Logistics-IT

Logistik 4.0 trifft Industrie 4.0

| Redakteur: Bernd Maienschein

Schlussrunde mit den Logistik- und IT-Experten des Fachkongresses, Vertretern der Deutschen Messe und des Gastgebers Vogel Business Media.
Schlussrunde mit den Logistik- und IT-Experten des Fachkongresses, Vertretern der Deutschen Messe und des Gastgebers Vogel Business Media. (Bild: Deutsche Messe)

Roboter, Drohnen und Sprachassistenten wie Amazons Alexa verändern die Logistik- und Produktionsprozesse. Lagerverwaltungssysteme werden mit Scrum-Methoden implementiert und Webinterfaces gehören bald zum Standard. Die Logistics-IT-Konferenz von Cemat und MM LOGISTIK Ende November schaute in die nahe Zukunft.

In unserem Nachbarland Österreich scheint die Zukunft für manche Beobachter schon ganz nah zu sein. Magna Steyr ist ein Vorreiter. Wen wundert es: Magna Steyr kämpft, wie so viele Autobauer auch, mit Volatilität, Variantenvielfalt und immer kürzeren Time-To-Market-Vorgaben seiner Kunden – die großen OEMs aus Europa und den Vereinigten Staaten.

Roboter wandern mit den Werkern

Die Antwort der Autobauer aus Österreich: Intelligenz, Robotik, Technologien und Menschen. Die Vision von Wolfgang Zitz, Vice President Contract Manufacturing und seinem Team: Die agile Fertigung der Zukunft fußt auf autonomen Transporteinheiten für Material direkt ans Band mit fahrerlosen Transportsystemen – Maschinen und Roboter, die sich frei im Raum bewegen können – und für die Produkte. Die Zusammenarbeit von Mensch und Roboter in der Fahrzeugmontage ist das Ziel von Magna Steyr.

Roboter sind intelligente Werkzeuge und nicht mehr unbedingt fest an Punkten installiert, sondern wandern mit den Werkern zu ihren Aufgaben. Magna Steyr investiert in Technologie, in Roboter, aber auch in andere Techniken wie beispielsweise Drohnen. Die erfassen mit Onboard-Sensorik und gleichen mittlerweile autonom Lagerbestände ab. Was machen die Autobauer mit der Drohne? Inventurprozesse oder Ad-hoc-Lager-Recherche inklusive Abgleich mit dem ERP-System.

Drohnen im Lager, nicht auf der Straße

Das Beispiel Magna Steyr ist kein Einzelfall: „Ja, Drohnen für die Inventur, daran arbeiten auch Kunden von uns“, erklärte Michael Baranowski von TEAM aus Paderborn auf der Logistics-IT-Konferenz der Cemat. Sein Kunde identifiziert Vollpaletten mittels Kamera und die Daten gehen in das Warehouse-Management-System (WMS) „ProStore“. „Das ist ein erster Weg, aber wir müssen auch künftig einiges beachten, wenn fünf oder sechs Drohnen parallel fliegen und sich Mitarbeiter im Lager bewegen“, berichtet Baranowski. Und Prof. Dr. Ulrich Müller-Steinfahrt von der FH Würzburg-Schweinfurt ergänzt: „In der Zustellung von Paketen werden Drohnen in naher und mittlerer Zukunft in Deutschland nicht eingesetzt werden, aber im Lager sehe ich viele Anwendungsmöglichkeiten.“

Prof. Dr. Ulrich Müller-Steinfahrt, FHWS: „In der Zustellung von Paketen werden Drohnen in naher und mittlerer Zukunft in Deutschland nicht eingesetzt werden, aber im Lager sehe ich viele Anwendungsmöglichkeiten.“
Prof. Dr. Ulrich Müller-Steinfahrt, FHWS: „In der Zustellung von Paketen werden Drohnen in naher und mittlerer Zukunft in Deutschland nicht eingesetzt werden, aber im Lager sehe ich viele Anwendungsmöglichkeiten.“ (Bild: Deutsche Messe)

Die Intralogistik boomt. Neue Technologien, auch aus der Consumerwelt, wie Alexa, halten Einzug, immer mehr kollaborative Roboter von Kuka, ABB, Fanuc oder Universal Robots ziehen ins Lager ein und neue Geschäftsideen entstehen. „In der Logistikbranche gründen viele Menschen gerade zahlreiche Start-ups“, berichtet Müller-Steinfahrt. Vor allem Softwareunternehmen bietet die Branche Wachstumschancen. Und diese entwickeln ihre Lösungen mit Scrum, besonders agil also.

Projektplanung auf das Wesentliche reduzieren

Das können aber auch die etablierten Unternehmen. Viastore beispielsweise implementierte sein WMS agil an sieben Standorten seines Kunden Igefa. Das bedeutet: In Einzelschritten, in Sprints werden Aufgaben in Teams abgearbeitet, denn viele Entwicklungsprojekte sind zu komplex, um in einen vollumfänglichen Plan gefasst werden zu können. Die Idee dahinter: Der langfristige Plan (das Product Backlog) wird kontinuierlich verfeinert und verbessert. Der Detailplan (das Sprint Backlog) wird nur für den jeweils nächsten Zyklus (den Sprint) erstellt. Damit wird die Projektplanung auf das Wesentliche fokussiert.

Zukunftsvision umzugsfähiges Lager

Auf das Wesentliche fokussiert oder auch reduziert – ein Wunsch aller Logistiker. Und Wolfgang Albrecht von Vanderlande geht sogar noch einen Schritt weiter: Das Umzug-fähige Lager ist seine Vision für die Logistik von morgen. Das Ziel: Automatisierungslösungen, die sich per Plug and Play in die Logistikprozesse einbinden lassen ohne feste Verschraubungen – flexibel eben. Das bestätigt Wolfgang Zitz von Magna Steyr und freut dann wohl auch den Controller von Magna Steyr, denn Vanderlande setzt in der Zukunft auch auf die Vermietung von Fördertechnik – ein erstes Projekt läuft bereits in der Gepäckabfertigung am Flughafen, wo der Kunde je nach Aufkommen Technik ordert oder reduziert.

Und die Menschen in der Logistik? Die bleiben – mit anderen, neuen Aufgaben, waren sich die Diskutanten einig. Und der Blick nach Österreich bestätigt diese These: Magna Steyr hat 1000 Roboter gekauft und 2000 Mitarbeiter eingestellt.

Weitere Beiträge zur Messe:

Cemat

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