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Ladungssicherung Ladungssicherung im Lkw – Vorschriften, Arten & Berechnung

Autor / Redakteur: Anja Falkenstein / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Die richtige Ladungssicherung ist Voraussetzung für effizienten Warentransport – egal ob es sich um Big Bags oder Container handelt. Hier bekommen Sie einen Überblick über die wichtigsten Mittel zur Ladungssicherung in Lkw und Transporter und erfahren, was nötig ist und wie es geht!

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Zurrgurte, Ketten, Schlaufen und Ösen zählen zu den wichtigsten Ladeshilfs- und Anschlagmitteln bei der Herstellung einer richtigen Ladungssicherung.
Zurrgurte, Ketten, Schlaufen und Ösen zählen zu den wichtigsten Ladeshilfs- und Anschlagmitteln bei der Herstellung einer richtigen Ladungssicherung.
(Bild: Pixelio/Rainer Sturm)

Das Gesetz sieht hier eine Vielzahl von Regelungen vor. Diese Regelungen zur Ladungssicherung finden sich insbesondere in:

  • der Straßenverkehrsordnung (StVO),
  • der Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO),
  • diversen Verwaltungsvorschriften,
  • VDI-Richtlinien,
  • DIN/EN-Normen und
  • dem Handelsgesetzbuch (HGB).

Die wichtigsten Einzelnormen zur vorschriftsmäßigen Ladungssicherung sind:

  • § 22 StVO Ladung,

Besonders anschaulich schildert § 22 Abs. 1 StVO die Anforderungen an die Ladungssicherung.

Ergänzendes zum Thema
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§ 22 Abs. 1 Straßenverkehrsordnung (StVO)

„Die Ladung einschließlich Geräte zur Ladungssicherung sowie Ladeeinrichtungen sind so zu verstauen und zu sichern, dass sie selbst bei Vollbremsung oder plötzlicher Ausweichbewegung nicht verrutschen, umfallen, hin- und herrollen, herabfallen oder vermeidbaren Lärm erzeugen können.“

Grundsätze der Ladungssicherung

Welche Sicherungsmaßnahmen im Einzelfall zu treffen sind, hängt von der Art der Ladung und dem zum Transport verwendeten Fahrzeug ab. Unter Einbeziehung verschiedener anderer Faktoren, etwa dem Ladungsgewicht, ist die erforderliche Sicherung nach physikalischen Formeln zu berechnen.

Man kann sich unschwer vorstellen, was passiert, wenn die Ladungssicherung dieser meterhoch aufgetürmten Paletten unzureichend ist und sich die Ladungsträger während der Fahrt auf der Straße verteilen.
Man kann sich unschwer vorstellen, was passiert, wenn die Ladungssicherung dieser meterhoch aufgetürmten Paletten unzureichend ist und sich die Ladungsträger während der Fahrt auf der Straße verteilen.
(Bild: Pixelio/Susanne Schmich)

Die wichtigsten Grundsätze zur Ladungssicherung sind:

  • Formschluss: Die Sicherung der Ladung erfolgt durch bündiges, lückenloses Verladen. Wenn Stirnwand und Bordwände des Fahrzeugaufbaus ausreichend stabil sind, ist kein weiteres Verzurren notwendig. Freiräume durch Ladelücken sollten nicht entstehen, sonst muss der Formschluss durch Streben, Stangen, Schienen, Keile oder andere Hilfsmittel erreicht werden. Dies gilt ebenso für ein lediglich teilbeladenes Fahrzeug.
  • Kraftschluss: Alternativ oder zusätzlich kann eine Ladung durch Niederzurren gesichert werden. Dabei pressen Zurrgurte die Ladung so fest auf die Ladefläche, dass diese nicht mehr verrutschen kann. Antirutschmatten oder rutschhemmende Böden verstärken den Effekt. Formschluss und Kraftschluss lassen sich gut kombinieren und stellen so eine ausreichende Sicherung dar.
  • Sauberer Boden: Die Ladefläche ist immer sauber zu halten, denn Verschmutzungen können zur Verminderung des Reibungswiderstandes führen. Damit steigt die Gefahr, dass das Ladegut verrutscht.
  • Keine Überladung: Das zulässige Gesamtgewicht, also das Leergewicht des Fahrzeuges zuzüglich der Ladung, darf nicht überschritten werden.
  • Einhaltung des Lastverteilungsplans: Die zulässigen Achslasten des Transportfahrzeuges müssen unbedingt eingehalten werden. Bei sehr schweren Ladeeinheiten kann es notwendig sein, einzelne Ladeabteile mit Sperrbalken oder anderen Hilfsmitteln abzutrennen und so die Last gleichmäßig auf die Achsen zu verteilen.

