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SAP EWM Weil das „E“ den Unterschied macht

Viele Silber- und Goldpartner von SAP beschäftigen sich nach dem angekündigten Support-Ende von SAP Warehouse Management (WM) mit dem Umstieg ihrer Kunden auf SAP Extended Warehouse Management (EWM). Nicht zuletzt deswegen, weil die abgespeckte Variante von SAP WM im SAP S/4HANA – „Stock Room Management“ – ebenfalls nicht weiterentwickelt wird. SAP EWM unterstützt sämtliche Abläufe und Prozesse innerhalb der Logistikkette und ist viel leistungsfähiger als die Vorgängerlösungen. Der WM-Nachfolger bildet meist nicht nur den Istprozess 1:1 ab, sondern optimiert und digitalisiert weitere Prozesse.

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Das SAP Innovation Center in Potsdam zählt zu den besten Innovationsabteilungen der Republik. Dort arbeiten rund 200 Designer, Programmierer und Strategen.
Das SAP Innovation Center in Potsdam zählt zu den besten Innovationsabteilungen der Republik. Dort arbeiten rund 200 Designer, Programmierer und Strategen.
(Bild: SAP)

SAP kann sich bei der Erfüllung der Kundenwünsche auf seine Gold- und Silberpartner verlassen. Das aktuelle SAP-Partner-Edge-Programm basiert auf vier Kooperationsmodellen in den Bereichen Entwicklung, Vertrieb, Service und Betrieb. Insbesondere die Abkündigung des Supports für SAP Warehouse Management (WM) lässt bei den SAP-Partnern die Nachfrage nach künftigen Lösungen rasant steigen. „Eine Umstellung auf SAP Extended Warehouse Management (EWM) liegt nahe“, sagt Steffen Strüber, Senior EWM Consultant bei der Westernacher Business Consulting GmbH in Heidelberg. „Unsere Kunden sehen in diesem Schritt den Vorteil, wieder näher an den SAP-Standard zu rücken und Prozesse zu harmonisieren.“ Neben der Abbildung komplexer Prozesse mit der prozess- und layoutorientierten Lagersteuerung nennt Martin Bitz, Mitglied der Geschäftsleitung bei IO-Digital Solutions in Leonberg, auch die neuen Funktionen in EWM wie Eventmanagement, Cross Docking oder Ressourcenmanagement als Treiber für den Umstieg. „SAP EWM bietet sich darüber hinaus für die direkte Integration von Automatiklagern an, da mit der integrierten Materialflusssteuerung MFS direkt die SPS der Lagertechnik angesprochen und gesteuert werden kann“, so Bitz.

Steffen Strüber, Westernacher: „Wichtig ist, dass wir die Maximalanforderungen von 24/7 in Kombination mit kritischen Lagern abdecken können.“
Steffen Strüber, Westernacher: „Wichtig ist, dass wir die Maximalanforderungen von 24/7 in Kombination mit kritischen Lagern abdecken können.“
(Bild: Westernacher)

Viele Kunden des Beratungshauses Logiplus verfolgen nach den Worten von Geschäftsführer Thilo Matheis insbesondere das Ziel, „ihre bestehenden Logistikabläufe neu zu bewerten und zu optimieren. Denn auch wenn sich die beiden Lösungen im Produktnamen nur durch einen Buchstaben unterscheiden, sind die funktionalen Unterschiede immens.“

Standards maßvoll ergänzen

Nach ihren Beratungsschwerpunkten befragt, antwortet Daniela Oppmann, Leiterin Business Development Logistik bei der Salt Solutions AG in Würzburg: „Wir haben umfassende Erfahrungen bei Unternehmen mit hochkomplexen Anforderungen in der Supply Chain, im Konsumgüter- und Handelsbereich, in der kontinuierlichen Fertigung in den Branchen Pharma, Chemie und Baustoffe, der diskreten Fertigung sowie bei Automobilherstellern und -zulieferern.“ Die besondere Stärke ihres Supply-Chain-Management-Projekthauses sei, dass man, so weit wie möglich, auf die Standards in SAP setze und diese um das nötige Maß ergänze, so Oppmann.

