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Lagertechnik Wenn aus lässig unzulässig wird, drohen Regalunfälle

Im rauen Lageralltag kommt es schnell zu kleinen Unfällen. Ein Gabelstapler rammt ein Fachboden-, Paletten- oder Kragarmregal und sorgt für einen dauerhaften Schaden. Der verantwortungsvolle Lagerbetreiber sucht dann nach einer kostengünstigen Lösung — doch bei der Wahl der Reparaturmethode ist Vorsicht geboten.

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Gefahrenzone: Einstürzende Regale im Lager sind eine Gefahr für Leib und Leben von Mitarbeitern. Bild: VLB
Gefahrenzone: Einstürzende Regale im Lager sind eine Gefahr für Leib und Leben von Mitarbeitern. Bild: VLB
( Archiv: Vogel Business Media )

Auf diesen Umstand weist der Verband für Lagertechnik und Betriebseinrichtungen (VLB) hin. „Beschädigte Bauteile einfach auszubeulen, wie es von Schlossern immer wieder angeboten und von der zuständigen Berufsgenossenschaft geduldet wird, ist keine Alternative“, betont Verbandsgeschäftsführer Dr. Thomas Sowa.

Lokale Reparatur beschädigter Regale nicht gestattet

Die Betriebssicherheitsverordnung schreibt vor, dass Regale als Arbeitsmittel regelmäßig durch hierzu befähigte Personen zu überprüfen sind. Die europäische Norm 15635 aus dem Jahr 2009 fordert einmal im Jahr eine Kontrolle auf Stabilität und Sicherheit. Werden nun bei einer Regalinspektion beschädigte Bauteile gefunden, kommt es in vielen Unternehmen schell zur Überlegung, die Schäden lokal reparieren zu lassen.

Doch genau das ist laut der Norm nicht zulässig – die europäischen Experten warnen sogar explizit vor diesem Vorgehen. In Artikel 9.7.1 der Vorschrift heißt es: „Beschädigte Bauteile sollten nicht repariert, sondern ausgetauscht werden.“

Streit mit Berufsgenossenschaft um Regal-Sicherheit

Die europäische Formulierung wurde aus Sicherheitsgründen so vorgenommen, weil derzeit noch keine wissenschaftlichen Untersuchungen vorliegen, die Auskunft über das Verhalten reparierter Regalbauteile geben. Eine Gefährdung von Lagerarbeitern oder — schlimmer noch —, eine Gefährdung von Kunden in Baumärkten oder SB-Möbelhäusern, wo die Regale mit Tonnen schweren Lasten stehen, soll von vorneherein ausgeschlossen werden. „In einer solchen Situation ist es wichtig, auf Nummer sicher zu gehen, statt Gefahren für Leib und Leben zu riskieren“, erklärt VLB-Geschäftsführer Sowa.

Deutliche Kritik äußert der Verband an der Berufsgenossenschaft Handel und Warendistribution. Sie fordere von Schlossern einen rechnerischen Nachweis über die Stabilität der Regale nach dem Ausbeulen, den diese aber nicht erbringen könnten, da selbst europäische Wissenschaftler noch keine Daten dazu vorgelegt haben. Trotzdem lasse die Berufsgenossenschaft die Schlosser munter agieren.

Regalreparatur unter Volllast bedeutet volles Risiko

Wie aus einem Schreiben an die Gütegemeinschaft Lagertechnik und Betriebseinrichtungen hervorgeht, dürften die Handwerker defekte Regalbauteile mit Zustimmung der Berufsgenossenschaft sogar unter Volllast richten. Verbandsgeschäftsführer Sowa: „Die Berufsgenossenschaft hat die Aufgabe, Arbeitsbedingungen so zu definieren, dass Arbeitsunfälle verhindert werden. Regalbauteile unter Tonnen schwerer Last zu reparieren, bedeutet volles Unfallrisiko und sollte umgehend verboten werden.“

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