Lagertechnik AKL auf Perfektionskurs

Autor / Redakteur: Reinhard Irrgang / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Wenn es um schnellen Zugriff, Lager- und Logistikqualität, zuverlässige Pufferfunktionen und hohe Verfügbarkeiten bei Eigenschaften wie Transparenz, Flexibilität und Modularität geht, all dies bei großen Kapazitäten bis zu zigtausend Stellplätzen, erweisen sich automatische Kleinteile- und Behälterlager, kurz AKL, als lagertechnische Spitzenreiter der Intralogistik.

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AKL-Leistungen wie Durchsatz, Verfügbarkeit und Flexibilität haben für die Anwender nach wie vor höchste Priorität. Bild: SSI Schäfer
AKL-Leistungen wie Durchsatz, Verfügbarkeit und Flexibilität haben für die Anwender nach wie vor höchste Priorität. Bild: SSI Schäfer
( Archiv: Vogel Business Media )

Wir erhalten Anfragen aus den unterschiedlichsten Branchen, und es ist nicht zu erkennen, dass sich eine Branche speziell auf AKL fokussiert“, so Dipl.-Ing. Dipl.-Wirtsch.-Ing Rainer Joost, Vertrieb bei Vanderlande Industries, Mönchengladbach, und er nennt Anwender und Interessenten aus Bereichen wie Automobilindustrie, Logistikdienstleister, Befestigungstechnik und Modeindustrie. Auch für Dipl.-Wirtsch.-Ing. Volker Welsch, Vertriebsleiter und Prokurist der PSB, Pirmasens, „lässt sich zur Zeit keine aktive Branche ermitteln, die grundsätzlich keinen Bedarf an AKL-Regalbediengeräten hätte“, wobei „derzeit mehr Systeme in der Distribution als in der Produktion“ realisiert würden. „Anfragen aus den unterschiedlichsten Branchen“ verzeichnet auch Dipl.-Ing. Georg Müller, Vertriebsleiter für Deutschland, Benelux und Österreich bei der Knapp Logistik Automation im österreichischen Hart bei Graz.

„Die meisten Anfragen nach AKL-Systemen kommen aus den Branchen Handel und Versandhandel“, konstatiert Dipl.-Ing. Peer Allef, Leiter Vertrieb Anlagenbau bei SSI Schäfer, Neunkirchen, für sein Unternehmen. Jürgen Hartmann, Ressortleiter Vertrieb bei Viastore Systems, Stuttgart, nennt „Automotive und Handel“, und Dipl.-Ing. Rudolf Hansl, Geschäftsführer der TGW in Wels (Österreich), charakterisiert die Branchenanwendungen als „sehr weit gestreut und sehr ausgeglichen verteilt“ und nennt Handel, insbesondere Lebensmittelhandel, Textilindustrie, Großhandel, Logistikdienstleister, aber auch Archive und Bibliotheken als Anwender.

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Anfragen aus zahlreichen Branchen

Michael Fritz, Leiter Vertrieb AKL und Leiter der Projektabteilung bei der Bito-Lagertechnik, Meisenheim, erhält die meisten Anfragen nach AKL-Systemen aus den Branchen Pharma, Lebenmittel und Automobilzulieferer. Und Dipl.-Ing. Kurt G. Hager, General Manager der Daifuku Europe, Mönchengladbach, verzeichnet die meisten Anfragen in den Bereichen Ersatzteile für die Automobilindustrie und für die Elektronikbranche.

Hinsichtlich der eingesetzten Ladungsträger führen die Behälter sehr deutlich vor Tablaren. „Rund 80% der Anfragen und realisierten Anlagen betreffen Behälterlager“, betont Joost. Diesen Trend beobachten auch die Verantwortlichen von Bito, Daifuku, Schäfer und Knapp. Jürgen Hartmann, Viastore, nennt „Behälter-RBG, insbesondere für doppelttiefe Lagerung“.

Für TGW konstatiert Rudolf Hansl: „Bei unseren Kunden überwiegen die doppelttiefen Behälterlager, die vor allem durch hohe Leistungszahlen überzeugen. Meistens setzen wir in diesen Bereichen die RBG des Typs Mustang in Kombination mit dem Lastaufnahmemittel Kombiteleskop ein, um sehr dynamische Lageranwendungen zu realisieren“.

