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Schiffsantriebe Erstes LNG-Schiff im Hamburger Hafen

LNG ist auch in Hamburg der Stoff, aus dem die Träume sind. Mit Liquefied Natural Gas (LNG) betriebene Schiffe stoßen im Vergleich zum Diesel knapp 90% weniger Stickoxide und bis zu 20% weniger Kohlendioxid aus. Im Hamburger Hafen wurde jetzt das erste LNG-betriebene Schiff begrüßt.

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Die KV Barentshav der norwegischen Küstenwache ist das erste flüssiggasbetriebene Schiff, das den Hamburger Hafen angesteuert hat.
Die KV Barentshav der norwegischen Küstenwache ist das erste flüssiggasbetriebene Schiff, das den Hamburger Hafen angesteuert hat.
(Bild: HHM)

Am 19. Juni 2012 lief die mit verflüssigtem Erdgas (LNG) betriebene KV Barentshav am Anleger der Überseebrücke ein. Das Schiff gehört zur Flotte der norwegischen Küstenwache und wird unter anderem für Fischereikontrollen, Seenothilfe, Polizeiaufsicht und Umweltkontrollen innerhalb der norwegischen Seegrenze eingesetzt.

Die Besonderheit des Schiffes ist sein umweltfreundlich betriebener Motor: Anstelle von Dieseltreibstoff wird die KV Barentshav unter Normalbedingungen durch Flüssigerdgas (LNG) angetrieben. Anlass des dreitägigen Besuchs war die Fachkonferenz „LNG – the Norwegian Experience“, die von der Deutsch-Norwegischen Handelskammer gemeinsam mit Innovation Norway und der Klassifikationsgesellschaft DNV Germany in Hamburg veranstaltet wurde.

Zwei Maschinenräume für Gas- und Dieselbetrieb

Der Antrieb der KV Barentshav erfolgt über einen Propeller, der entweder mechanisch über das Haupttriebwerk oder Gas-elektrisch durch einen Elektromotor betrieben wird. Dafür stehen zwei Maschinenräume und Tanks bereit: Einer für den Diesel- und einer für den Gasbetrieb mit LNG. Die vier mit Gas betriebenen Maschinen, die Strom für den Elektromotor produzieren, starten und stoppen automatisch je nach Strombedarf. Der Dieselmotor kommt nur zum Einsatz bei Schlepp-Arbeiten und besonderen Fahrten unter Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 20 Knoten. Die 93,0 m lange und 16,6 m breite KV Barentshav bietet eine Tragfähigkeit von 4000 Bruttoregistertonnen (BRT) und ist mit einer Zuglast von 100 t in der Lage, einen 150.000-t-Tanker im Sturm zu halten.

Vor dem Hintergrund, die Schifffahrt umweltfreundlicher zu gestalten, spielt LNG eine wichtige Rolle, da Erdgasantriebe den Ausstoß von Stickoxiden im Vergleich zum Diesel um knapp 90 % und den von Kohlendioxid um bis zu 20 % verringern. Schwefeldioxid- und Feinstaubemissionen entfallen beim LNG-Betrieb nahezu komplett, zudem verringert sich der Verschleiß der Motoren und senkt damit die Betriebskosten. Im Zuge der ab 2015 geltenden Regelungen zu eingeschränkten Grenzwertvorschriften für Schwefelemissionen in SECA-Gebieten (Sulphur Emission Control Area), wozu auch die Nord- und Ostsee zählen, sucht die Schifffahrtsbranche verstärkt nach alternativen Treibstoffen.

Machbarkeitsstudie für LNG im Hamburger Hafen

In Hamburg hat man die Wichtigkeit des ökonomisch und ökologisch sinnvollen alternativen Brennstoffes erkannt. Die Hamburg Port Authority und die Linde Group wollen den Einsatz von LNG fördern und erstellen zurzeit eine Machbarkeitsstudie zum wirtschaftlichen Einsatz von LNG im Hamburger Hafen. Auf Grundlage der Untersuchungsergebnisse könnten dann konkrete Infrastrukturprojekte, wie beispielsweise eine LNG-Bunkeranlage, im Hamburger Hafen begonnen werden.

„Der Hamburger Hafen soll eine Spitzenposition hinsichtlich Umweltfreundlichkeit und Effizienz einnehmen. Antriebe mit verflüssigtem Erdgas werden zukünftig eine Rolle spielen. Nun müssen wir in weltweiter Zusammenarbeit die Standards und Grundlagen für die notwendige Infrastruktur schaffen. Der Hamburger Hafen spielt eine enorm wichtige Rolle als Feederhafen für die Ostsee, daher arbeiten wir an den Voraussetzungen, um die notwendige LNG-Infrastruktur in Hamburg zu schaffen. Wir prüfen auch zukünftig, Neubauten für unsere eigene Flotte mit LNG-Technik auszurüsten“, so HPA-Geschäftsführer Jens Meier.

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