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Containerrecycling Neues Leben für alte Schachteln

| Redakteur: Helmut Klemm

Rund zehn Jahre lang kommen Container auf Schiffen, Straßen und Schienen viel in der Welt rum. Danach werden die oft ramponierten Blechkisten aus dem Verkehr gezogen, ausrangiert, von Händlern und Vermietern aber meistens wieder aufgefrischt und aufpoliert – für ein zweites Leben.

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Auf dem Betriebsgelände von CHS Container in Bremen werden alte Container aufgefrischt, aufgemöbelt, aufpoliert – für ein neues Leben. Bild: CHS
Auf dem Betriebsgelände von CHS Container in Bremen werden alte Container aufgefrischt, aufgemöbelt, aufpoliert – für ein neues Leben. Bild: CHS
( Archiv: Vogel Business Media )

Die CHS Container Handel GmbH hat sich ganz im Geschäft mit Containern eingerichtet – und auch in Containern. Aus insgesamt 38 dieser Raumelemente ist das Hauptquartier des Unternehmens in der Bremer Tillmannstraße zusammengefügt. Als Provisorium sei das aber nicht anzusehen, sagt Marketingleiter Arndt Overbeck. Demnächst werde das Bürogebäude gründlich isoliert und langzeittauglich gemacht. Mindestens 20 Jahre kann es laut Overbeck dann noch genutzt werden.

Mit dieser Perspektive hat der flache Bau gute Chancen, als raffinierte Corporate-Identity-Idee durchzugehen oder zumindest als einprägsames Beispiel für das zweite Leben der Blechbox, die unlängst 50 Jahre alt geworden ist. In dieser Zeit hat sie den Frachtverkehr revolutioniert und das weltweite Wirtschaftsgefüge neu kombiniert. „Der Transport in der Stahlkiste ist so billig, dass es kaum eine Rolle spielt, wo auf der Welt produziert wird“, schreibt der Journalist Olaf Preuß in einem Sachbuch aus dem vergangenen Jahr, das den „Siegeszug einer einfachen Erfindung“ nachzeichnet – unter dem Titel „Eine Kiste erobert die Welt“.

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Nur etwa 40 Cent pro Stück kostet es, wenn ein Container mit 10 000 Jeans von China nach Europa transportiert wird. Solche fast unerheblichen Kosten haben dazu geführt, dass auf den Hauptschifffahrtslinien bereits weit über 90% des Stückgutverkehrs in Containern abgewickelt wird. In der Logistik sind sie zum „Maß aller Dinge“ geworden und wie nun wieder Mitte Juni in Berlin auch zum Thema von Kulturwissenschaftlern. Sie rücken diesen „Unort“ in eine Linie mit der Baracke und dem Wellblechverschlag und werfen die Frage auf, ob der Container angesichts zunehmend prekärer, temporärer Verhältnisse nicht schon zur Signatur eines neuen Zeitalters geworden sei.

Ästhetisch haben solche Asyle der Mobilität oft einen ganz speziellen Reiz. „So schön können Container sein“, hatte zum Beispiel die Deutsche Verkehrszeitung dem CHS-Geschäftssitz geschmeichelt, obwohl Container nach wie vor in erster Linie geschätzt werden, weil sie eminent praktisch und nahezu grenzenlos flexibel sind. Hier sei tatsächlich nichts unmöglich, versichern die Händler. Man könne sie als Lagerschuppen verwenden, Gartenhäuschen daraus machen, Schankstätten, Baubuden oder Sanitäranlagen. Dazu kommen noch sehr viel komplexere Projekte. Zur Expo 2000 in Hannover hatte CHS zum Beispiel innerhalb von nur vier Tagen mit acht Monteuren aus fast 70 Containern die komplette Polizei- und Feuerwehrzentrale errichtet.

Zunächst nur im Einwegverkehr

Bei solchen Gebäuden und auch beim CHS-Geschäftssitz hat sich das zweite Leben weit vom Ursprung entfernt, denn sie bestehen natürlich nicht aus aufgemöbelten Seecontainern, sondern aus gedämmten, beheizten, elektrifizierten Raumelementen, die gewissermaßen aus der „Urzelle“ herausgewachsen sind. Anbieter wie etwa die ELA Container GmbH in Haren/Ems sprechen deshalb auch lieber von „mobilen Räumen“.

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