Hebetechnik

Geschichten aus dem Mittelstand

| Autor / Redakteur: Benedikt Hofmann / Bernd Maienschein

Das Innere eines Hebesystems.
Das Innere eines Hebesystems. (Bild: Benedikt Hofmann)

Die Stärke der deutschen Wirtschaft basiert zu großen Teilen auf der Innovationskraft und Wandelbarkeit kleinerer und mittlerer Unternehmen. Wir haben Haacon Hebetechnik, einen Vertreter dieser Gattung, besucht und mit Geschäftsführer Thomas Lotz über die besonderen Herausforderungen für sein Unternehmen gesprochen.

Vergleicht man die deutsche Industrielandschaft mit der anderer Industrienationen, fallen einige Besonderheiten schnell ins Auge. Dazu gehört sicherlich der extrem starke Mittelstand, der einen großen Teil zu Stabilität und Stärke der deutschen Wirtschaft beiträgt. Es sind eben nicht die wenigen Großkonzerne, die für die wirtschaftliche Stärke des Landes verantwortlich zeichnen, sondern kleine und mittlere Unternehmen. Diesem Umstand ist es auch geschuldet, dass Fachjournalisten die Mehrzahl ihrer Dienstreisen nicht in die Metropolen des Landes bringt, sondern eher in die sogenannte Provinz – ein etwas despektierlicher Ausdruck, den die ländlichen Regionen schon aufgrund der hier oft etwas versteckten (man spricht dann gerne von Hidden Champions), aber doch gewaltigen Innovationskraft eigentlich nicht verdienen.

Investitionen als Standortbekenntnis

So führte mein Besuch bei Haacon Hebetechnik, einem Spezialisten für Industriehebetechnik, Nutzfahrzeugtechnik und Hebesysteme, auch nicht vorbei am Brandenburger Tor oder dem Kölner Dom, sondern entlang des Maintals an der Grenze zwischen Bayern und Baden-Württemberg. Der Sitz des Unternehmens befindet sich in Kirschfurt, einem Dorf mit 398 Einwohnern, mit dem Haacon physisch verwachsen zu sein scheint. Umringt von Ein- und Mehrfamilienhäusern liegen die Hallen und Verwaltungsgebäude, an denen bei meiner Ankunft renoviert und umgebaut wird, was wir Journalisten immer als gutes Zeichen sehen, denn Investitionen wie diese bedeuten in den meisten Fällen auch, dass das Unternehmen grundsätzlich gesund und zukunftsfähig ist. Das sieht auch Thomas Lotz so, der das Unternehmen seit September 2000 führt und es später zusammen mit seiner Frau Miroslava Lotz auch tatsächlich übernommen hat.

Wandel zur rechten Zeit

In Lotz‘ Büro, dessen Einrichtung man als einen Mix aus klassisch und modern beschreiben könnte, treffen wir uns nach einem Firmenrundgang zum Gespräch über sein Unternehmen, die Branche und die deutsche Wirtschaft im Allgemeinen. Natürlich geht es dabei zunächst um Lotz‘ Rolle in den letzten 17 Jahren, die er nicht am Wachstum des Unternehmens, sondern an dessen Ausrichtung festmacht: „Seit ich hier in der Verantwortung bin, hat es ein Wachstum gegeben, es hat aber vor allem eine Umschichtung gegeben. Haacon war über viele Jahre sehr konzentriert und damit auch in einem nicht unerheblichen Abhängigkeitsverhältnis zur Nutzfahrzeugindustrie.“ Diese Abhängigkeit bestand dem Firmenlenker zufolge bis etwa 2008, einem Jahr, das in der Nutzfahrzeugindustrie eine Zäsur darstellt. 2007 war für die Industrie ein absolutes Boomjahr und 2009 kam dann die große Krise und es kam zu einem branchentypischen Einbruch um 80 %. Bis heute ist der Markt nicht mehr auf das alte Niveau gekommen.

Die Situation kam für Lotz aber nicht ganz unerwartet. Er hatte den Bereich – auch aufgrund seiner Ertragsschwäche – als kritisch angesehen und deshalb Mitte der 2000er-Jahre eine konzeptionelle und strategische Diversifikationspolitik angestrebt. Dazu wurden in den Jahren 2005 und 2006 interne Arbeitsgruppen geschaffen. „Wir sind natürlich von der Hebetechnik geprägt, die bei uns auf den drei Prinzipien Zahnstange, Spindel und Seil basiert. Da war es naheliegend, dass man sich überlegt, mit welchen auf diesen Techniken basierenden Produkten man noch in den Markt gehen könnte und welche Anforderungen vonseiten der Kunden in den nächsten Jahren auf uns zukommen würden“, so Lotz. Zusätzlich wurde ein kleines Beraterteam zu Hilfe genommen, das den Vorgang der Strategieentwicklung begleitete.

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