Martin Bitz, IO-Digital Solutions: „Wir sind die Logistiker unter den SAP-EWM-Beratungshäusern.“
Martin Bitz, IO-Digital Solutions: „Wir sind die Logistiker unter den SAP-EWM-Beratungshäusern.“
(Bild: IO-Digital Solutions)

Auch die FIS Informationssysteme und Consulting GmbH aus dem benachbarten Grafenrheinfeld ist generell branchenunabhängig unterwegs. „Der Großteil unserer Kunden kommt aus dem Großhandel oder auch aus der produzierenden Industrie unterschiedlicher Branchen. Automotive, Chemie oder Polymerverarbeitung seien hier nur als Beispiele genannt“, sagt Matthias Hübner, der sich seit über 15 Jahren mit SAP-Themen beschäftigt und seit 2013 bei FIS die Beratung und die Entwicklung im Umfeld SAP-Lager- und Transportlogistik verantwortet. FIS besitzt seit mehr als 25 Jahren Know-how im ERP-Umfeld und optimiert den SAP-Standard mit zusätzlichen, eigenentwickelten Lösungen. „Wir agieren somit nicht nur als reines ,EWM-Beratungshaus‘, sondern bieten unseren Kunden auch umfangreiche Expertise in der SAP-S/4- sowie C/4HANA-Welt bis hin zum Support und Hosting der Systemlandschaft an“, so Hübner.

Bei IO-Digital Solutions, das über 20 Jahre SAP-Erfahrung in der Supply Chain mit Transport Management und Warehousing auszeichnet, hat sich der Kundenschwerpunkt in den letzten drei Jahren von Automotive oder diskreter Fertigung deutlich in Richtung Baustoffe, Pharmaindustrie, Lebensmittel- und Chemieindustrie verschoben. „Durch die intensive Zusammenarbeit mit unserer Muttergesellschaft IO-Consultants bringen wir mehr als 60 Jahre Logistik- und Fabrikplanungs-Know-how in die Projekte unserer Kunden ein. Wir sind die Logistiker unter den SAP-EWM-Beratungshäusern“, sagt Martin Bitz überzeugt. Die Zertifizierung mit dem Gold-Partner-Status zeige die Wertschätzung der Kunden und auch von SAP für die Qualitätsarbeit, die man abliefere.

Orientierung an den Prozessen

Kein spezielles Kundensegment im Sinn hat man bei Logiplus. „Grundsätzlich sind bei uns Unternehmen richtig, die Produkte produzieren, einkaufen, lagern und einen Bedarf an professioneller Optimierung ihrer Materialfluss- und Intralogistikprozesse haben“, sagt Logiplus-Mann Matheis. Rund 70 % seiner Implementierungen erfolgten im Zusammenhang mit Distributionslägern, etwa 30 % hätten ihren Fokus auf Produktionslogistik. „Unseren Kunden bieten wir mit ,LP PoweredEWM‘ eine Rapid Deployment Solution (RDS) für SAP EWM an, die durch vorkonfigurierte Prozesse eine Umsetzung in rund zwölf Wochen ermöglicht. Diese RDS beruht auf Best Practice, die jedoch nicht auf Branchen basiert, sondern sich an den benötigten Prozessen orientiert.“ Und auch Steffen Strüber von Westernacher stößt ins Horn der Branchenunabhängigkeit: „Wir betreuen Kunden verschiedenster Branchen. Wir sehen uns als Vorreiter in Bezug auf innovative Lösungen und haben darüber hinaus eine Reihe von Add-ons für SAP EWM entwickelt, die einen Mehrwert für viele Kunden bieten. Der Fokus liegt hierbei auf der Integration und der Benutzerfreundlichkeit“, sagt Strüber. Der „UI5 mobile skin“, der eine SAP-UI5-Oberfläche für RF-Dialoge bereitstelle und sich automatisch den Endgeräten anpasse, sei ein gutes Beispiel dafür.

Daniela Oppmann, Salt Solutions: „Mit der Übergabe eines ersten Projektes ist es der IT des Kunden meist nicht möglich, den Support in der eigenen IT zu bewältigen.“
Daniela Oppmann, Salt Solutions: „Mit der Übergabe eines ersten Projektes ist es der IT des Kunden meist nicht möglich, den Support in der eigenen IT zu bewältigen.“
(Bild: Salt Solutions)

Für viele Kunden der Gold- und Silberpartner von SAP dürfte es schwierig sein, vor dem Hintergrund Tausender fehlender IT-Spezialisten eigenes SAP-Know-how aufzubauen – ein Blick in die Stellenanzeigen zeugt von der schwierigen Situation. Obwohl es aus diesem Grund für das ein oder andere Unternehmen also schwierig sein dürfte, mit eigenem Personal zu agieren, fahren alle vorgenannten Beratungshäuser eine zweigleisige Strategie. „Mit der Übergabe eines ersten Projektes ist es der IT des Kunden meist nicht möglich, den Support in der eigenen IT zu bewältigen – sei es aufgrund noch fehlender Erfahrung mit dem System oder mangelnder Kapazitäten“, schildert Oppmann die Situation. Daher bietet Salt Solutions flexible und kurzfristige Service Level Agreements (SLA) an, um die Kunden-IT stufenweise durch einen Know-how-Transfer in die Lage zu versetzen, Application Management Services und Support inhouse zu erledigen. „Wir bieten variable Service-Volumina, die sich ganz nach dem aktuellen Bedarf des Kunden richten.“ Langfristig empfiehlt Salt Solutions seinen Kunden aber, Applications Management Services und Support auszulagern, um fehlende interne Kapazitäten zu kompensieren.

