Digitale Transformation

Logistik 4.0 und die digitale Zukunft – Hype oder Realität?

| Autor / Redakteur: Andreas Seidel / Jonas Scherf

Ist der Mensch in der Veränderung alleine gelassen?
Ist der Mensch in der Veränderung alleine gelassen? (Bild: Seidel)

Braucht die Logistik der Zukunft noch Menschen? Die Verunsicherung geht in Anbetracht vieler vorgestellter Zukunftsvisionen um. In dieser Beitragsreihe soll diese Frage sachlich genauer beleuchtet werden.

Die Digitalisierung schreitet voran und führt gleichzeitig zu großen Verunsicherungen. In einer repräsentativen Umfrage kannten fast 80 % der Befragten weder die Begriffe Industrie 4.0 oder Internet der Dinge, nur knapp 8 % konnten ansatzweise ihre Bedeutung beschreiben.

Auf der anderen Seite ist Digitalisierung auch immer wieder als Hype der IT- und Beraterbranchen beschrieben worden, die sehr viel von ihren Ideen, wenig aber von der Anwendbarkeit verstehen. Grund genug für eine vorläufige Bestandsaufnahme.

Ein wesentliches Grundprinzip der Logistik ist ihre Eigenschaft der Vernetzung von Leistungen. Kernbegriffe sind logistische Kette oder Supply Chain. Hieraus ergibt sich ein erster Ansatzpunkt. Schaut man genauer auf die Dynamik der Digitalisierung, wie dies jüngst auch das Weltwirtschaftsforum in einem Sondergutachten festgestellt hat, dann geht der Schwerpunkt der Förderung digitaler Innovationen in die Entwicklung von Insellösungen, nicht in vernetzte Anwendungen.

Daten – Ein unterschätzter Faktor

Tatsächlich scheitert die Umsetzung vieler innovativer digitaler Produkte entweder am schlichten Mangel valider Inputdaten und/oder an deren mangelnder Konnektivität, sprich diese organisatorisch wie auch technisch auf gemeinsamen Standards auszutauschen. So hat sich z.B. ein namhafter Geräte- und Anlagenhersteller der SHK-Branche selbst ein straffes 8 Jahresprogramm verordnet, die interne produktbezogene Datenerzeugung und -verwendung von der Entwicklung bis zum After Sales auf eine einzige Datenplattform zu überführen, um wirklich konsequent Industrie und Logistik 4.0 realisieren zu können. Diese Herausforderung wird leider vielfach unterschätzt.

Modellanwendungen sind oft solche, bei denen für ein oder zwei Produkte ein Werk auf der grünen Wiese erstellt wurde. Ein (logistisches) Lifecycle-Management ist in den Konzepten schlicht nicht vorgesehen. Bestes Beispiel ist das Fairphone, dass mit dem Anspruch auf ein nachhaltiges Smartphone angetreten ist und schon jetzt bei Generation 2 die Ersatzteilversorgung für die 1. Generation nicht mehr sicherstellen kann. Solche Entwicklungen sind aber für ganzheitliche Produktions- und Logistikkonzepte schlicht untauglich. Logistik bedeutet auch Nachhaltigkeit.

Mangelnde Schnittstellen, Protokolle und gemeinsame Lösungen

Jetzt erst beginnt die Industrie sich auf gemeinsame Schnittstellen und Protokolle für den Datenfluss zwischen Maschinen und Akteuren zu verständigen. Auch hier ist unmittelbar die Logistik involviert, die solche Informationen in der Supply Chain aufnehmen und weitergeben muss. Sie ist von den Herstellern abhängig.

Ein weiteres Problem der Konnektivität in der Logistik sind neben logischen Standards auch Physische. So hängen z.B. viele digitale Innovationen an intelligenten Behältern und Ladungsträgern (Paletten). Diese sind wieder wirtschaftlich abhängig von Poolsystemen, an denen sich viele Unternehmen beteiligen und so ein Tausch- und Kreislaufsystem ermöglichen.

Dies führt zu Innovationen in der Sackgasse. Bislang hat man daraus wenig Lehren gezogen. Statt endlich das eigentliche Problem der Umsetzung von Technologie anzupacken, setzt man bislang noch immer darauf, Pioniertechnologien zu fördern, die andere Pioniertechnologien schon wieder ablösen, bevor diese überhaupt Marktreife oder Marktdurchdringung erreicht haben.

Ausblick

Die Digitalisierung stellt sich hier gegenwärtig selbst ein Bein. Dies allein ist noch kein Grund generell Entwarnung zu geben. Die Herausforderung an die Mitarbeiter in der Logistik wird sein, auch als »Grenzgänger« die komplexere digitale Welt zu beherrschen. Im zweiten Teil dieser Reihe soll daher näher darauf eingegangen werden, welche Rolle der Flexibilitätsfaktor Mensch gegenüber intelligenten Maschinen in der Logistik hat. Im dritten Teil wird betrachtet, wie sich Logistikkonzepte in einer digitalen Umwelt verändern, welche Auswirkungen z.B. das Ziel Losgröße 1 oder der Trend zum Online-Shoppen haben.

Lesen Sie jetzt auch die weiteren Artikel der Reihe "Logistik 4.0 und die digitale Zukunft":

Kommentare werden geladen....

Wertvolle Kommentare smarter Leser

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.