Warehouse Management Systeme

Was ist ein Warehouse Management System? Definition & Anbieter!

| Autor: Benedikt Hofmann

Warehouse Management System stehen im Zentrum jedes modernen Logistiksystems
Warehouse Management System stehen im Zentrum jedes modernen Logistiksystems (Bild: Viastore)

Kein State-of-the-Art-Logistiksystem ab einer bestimmten Größe kommt heute noch ohne ein Warehouse Management System aus. Dabei ist die Auswahl und Einführung eines WMS kein leichtes Unterfangen. Jetzt weiterlesen und das richtige System für die individuellen Ansprüche der internen Lagerverwaltung Ihres Unternehmens wählen.

Wenn man sich mit Günter Dietze über Warehouse-Management-Systeme (WMS) unterhält, wird ziemlich schnell klar: Der Mann weiß, wovon er spricht. Das sollte er natürlich auch, ist der Experte des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik (IML) doch im Team Warehouse Logistics tätig, das unter anderem ein Onlineportal zur WMS-Auswahl betreibt. Wir haben uns verabredet, um über Warehouse Management Systeme und die verschiedenen Lösungen und Anbieter auf dem Markt zu sprechen.

Die unterschiedlichen WMS Anbieter

Dietze trifft gleich zu Beginn eine wichtige Einordnung: „Wir können im Prinzip drei Kategorien von WMS-Anbietern unterscheiden:

  • Suiten-Anbieter,
  • Automatisierer und
  • Pure WMS-Anbieter.

So erhalten wir drei Vergleichsgruppen, die man untereinander nur mit Einschränkungen vergleichen kann, da sich das Angebot doch sehr unterscheidet.“ Es liegt an den Unternehmen, herauszufinden, welche Kategorie sich für die eigenen Ansprüche am besten eignet.

Ist jedes Warehouse Management System gleich?

Das ist ohnehin ein wichtiges Thema, wenn Sie nach einem neuen WMS suchen: zu wissen, was Sie überhaupt benötigen – und das nicht nur in der Gegenwart, sondern auch in der Zukunft. „Man rechnet bei einer derartigen Warehouse Management System Software mit einer Laufzeit von zehn bis zwölf Jahren. Also sollte man sich Gedanken darüber machen, wo das Unternehmen bis dahin steht“, erklärt Dietze. Ein WMS anzuschaffen, das genau die Herausforderungen der Gegenwart erfüllt, kann ein Unternehmen also schon im nächsten oder übernächsten Jahr vor große Probleme stellen.

Checkliste zur Anschaffung eines Warehouse Management Systems

Beschäftigt man sich mit dem unglaublich weiten Feld der WMS, stellt sich unweigerlich die Frage, ob es große Unterschiede gibt oder ob die Produkte sich in ihren Kernfunktionen stark ähneln. Letzteres verneint der Experte entschieden und verweist auf die drei Arten von Warehouse Management System Anbietern. So haben Unternehmen, die aus der Technik kommen, eine andere Herangehensweise an Software als beispielsweise Suiten-Anbieter, die ursprünglich ERP-Systeme anbieten.

Zusatzfunktionen differenzieren ein Warehouse Management System

Die größten Unterscheidungskriterien gibt es im Bereich zusätzlicher Funktionen. Dabei handelt es sich um Funktionen des WMS, die nicht Teil jedes logistischen Ablaufes sind. Das sind beispielsweise Optionen im Bereich Rechnungsstellung, Value-added-Services oder Zollanbindung sein. Es kann sich aber auch um Funktionalitäten handeln, die im ersten Moment lapidar klingen, aber zu großen Problemen führen können, wenn man sie nicht vor der Einführung des WMS bedenkt. Stellen Sie sich beispielsweise vor, Sie haben eine Niederlassung in China, erfassen das in Ihrem Lastenheft nicht und stellen später fest, dass Ihr brandneues WMS keine chinesischen Schriftzeichen abbilden kann – ein Super-GAU. Die Tatsache, dass ein Warehouse Management System mehrsprachig ist, muss nämlich nicht heißen, dass es alle Schriftsätze und Sprachen beinhaltet. „Auch die im Unternehmen genutzte Datenbanksoftware kann hier ein Kriterium sein. Wenn ein Unternehmen beispielsweise auf Oracle setzt, muss das Warehouse Management System natürlich auch mit Datenbanken dieses Anbieters arbeiten können“, so Dietze.