Nachfrage nach Karton-AKL steigt ebenfalls

Aber auch Karton-AKL werden mehr nachgefragt, wie Hansl betont: „Wir bemerken vermehrt einen Trend zum automatischen Direkt-Handling von Kartons als Ladehilfsmittel in Fachbodenregalen. Für diese Anwendungen rüsten wir unsere RBG Mustang und Stratus mit Lastaufnahmemitteln der Twister-Familie aus, die Kartons formschlüssig im Fachbodenregal manipulieren können.“

Und wie Peer Allef von SSI Schäfer unterstreicht, werden zwar „eindeutig Behälter-AKL bevorzugt, aber die in den letzten Jahren auch häufig projektierten Kartonagen-AKL stellen höchste Anforderungen unter anderem an das Lagergut, den eigentlichen Karton. Da dieser in einem solchen AKL ohne Ladehilfsmittel gehandelt wird, muss der Karton dauerhaft greif-, lager- wie auch förderfähig sein.“ Wie er weiter betont, ist „in diesem Zusammenhang besonders die Disziplin der Zulieferanten sehr wichtig, qualitativ hochwertige und geeignete Kartonagen zu verwenden.“

Anwender fordern Durchsatz, Verfügbarkeit und Flexibilität

Welche Eigenschaften von AKL liegen nun im Trend beziehungsweise werden von den Kunden am häufigsten nachgefragt? Hier rangieren Faktoren wie hoher Durchsatz und Verfügbarkeit weit vorne, wie Kurt Hager betont: „Ganz klar, höchste Verfügbarkeit und höchster Durchsatz, das sind die beiden Hauptargumente.“ Laut Georg Müller sind „maximaler Durchsatz bei minimalem Platzbedarf und hoher Leistungsdichte auf jeden Fall ein Zukunftstrend.“ Und die Kunden von Peer Allef „fragen verstärkt nach Durchsatz, Verfügbarkeit und Flexiblität.“

Laut Jürgen Hartmann „liegen doppelttiefe Lagerung sowie Hochleistungskommissionieranlagen wie das High Performance Picking System von Viastore im Trend“, wobei „alle Anlagen hinsichtlich Erweiterbarkeit jederzeit skalierbar sind.“ Wie Rudolf Hansl berichtet, „automatisieren die meisten Kunden der TGW ihr Lager, damit sie die Leistungen steigern, ihre Systemkosten optimieren oder ein notwendiges Wachstrum realisieren können.“ Deshalb sei die „hohe Dynamik unserer Regalbediengeräte ein wesentlicher Vorteil bei der Investitionsentscheidung“. Zudem spielten die geringen Wartungskosten eine wichtige Rolle.

Wirtschaftlichkeit wichtigster Aspekt

Wie alle Befragten betonen, spielt die Wirtschaftlichkeit der AKL-Systeme bei der Investition, im täglichen Betrieb wie über die gesamte Lebendauer gesehen, eine zentrale Rolle. Laut Hansl wird „bei der Investitionsentscheidung insbesondere die Wirtschaftlichkeit über die gesamte geplante Nutzungsdauer des Automatiklagers sehr hoch bewertet.“ Wie Volker Welsch erläutert, „müssen die Anlagen wirtschaftlich arbeiten, denn nur wirtschaftlich rechenbare Investitionen werden auch beauftragt.“

Für Rainer Joost sind die „Life-Cycle-Costs sehr wichtig“, bei denen der Kunde neben dem Einstands-Invest auch die Kosten für Stromverbrauch, Service und Wartung bdetrachtet. Wie Georg Müller betont, „spielen Faktoren wie die Wirtschaftlichkeit, besonders in Bezug auf die Energieoptimierung und -rückspeisung sowie eine einfache Wartung eine wichtige Rolle bei der Entscheidungsfindung des Kunden.“

Angesichts der dynamischen und sich stetig verändernden Märkte ist zudem die möglichst unkomplizierte Veränderungs- und Erweiterungsmöglichkeit der AKL-Anlagen von Bedeutung. Wie Welsch betont, „ändern sich die Geschäftsprozesse unserer Kunden heute in sehr kurzen Rhythmen; daher bereiten wir unsere Technik bereits heute möglichst flexibel vor, um diesen Veränderungen in Zukunft Rechnung tragen zu können.“

