesses.

„SO99+“ ist also das führende System für die Nachfragevorhersage und -planung geworden. Es gilt auch für große Teile der Bestandsplanung und für Warennachschubszenarien. Gewisse Planungsvorgaben und -logiken werden aber weiterhin führend in SAP definiert. Von der Implementierung bis zur ersten Vorhersage hat Franke nur drei Monate gebraucht. Das Projekt wird auf globaler Ebene von zwei Personen geleitet, wobei eine Person 50 Prozent und die andere 70 Prozent ihrer Zeit einbringt. Auf lokaler Ebene arbeiten im gesamten Unternehmen etwa 100 Planer via DCH am Nachfrageplanungs- und -vorhersageprozess zusammen.

In diesem Prozess liefert „SO99+“ die Basisprognose an das Demand Collaboration Hub (DCH). „SO99+“ generiert Statistiken, wobei die unterschiedlichen Datenquellen entsprechend dem Grad ihrer Genauigkeit gewichtet werden. Die DCH-Anwender im Unternehmen arbeiten parallel, um ihre Marktkenntnisse in den Prognoseprozess einzubringen.

Der DCH-Ansatz von Tools Group gibt Franke einen Einblick in den Planungs- und Vorhersageprozess, der mit dem alten Tool unmöglich war. Das lokale Vertriebsteam kann mit seinem Markt-Know-how einen Beitrag leisten, aber die Kontrolle und die endgültige Abnahme verbleiben beim globalen Demand Planning Team.

Zuverlässige Prognosen mit weniger Aufwand

Die Integration von „SO99+“ mit SAP ERP war sehr positiv. Am wichtigsten war, dass man die zu Beginn des Projekts gesetzten Vorhersageziele erreichen konnten. Franke erhält zuverlässige Prognosen aus allen Märkten, kann via DCH die Prognose effizient über zwei Echelons verteilen und ist nun zuversichtlich, dass sich Bestandsoptimierung und Warennachschub deutlich verbessern. Bisher konnten dank „SO99+“ folgende Verbesserungen beobachtet werden:

  • eine deutlich verbesserte Stabilität des Vorhersageprozesses,
  • ein deutlich verkürzter Zeitaufwand für die Durchführung von Vorhersagen und Bedarfsplanungen (circa 50 Prozent),
  • eine erhöhte Prognosegenauigkeit (Reduzierung von acht „MAPE“-Punkten auf Materialebene) sowie
  • eine Reduzierung saisonaler Lagerspitzen und damit verbundener Bullwhip-Effekte.

Franke ist mit seiner Tools-Group-Implementierung also sehr zufrieden. Die Mitarbeiter von Tools Group waren großartig in der Zusammenarbeit, zeigten ein hohes Maß an Expertise, hatten stets ein offenes Ohr und fanden immer eine Lösung, um Frankes hochkomplexe Supply Chain zuverlässig zu managen. ■

* Enrico Casalino ist Leiter Logistikplanung & Engineering Franke Kitchen Systems bei der Franke Küchentechnik AG in 4663 Aarburg (Schweiz), Tel. (00 41-62) 7 87 31 31, ks-info.ch@franke.com

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