Die „WMS-Raute“ bildet die Funktionalitäten eines WMS und die Einbettung in die Softwareumgebung ab. Die Abbildung ist aus der VDI-Richtline 2601 entnommen, die in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-IML entstanden ist.
Die „WMS-Raute“ bildet die Funktionalitäten eines WMS und die Einbettung in die Softwareumgebung ab. Die Abbildung ist aus der VDI-Richtline 2601 entnommen, die in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-IML entstanden ist. (Bild: Fraunhofer-IML)

Warehouse Management System wechseln? Das gilt es zu beachten!

Auch wenn Sie über den Wechsel Ihres Warehouse Management Systems nachdenken, gibt es besondere Fragestellungen, mit denen Sie sich beschäftigen sollten:

Ist ein Wechsel wirklich notwendig: Dietze schildert einen Fall, der verdeutlichen soll, was er damit meint: „Ich habe einen Anruf von einem Kunden bekommen, der mir sagte, dass er mit seinem WMS überhaupt nicht mehr zufrieden ist. Als er mir sein WMS dann beschrieb und ich nachfragte, um welchen Anbieter es sich denn handelt, musste ich feststellen, dass sich seine Beschreibung in keiner Weise mit dem deckte, was ich kurz zuvor selbst bei diesem Anbieter gesehen hatte. Es stellte sich heraus, dass der Kunde seit fünf oder sechs Jahren keinen Kontakt mehr zu dem Anbieter hatte und die Entwicklungen dieser Zeit gar nicht mitbekommen hat. Ich empfahl ihm also, zunächst mit seinem aktuellen Anbieter in Kontakt zu treten. Das tat er auch und das Thema der Ablösung hatte sich in kürzester Zeit erledigt.“

Welche Schwächen zeigt das derzeit im Einsatz befindliche WMS bei der täglichen Arbeit: Die Gründe für den Umstieg können nämlich schon die ersten Anforderungen an das neue System sein. Auch beim Wechsel sollten Sie sich natürlich die aktuellen Abläufe ansehen und welches Verbesserungspotenzial ein Wechsel hier bieten kann. Das zählt ebenso für Prozesse, die gegenwärtig noch nicht von der Software unterstützt werden, in Zukunft aber davon profitieren könnten.

Achtung – Warehouse Management System erfolgreich einführen!

Bei der erstmaligen Einführung eines WMS gibt es einige Dinge zu beachten. Welche Schritte bei der Einführung nicht fehlen sollten, haben wir Ihnen im zweiten Kasten auf dieser Seite zusammengefasst. Ein grundlegendes Thema, das ganz am Anfang des Projekts stehen sollte, ist Dietze zufolge aber die Frage der Ressourcen. Das gilt sowohl für die Mitarbeiter als auch für die Zeit. Wer hier nicht die nötigen Kapazitäten schafft, wird das später sicher bereuen.

Warehouse Management Systeme im Überblick

Um Ihnen einen kleinen Eindruck der auf dem Markt befindlichen WMS zu liefern, stellen wir Ihnen in der Folge einige Lösungen vor:

Viastore ist laut Dietzes Einordnung sicher ein Hybrid, denn das Unternehmen, das ursprünglich ein Anbieter von Intralogistiksystemen war, hat sich in den letzten Jahren im Bereich Software immer stärker entwickelt und mit Viastore Software ein eigenes Unternehmen für diesen Geschäftsbereich gegründet. Neben der Integration von SAP-Systemen entwickelt und vertreibt Viastore Software auch ein eigenes Warehouse Management System namens Viadat. Das System ist Markus Müllerschön zufolge, Vice President Sales von Viastore Software, branchenübergreifend sowohl für kleine Lager mit geringem Umschlag als auch für Distributionszentren mit mehreren Hunderttausend Orderlines am Tag eine passende Lösung. Das System eignet sich demnach für automatisierte Systeme, konventionelle manuelle sowie staplerbediente Anlagen und kommt auch für die Kommissionierung mit Pick-by-Light, Pick-by-Voice oder Pick-by-Vision zum Einsatz. Zu den besonderen Stärken von Viadat gehört Müllerschön zufolge, dass es das Management und die Steuerung von sämtlichen Automatiksystemen, die es am Markt gibt, beherrscht. „Viadat ist zudem durch unsere agilen Projektmethoden und den komfortablen Konfigurationswizard schnell implementierbar, mit einer intuitiven Benutzeroberfläche kinderleicht zu bedienen und bietet ein Cockpit, an dem jeder die für ihn wichtigen Informationen per Widget zusammenstellen kann“, so der Experte.

Der Automatisierungsexperte Aberle bietet mit seiner PSM-Produktfamilie eine Lösung für Unternehmen aller Größen und Branchen an. Allerdings liegt das Hauptaugenmerk wenig überraschend auf automatisierten Intralogistiklagern. „Die Lösung ist modular aufgebaut und kann jederzeit erweitert werden. Dabei bleibt sie skalierbar. Durch einen umfassenden Standardbaukasten sind die benötigten Funktionen verfügbar, können jedoch immer kundenindividuell angepasst und auch erweitert werden“, so Stefan Weisshap, Head of Software Consulting & Project Planning bei Aberle. Des Weiteren ist der Softwarekern Weisshap zufolge sehr robust und leistungsstark, sodass auch große Installationen jederzeit hoch performant sind. Darüber hinaus stehen eine iPad-App, das Frachtmodul, Module für mobile Daten- und Staplerterminals zur Verfügung. Auch die Überwachung der Abarbeitungsgrade ist über Statistikmodule jederzeit möglich.

Bei Ehrhardt + Partner steht die Software im Mittelpunkt des Unternehmens. Das Ergebnis heißt LFS.wms, das dem Unternehmen zufolge mit den Anforderungen des Anwenders wächst. „Neue Standorte oder Mandanten lassen sich schnell und einfach aufschalten. Mit unserer Private-Cloud-Lösung bieten wir Unternehmen darüber hinaus eine mitwachsende und leistungsfähige IT-Infrastruktur“, so Dennis Kunz, Director Marketing bei Ehrhardt + Partner. Das Supply-Chain-Execution-System LFS führt aktiv den gesamten logistischen Material- und Informationsfluss und kann sowohl manuelle als auch automatische Lagereinheiten sowie Prozesse der Transportlogistik steuern. Das LFS.wms ist ein integraler Bestandteil und lässt sich beispielsweise um den herstellerunabhängigen Materialflussrechner LFS.mfc erweitern, um auch hochautomatisierte Lagereinheiten zu steuern. Das System ist plattform- und datenbankunabhängig und läuft auf Windows, Linux, I-Series, iOS und Android-Betriebssystemen.

Was bringt die Zukunft der Warehouse Management Systeme?

Nach der zukünftigen Entwicklung im Bereich Warehouse Management Systeme gefragt, sehen alle Hersteller industrielle und gesellschaftliche Entwicklungen wie Digitalisierung und Globalisierung als wichtigste Treiber für die Weiterentwicklung der Systeme. Zu den Zielen wird es gehören, den Materialfluss noch transparenter abzubilden und analysieren zu können. Eine weitere Herausforderung besteht darin, dass Unternehmen sämtliche Aufgabenstellungen zwischen Logistik und Fertigung sowie Informations- und Güterflüsse ganzheitlich betrachten, planen und kontrollieren müssen. WMS der Zukunft müssen sich also in die Vernetzung des gesamten Unternehmens einfügen.

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