Vanderlande Industries baut hinsichtlich der Zukunftssicherheit für die Kunden auf die Modularität seiner Systeme. So konnte beispielsweise beim „Projekt für Stute im nachhinein die Leistung deutlich erhöht werden“, wie Joost erläutert, „indem wir mit entkoppelten Lastaufnahmemitteln die Durchsatzleistungen um 40% steigern konnten.“

AKL-Systeme für Flugzeugteile, Medikamente und Drogerie-Artikel

Ein Blick auf einige aktuelle AKL-Projekte und Systemtechniken illustriert die vielfältigen branchenübergreifenden Einsatzmöglichkeiten: So hat beispielsweise Vanderlande Industries für die Stute-Verkehrs-GmbH die Materialwirtschaftszentren in Hamburg und Bremen mit hochleistungsfähigen Lagersystemen ausgestattet.

Im Airbuswerk in Bremen werden unter anderem die Landeklappen für alle Airbus-Typen montiert sowie die Flügel für die Typen A300, 310, 330 und 340 ausgerüstet. Versorgt werden die Produktionszentren vom 8000 m2 großen Materialwirtschaftszentrum (MWZ), das die Stute-Verkehrs-GmbH konzipiert hat. Herzstück des MWZ ist ein 4-gassiges AKL des Typs Compact-Picksystem von Vanderlande mit 33 000 Stellplätzen für doppelttiefe Lagerung, das von Variostore-RBG mit einer Leistung von jeweils 130 Doppelspielen/h bedient wird.

SSI Schäfer baut größtes Logistikcenter Dänemarks

Für den dänischen JYSK-Konzern, in Deutschland mit der Marke „Dänisches Bettenlager“ präsent, wird SSI Schäfer bis Ende 2008 das größte Logistikcenter Dänemarks realisieren. Die Leistungen umfassen neben drei Hochregallagern mit insgesamt 134700 Palettenstellplätzen auch zwei AKL mit 30000 Tablarstellplätzen und 12 RBG.

Und im US-Bundesstaat South Carolina nimmt derzeit das neue Distributionszentrum der Drugstore-Kette Walgreens Co. mit mehr als 500000 Stellplätzen für Paletten und Behälter seinen Betrieb auf; unter anderem installierte SSI Schäfer mehr als 100 Horiziontal-Karusselle des Schäfer-Carousel-Systems (SCS) für die dynamische Bereitstellung von Behältern, „eine in diesen Dimensionen bislang einmalige Anwendung“.

Viastore Systems präsentierte auf der Logimat 2007 ihr neues High Perforamnce Picking System (HPPS) für „besonders schnelle, effektive und ergonomische Auftragskommissionierung.“ Im Vergleich zu manuellen Systemen lassen sich mit dem HPPS bis zu 70% der Lagerfläche einsparen.

Nach der erfolgreichen Premiere in den USA wird Knapp Logisitk-Automation ihr neues AKL-System „Spider“ in Europa erstmals Mitte März auf der Messe IMHX in Brimingham präsentieren. Spider ist ein modulares Lagersystem für die vollautomatische Ein- und Auslagerung von Behältern und Kartons, wobei bis zu vier Systemmodule mit RBG übereinander installiert werden können. Wie Knapp meldet, kann das System bei Höhen von 3 m bis zu 24 m „mit so vielen Gassen wie nötig ausgestattet werden und läßt sich durch die Skalierbarkeit optimal an vorhandene bauliche Gegebenheiten anpassen.“

Der Papierschneidemaschinen-Hersteller Polar hat in seinem Hauptwerk in Hofheim für die zentrale Versendung der Ersatzteile in alle Welt ein neues Logistikzentrum eingerichtet, in dem das neue Satelliten-Kommissioniersystem von Westfalia Storage Systems eingesetzt wird. Kernstück der Anlage bildet ein AKL mit rund 3400 Tablar-Stellplätzen, die von einem Satelliten-RBG bedient werden. Mit dem Fahrzeug lassen sich 174 Tablare im Einzelspiel oder 87 im Doppelspiel mit maximal 300 kg Gewicht bewegen.MM

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