Weitere Hilfsmittel zur Ladungssicherung sind Paletten als Ladungsträger, Zurrgurte, Antirutschmatten, Keile, Kantenschutz, Netze, Schienen mit Lade- und Sperrbalken sowie Staupolster.

Ladungssicherung - ein Beispiel aus der Getränkeindustrie

Ein Beispiel aus der Getränkelogistik gibt die Karlsruher Brauerei Hoepfner, die Bier in Kästen und Fässern verlädt. „Bei uns wird generell verschlusssicher geladen“, sagt Logistikleiter Christian Lorenz. „Die Fahrzeuge in der Getränkeindustrie verfügen heute fast alle über fest integrierte Ladungssicherungssysteme, die eine Verspannung der einzelnen Paletten vorsehen und ein Verrutschen oder Umkippen verhindern.

Faktor Mensch

Neben den technischen Sicherungsmöglichkeiten ist die Bedeutung des Faktors Mensch enorm. Das Personal auf Verlader- und Fahrerseite muss gut ausgebildet sein und regelmäßig geschult werden. Wichtig ist ein gutes Verständnis für physikalische Gesetzmäßigkeiten, um die während der Fahrt auftretenden Kräfte richtig einschätzen und absichern zu können.

Haftung bei Schadenseintritt

Kommt es zu einem Schaden, richtet sich die gesetzliche Haftung im Verhältnis Absender/Frachtführer nach den Vorschriften des Handelsgesetzbuchs (HGB). Allerdings kann vertraglich etwas anderes vereinbart sein. So werden Transportverträgen häufig die Allgemeinen Deutschen Spediteurbedingungen 2017 (ADSp 2017) zugrunde gelegt. „Die ADSp enthalten praxisgerechte Regelungen zur Ladungssicherung, die sich hinsichtlich der Pflichtenverteilung bei der Verladung am gesetzlichen Leitbild des § 412 HGB orientieren“, erläutert Dr. Guido Belger, Leiter der Abteilung Rechts- und Versicherungsfragen des Bundesverbandes Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL).

Zur Ladungssicherung schwerer Gegenstände wie hier eines Motors werden gerne Spanngurte herangezogen.
Zur Ladungssicherung schwerer Gegenstände wie hier eines Motors werden gerne Spanngurte herangezogen.
(Bild: Dekra)

Nach § 412 HGB ist die Haftungsverteilung, vereinfacht dargestellt, wie folgt: Fehler beim Beladen oder bei der Ladungssicherung gehen zulasten des Absenders, der die Pflicht zur „beförderungssicheren“ Verladung hat. Der Frachtführer schuldet dagegen die „betriebssichere“ Verladung und haftet für Schäden, die während des eigentlichen Transports durch das beladene Fahrzeug entstehen. Werden unbeteiligte Dritte geschädigt oder verletzt, etwa durch einen wegen verrutschter Ladung umgekippten Lkw, muss an erster Stelle der Fahrzeughalter für den Schaden aufkommen. Er (oder seine Versicherung) kann dann bei demjenigen Regress nehmen, der die mangelhafte Ladungssicherung verschuldet hat. Hier sind jedoch Beweisschwierigkeiten vorprogrammiert, sodass häufig aufwendige Sachverständigengutachten vonnöten sind.

Ordnungswidrigkeiten und Straftaten

Die ordnungswidrige Beladung eines Lkw wird in der Regel mit einem Bußgeld belegt, unabhängig vom Eintritt eines Unfalls. Hier kann es nicht nur den Fahrzeugführer treffen, sondern auch den Halter beziehungsweise Fuhrparkmanager. Gemäß § 31 Absatz 2 StVZO darf der Halter die Inbetriebnahme nicht anordnen oder zulassen, wenn ihm bekannt ist oder bekannt sein muss, dass der Führer nicht zur selbstständigen Leitung geeignet oder das Fahrzeug, der Zug, das Gespann, die Ladung oder die Besetzung nicht vorschriftsmäßig ist oder, dass die Verkehrssicherheit des Fahrzeugs durch die Ladung oder die Besetzung leidet.

Ein Verstoß kann auch strafrechtliche Konsequenzen haben – etwa, wenn durch fehlerhafte Ladungssicherung ein Unfall mit schweren Folgen verursacht wurde. Die Staatsanwaltschaft ermittelt dann wegen fahrlässiger Körperverletzung, fahrlässiger Tötung oder gefährlichem Eingriff in den Straßenverkehr. Je nach Transportgut kommen auch schwere Umweltstraftaten wie Gewässer- oder Bodenverunreinigung in Betracht.

Weitere Informationen finden Sie hier:

* RAin Anja Falkenstein ist Fachjournalistin für Recht und Logistik in 76137 Karlsruhe, Tel. (07 21) 3 54 00 98, falkenstein@logistik-presse.de

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