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Industrieverpackungen Verpackungsoptimierung als industrielle Prozessoptimierung

| Autor / Redakteur: Tassilo Steinbach / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Prozessabläufe sind oft historisch gewachsen – Verfahren haben sich bewährt, sind eingeübt. Verpackungsprozesse in der produzierenden Industrie fußen heute nur selten auf eingehender Prozessanalyse. Als Stiefkindern unternehmerischer Leidenschaft bleibt ihnen die angemessene Aufmerksamkeit verwehrt.

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Sicherer Korrosionsschutz durch VCI-Folien und -Papier. Auch auf schwer zugänglichen Oberflächen bildet sich ein dichter Schutzfilm von VCI-Molekülen.
Sicherer Korrosionsschutz durch VCI-Folien und -Papier. Auch auf schwer zugänglichen Oberflächen bildet sich ein dichter Schutzfilm von VCI-Molekülen.
(Bild: Antalis)

Damit verschenken Industrieunternehmen große Rationalisierungspotenziale. Durchdachte Verpackungsprozesse sparen Zeit, Material und Geld in erheblichem Umfang. Um diese zu entwickeln, muss „out of the box“ gedacht werden. Prozessanalyse sollte abteilungs- und bereichsübergreifend erfolgen als Unternehmensanalyse aus der Vogelperspektive. Moderne Verpackungsdienstleister erbringen Unternehmen dabei einen ähnlichen Mehrwert wie das buchhalterische Controlling einer Geschäftsführung – durch die Identifikation von Optimierungspotenzialen und Problembereichen.

„Unsichtbare“ Verpackungskosten nagen an der Rendite

Analysieren – planen – implementieren – evaluieren, so heißen die Aufgabenstellungen im Pflichtenheft der Verpackungsoptimierung. Prozessanalysen haben ergeben, dass die reinen Herstellungs- und Beschaffungskosten von Verpackungsmitteln durchschnittlich nur 20 % der Verpackungskosten ausmachen. 80 % sind Prozesskosten, die den Unternehmen durch Aufwendungen für Versand, Verarbeitung, interne Logistik und sonstige Beschaffungen entstehen.

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Diese 80 % „unsichtbare“ Verpackungskosten nagen unbemerkt an der betrieblichen Rendite. Verpackungsoptimierer verkleinern diesen unsichtbaren Teil des „Kosteneisbergs“, der – unterhalb der Wahrnehmungsschwelle – viele Unternehmen behindert.

Alle Glieder in der Verpackungs-Prozesskette optimieren

Ganzheitliche Verpackungsoptimierung rationalisiert alle Glieder der Prozesskette: von der Verpackungsbeschaffung, der In-House-Logistik und Kommissionierung über die Verpackung und den Versand bis zur Versandlogistik. Dabei werden auch spezielle Kundenwünsche berücksichtigt, sei es bezüglich der Eignung der Verpackung zur Warenpräsentation oder deren Wiederverwertbarkeit und Umweltfreundlichkeit.

Hier ergeben sich oft unerwartete Synergieeffekte, von denen Unternehmen zusätzlich profitieren. Schon preiswerte Maßnahmen reduzieren deutlich die körperlichen Belastungen in der Versandabteilung und beim Kommissionieren. Stehhilfen, höhenverstellbare Packtische und Packtische mit Rollbahnen sind genau auf die jeweilige Körpergröße der Arbeitnehmer einstellbar und gewährleisten ein ermüdungs- und belastungsfreies Arbeiten. Trotz zunehmendem Alter einer im jahrzehntelangen Berufsalltag geforderten Belegschaft lassen sich Schäden des Bewegungs- und Haltungsapparates – und Krankheitskosten – reduzieren.

Von modernen Stretchfolien profitieren Mitarbeiter, Umwelt und Firmenkasse

Arbeitsplatzergonomie, die Beschleunigung der Verpackungsprozesse, die Umwelt und die Unternehmenskasse profitieren häufig von ein und derselben Maßnahme. Moderne, vorgereckte kernlose Handstretchfolien können bundesweit jährlich nicht nur 7000 t Pappkerne einsparen: Sie sind schneller und deutlich einfacher ohne anstrengende Dehnung per Hand zu verarbeiten als herkömmliche Stretchfolien.