Orientierung an den Prozessen

Um das nötige Verständnis für kommende Prozessdefinitionen und -varianten herzustellen, beginnt auch FIS bereits zu Projektbeginn, seine Kunden direkt mit dem System in Verbindung zu bringen. „Bis zur Produktivsetzung hat der Kunde somit die Möglichkeit, einen eigenen Support zu etablieren“, sagt Matthias Hübner. Dem Kunden bleibe somit am Ende die Entscheidung, welche Unterstützung beziehungsweise welcher Supportlevel nach Produktivsetzung in Anspruch genommen werden soll. „Wir bieten vom First bis zum Third Level unterschiedliche und individuelle Varianten an, und dies nicht nur im SAP-EWM-Umfeld.“ Meist werde aufgrund schlanker IT-Abteilungen ein langfristiger Support-Vertrag vereinbart – nicht nur für das sogenannte Incident-Management (Fehler-/Problemanalysen), sondern auch zum weiteren Systemausbau und der Umsetzung von Changes.

Thilo Matheis, Logiplus: „Grundsätzlich sind bei uns Unternehmen richtig, die Produkte produzieren, einkaufen, lagern und einen Bedarf an professioneller Optimierung ihrer Materialfluss- und Intralogistikprozesse haben.“
Thilo Matheis, Logiplus: „Grundsätzlich sind bei uns Unternehmen richtig, die Produkte produzieren, einkaufen, lagern und einen Bedarf an professioneller Optimierung ihrer Materialfluss- und Intralogistikprozesse haben.“
(Bild: Logiplus)

Für Martin Bitz von IO-Digital Solutions fördert eine starke Beteiligung des Kunden zwar den Projekterfolg und die Kundenzufriedenheit, „sodass wir hier den Kunden in jeder Beziehung unterstützen. Unser 24/7-Support-Konzept setzt zur Normalarbeitszeit meist auf einem Third Level Support durch IO-Digital Solutions zur Unterstützung des First und Second Level Support durch den Kunden auf.“ Während der Nacht und am Wochenende vertraue der Kunde aber häufig stärker auf externen Support.

Langfristig zufriedene Kunden stehen im Vordergrund

Auch bei Westernacher richtet man sich bei der Kardinalfrage „make or buy“ an den Bedürfnissen und internen Kapazitäten seiner Kundschaft aus. „Wir haben Kunden, die wir durch Trainings dazu befähigen, eigene Verantwortung bei EWM-Implementierung und für den Support zu übernehmen. Andere Kunden möchten selbst nur einen Teil oder keine Support-Tätigkeit übernehmen“, so Steffen Strüber. Deshalb biete man maßgeschneiderten Support an und sei darauf eingestellt, sich den wechselnden Bedürfnissen seiner Kunden anzupassen. „Wichtig ist, dass wir die Maximalanforderungen von 24/7 in Kombination mit kritischen Lagern abdecken können“, resümiert Strüber.

„Da für uns zufriedene Kunden und eine langfristige Partnerschaft im Vordergrund stehen, richten wir als Trusted Advisor unsere Herangehensweise ganz gezielt an der speziellen Kundensituation und dem Kundenwunsch aus“, beantwortet Thilo Matheis von Logiplus die Frage nach dem Aufbau kundenseitigen Know-hows. So habe er Kunden, die aufgrund von Ressourcenengpässen oder der Schwierigkeit, geeignetes SAP- und IT-Personal zu finden, die externe Unterstützung von Logiplus benötigten. Oder Unternehmen hätten die strategische Entscheidung getroffen, keine eigenen SAP- und IT-Ressourcen im Haus aufzubauen, beispielsweise da es „im Zuge der akzelerierenden Digitalisierung“ kaum noch möglich sei, mit eigenen Ressourcen Schritt zu halten. „In all diesen Fällen bieten wir maßgeschneiderte Support-Verträge an“, so der Logiplus-Geschäftsführer.

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