Mehrwegverpackung

Standard-Transportbox auf dem Weg nach Europa?

| Autor / Redakteur: Bernd Maienschein / Bernd Maienschein

Der Prototyp des Standardbehälters wurde mit Utz entwickelt. Sobald der Behälter pilotiert wurde und eine Typenbeschreibung steht, kann er von anderen Herstellern produziert werden.
Der Prototyp des Standardbehälters wurde mit Utz entwickelt. Sobald der Behälter pilotiert wurde und eine Typenbeschreibung steht, kann er von anderen Herstellern produziert werden. (Bild: Axel Schulten)

Auf dem Handelslogistik-Kongress am 28. und 29. März 2017 hat GS1 Germany in Köln den Prototypen einer standardisierten Box zur Belieferung des Handels vorgestellt. Die Mehrwegtransportbehälter aus Kunststoff haben das Zeug dazu, die Prozesskosten in der Lieferkette um 20 % zu senken. Selbst ein europäischer Standard ist angestrebt.

Ähnlich wie die Frage nach dem Huhn und dem Ei – was war zuerst da? – kommt einem die nach Einweg- oder Mehrwegverpackungen vor. Was ist sinnvoller, kostengünstiger, umweltfreundlicher, welche Verpackungsart ist für mich die richtige? Beantwortet werden kann diese Frage nicht generell, sondern immer nur im Einzelfall, unter Berücksichtigung sämtlicher am Prozess beteiligter Faktoren und Player.

Ressourcen schonen, Müll vermeiden

In der Regel wird die Ware beim und vom Hersteller oder Kontraktlogistiker für den Transport in Sekundär- oder Tertiärverpackungen (Drittverpackungen) aus Karton und Plastik verpackt, die die Verbraucher im Handel gar nicht zu Gesicht bekommen. Transportiert wird auf Paletten zumeist ins Zentrallager. Dort wird die Ware abgeladen, ausgepackt und in die händlereigenen Mehrwegboxen umverteilt – ein Prozessschritt, der einen hohen Ressourcen- und Entsorgungsaufwand für die Einwegkartons erfordert.

2016 hat der deutsche Arm der weltweit aufgestellten Standardisierungsorganisation GS1 einen Testlauf im Rahmen des Projekts „Mehrwegtransportverpackungen (MTV) zur Handelsbelieferung“ durchgeführt. Insgesamt 6000 wiederverwendbare Transportbehälter mit Artikeln aus dem langsam drehenden Drogeriesortiment ersetzten dabei vorübergehend die Belieferung des Handels mit üblichen Kartons.

Bis zu 20 % günstigere Logistikprozesse

Wie GS1 Germany mitteilt, könnte ein Umstieg von Einweg auf Mehrweg die betrachteten logistischen Prozesse inklusive Rückführung um 20 % günstiger machen. Auf dem Kölner Handelslogistik-Kongress am 28. und 29. März 2017 stellte GS1 Germany jetzt das nächste Projektergebnis vor: den konkreten Prototypen eines standardisierten Kunststoff-Transportbehälters, der nun in Pilotanwendungen weiter getestet werden soll. Ab der zweiten Jahreshälfte 2017 könne dann der Rollout geplant werden, so die Kölner.

Heiko Stuhr, Supply Chain Director D/CH bei Beiersdorf (l.), und Christian Bodi, Geschäftsführer Logistik bei dm, stellen das Behälterprojekt von GS1 Germany in Köln vor.
Heiko Stuhr, Supply Chain Director D/CH bei Beiersdorf (l.), und Christian Bodi, Geschäftsführer Logistik bei dm, stellen das Behälterprojekt von GS1 Germany in Köln vor. (Bild: Axel Schulten)

Im Projekt haben die beteiligten Unternehmen laut Angaben von GS1 Germany den Beweis angetreten, dass sich ein unternehmensübergreifendes, standardisiertes Mehrwegtransportsystem lohnt. Die Vorteile eines einheitlichen Systems lägen auf der Hand: verschlankte Prozesse, geringere Kosten, weniger Verpackungsmüll, ein hoher Automatisierungsgrad entlang der gesamten Lieferektte und optimale Auslastung von Paletten und Laderaum, damit verbunden auch ein geringerer CO2-Ausstoß. Darüber hinaus könnten Mehrwegtransportbehälter durch den Einsatz von GS1-Standards als Informationsträger für Daten dienen, die in Echtzeit zur Verfügung ständen.

Transportbox für alle gängigen Ladehöhen

In der nächsten Projektphase wurden unterschiedliche Betreibermodelle mit dem Ziel betrachtet, ein effizientes Ladungsträgermanagement zu erreichen. MTV-Anbieter stellten erste Behälterkonzepte vor. Im Ergebnis hat der Behälterhersteller Utz den nebenstehend abgebildeten Prototyp (600 mm × 400 mm) in drei unterschiedlichen Höhen entwickelt. Die Behälter sind so gebaut, dass sie sowohl für die in Deutschland üblichen Palettenladehöhen genutzt werden können als auch der EUL-Norm (europäische Palettenladehöhen-Empfehlung) entsprechen.

Wie von GS1 Germany zu erfahren ist, sollen die neuen Mehrwegtransportbehälter künftig auch für andere Warengruppen, wie das Trockensortiment oder Nonfood, genutzt werden. GS1 Germany strebe nach der Standardisierung in Deutschland „in absehbarer Zeit“ die Umsetzung in zahlreichen weiteren Unternehmen und einen europäischen Standard an. Interessierte Hersteller und Händler sind von der Standardisierungsorganisation eingeladen, sich an den weiteren Projektphasen zu beteiligen und die Behälter in den eigenen Prozessen einzusetzen.

Kommentare werden geladen....

Kommentieren Sie den Beitrag

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Whitepaper

Erfolgreich mit Industrie 4.0

Smart Factory

Wir zeigen, worauf es auf dem Weg zur Smart Factory ankommt. Mit Erklärungen, Praxisbeispielen und Dos and Don'ts. lesen

Lademittel digital verwalten

Behältermanagement im Cloud-Netzwerk:Einfach digital gedacht

Wie sich Digitalisierung in der Lademittelverwaltung nutzen lässt, einen Großteil der manuellen Aufwände eliminiert und dabei unternehmensübergreifend Transparenz schafft, erfahren Sie in diesem Whitepaper. lesen

Digitale Transformation

Wie fit ist Ihr Unternehmen?

Wie fit ist Ihr Unternehmen für die digitale Transformation. Machen Sie den Digitalisierungs-Schnellcheck und finden Sie heraus, wie gut Ihr Unternehmen hinsichtlich digitaler Technologien, Prozesse, Angebote und Denkweisen aufgestellt ist. lesen

DER NEWSLETTER FÜR INDUSTRIE UND HANDEL Newsletter abonnieren.
* Ich bin mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung einverstanden.
Spamschutz:
Bitte geben Sie das Ergebnis der Rechenaufgabe (Addition) ein.
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44569939 / Verpackungstechnik)