Bei ausreichendem Versanddurchsatz empfiehlt sich die Anschaffung von Stretchmaschinen. Sie beschleunigen den Verpackungsprozess nochmals erheblich und fixieren die Ware durch eine verbesserte Ladeeinheitensicherung hervorragend gegen Verrutschen und Transportschäden. Stretchmaschinen reduzieren auch das für Arbeitnehmer belastende händische Fixieren von Gütern auf Paletten im gebückten Rückwärtslauf, bei gleichzeitigem kräftigen Ziehen der Stretchfolie.

Reduzierte Verpackungsvielfalt entlastet die Beschaffungslogistik

Analysen der Verpackungsprozesse ergaben, dass sich die Verpackungsvielfalt im Schnitt um ein Drittel reduzieren lässt. Dies verringert nicht nur direkte Verpackungsmittelkosten, sondern auch den nötigen Lagerbestand an Verpackungsmaterial und entlastet die Beschaffungslogistik. Die genaue Anpassung der Verpackungen an die verwendeten Waren und Verpackungsträger wie Europaletten senkt den Bedarf an Füll- und Verpackungsmaterial und erhöht die Auslastung der Verpackungsträger. Intelligente Verpackungslösungen wie die Fixierung von Versandgütern mittels Folien in Wellpappenträgern erlauben die Vermeidung großer Mengen Füllmaterials und vieler Spezialverpackungen.

Der nächste Schritt in der Prozessoptimierung besteht für Unternehmen im „Single Sourcing“ ihres Verpackungsmaterials bei einem kompetenten Verpackungsdienstleister mit umfassendem Verpackungssortiment. Die „Lieferantenverwaltung“ reduziert sich dadurch auf die Kommunikation mit einem persönlichen Ansprechpartner, der umfassend auf die speziellen Verpackungsbedürfnisse des Unternehmens eingeht. Neben dem Kommunikationsaufwand sinken auch die Kosten, denn der persönliche Verpackungsberater kann mittels Mengenbündelungen und Jahresverträgen neue Spielräume für die Preise von Verpackungsprodukten aufzeigen.

Verpackungsdienstleister können komplettes Beschaffungsmanagement übernehmen

Große Verpackungsdienstleister bieten Gewerbekunden darüber hinaus an, als Verpackungslieferant das komplette Management der Verpackungsbeschaffung zu übernehmen – inklusive Lagerverwaltung. Nach vorab vereinbarten Regeln wie Auffüllzyklen und Mindestbeständen ermöglicht das „Vendor Managed Inventory“ den Unternehmen, sich voll auf ihre Kernkompetenzen zu konzentrieren und die Verpackungsverwaltung dem Dienstleister zu überlassen.

Selbst die Transportlogistik ist mittlerweile eine Dienstleistung vieler Verpackungsspezialisten. Warenstromanalysen und Routenoptimierungen gehören dabei ebenso zum Portfolio wie die zeitliche Optimierung von Transportprozessen und die Realisierung und Bedienung von Just-in-Time-Produktionsketten.

„Custom Packaging“, wenn Lösungen „von der Stange“ nicht ausreichen

Nicht immer schöpft die Verbesserung von Verpackungslogistik und Verpackungsprozessen alle Optimierungspotenziale aus, denn oft hält der Markt für bestimmte Waren keine spezifischen Verpackungslösungen vor. Als Komplettanbieter verfügen gute Verpackungsdienstleister daher zusätzlich über eigene Entwicklungsabteilungen und Prüflabors.

Nach genauen Kundenvorgaben werden mit modernsten CAD-Programmen exakt passende Verpackungslösungen für alle Anforderungen konstruiert und getestet. So haben die Verpackungsingenieure des Packaging Design Centers von Antalis Verpackungen bereits über 10.000 Verpackungen für Waren von Industriekunden erstellt oder modifiziert.

„Custom Packaging“ heißt das Zauberwort, wo Verpackungen von der Stange nicht ausreichen. Auch sensibelste und sperrige Waren lassen sich kostengünstig, sicher, zeit- und raumsparend transportieren, innerhalb des Unternehmens und zu Kunden. In der Hand von Spezialisten ist Verpackungsoptimierung eine industrielle Prozessoptimierung. Mit allen Vorteilen für den Produktionsprozess.

* Dipl.-Betriebsw. Tassilo Steinbach ist Geschäftsführer bei der Antalis Verpackungen GmbH in 70771 Leinfelden-Echterdingen

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