Lagertechnik

Platz sparen im Lager mit Verschieberegalen

22.01.2008 | Autor / Redakteur: Reinhold Schäfer / Reinhold Schäfer

Eine Besonderheit der Schwerlast-Verschieberegal-Generation ESX ist die Staplererkennung für eine automatisierte Gassenfreigabe und damit höhere Umschlagleistung.Bild: SSI Schäfer
Eine Besonderheit der Schwerlast-Verschieberegal-Generation ESX ist die Staplererkennung für eine automatisierte Gassenfreigabe und damit höhere Umschlagleistung.Bild: SSI Schäfer

Flexible Lagerhaltung und die maximale Ausschöpfung des vorhandenen Raums bei größtmöglicher Produktionsfläche sind die Grundbedingungen, die Betreiber von Lagern an die Lagertechnik stellen. Automatische Verschieberegale sind eine Möglichkeit, Platz einzusparen und die Logistikabläufe zu optimieren.

Für den Betreiber eines Lagers gibt es nichts besseres, als Platz einzusparen. Denn jeder Quadratmeter, den ein Lager aus Kapazitätsgründen größer werden muss, kostet bares Geld. Dazu kommt: Jeder Kubikmeter umbauter Raum muss beheizt oder gekühlt werden. Geht es darum, Lagerfläche optimal zu nutzen oder die Flächenbelegung zu reduzieren, bietet sich der Einsatz verfahrbarer Regalanlagen an. In kleineren Archivanlagen werden diese oft per Hand bedient. Große schwere Regalanlagen, wie sie in der Industrie verwendet werden, sind motorbetrieben.

„Das entscheidende Argument für den Einsatz eines automatischen Regalsystems ist die Erhöhung der Lagerkapazität um etwa 110%. Anders ausgedrückt: Lagerbetreiber mit automatischen Verschieberegalen gewinnen im Vergleich zu stationären Anlagen etwa doppelt soviel Platz“, sagt Christoph Schöttler, Bereichsleiter Dynamik und Entwicklung bei der Meta-Regalbau GmbH & Co. KG in Arnsberg. Im Vergleich zu einem herkömmlichen Lager sei es so, dass sich die Entfernungen, die Staplerfahrer zurücklegen, verkürzen. So werde die Umschlaggeschwindigkeit der Waren erhöht.

Logistischer Einsatzzweck von Regalen steht heute im Vordergrund

Für Jan Sperling, Produktbereichsleiter für Schwerlastregale der Bito Lagertechnik Bittmann GmbH in Meisenheim gibt es hinsichtlich des Einsatzes von automatischen Verschieberegalen keine Einschränkungen: „Palettenregale, Kragarmregale – sogar Stückgut-Durchlaufregale hat Bito schon verfahrbar gemacht! Denn sobald schweres Lagergut in langen Regalreihen eingelagert wird, ist eine Verfahranlage nicht mehr manuell zu bedienen.“ Sperling erläutert weiter, dass die Berufsgenossenschaftliche Richtlinie BGR 234 vorschreibt, dass ab einer Wagenlast von über 5000 kg ein „Kraftantrieb“ vorhanden sein muss.

Roland Fischer, Gruppenleiter Vertrieb Verschieberegale bei SSI Schäfer in Neunkirchen, ergänzt: „Bei Verschieberegalsystemen war früher der Raumspareffekt ausschlaggebend für eine Investition in diese Technik. Deshalb ging es in den Ursprüngen dieses Systems um reine Archivlagerung. Heute steht mehr der logistische Einsatzzweck im Vordergrund. Deshalb kommen stetig neue Einsatzbereiche hinzu und die Verschieberegaltechnik wird automatisiert.“

Automatische Verschieberegale für den Lebensmittelbereich

Diesem Punkt stimmt Dipl.-Ing. Manfred Volkmann, Leiter der Abteilung Key Account Management der Stow Deutschland GmbH, Niederlassung Nord in Seevetal, zu: „Überall, wo Lagervolumen teuer zu erstellen und zu unterhalten ist, zum Beispiel in Kühlhäusern und immer dann, wenn trotz hoher Lagerdichte ein Einzelplatz-Zugriff erforderlich ist wie zum Beispiel in der Ersatzteil-Bevorratung, eignen sich automatische Verschieberegale.“

„Gerade im Lebensmittelbereich ist der Einsatz von automatischen Verschieberegalen ideal“, unterstreicht Christoph Schöttler von Meta. „Insbesondere für Tiefkühlprodukte, die aus Gründen der Energie- und Betriebskostenersparnis am besten platzsparend gelagert werden, bieten sich automatische Verschieberegale wie zum Beispiel das Meta Multibloc an. Diese Regalsysteme garantieren durch ihre Mobilität effiziente Logistikabläufe. Auch Lagerartikel, auf die einzeln zugegriffen werden muss, können ausgezeichnet in Verschieberegalen gelagert werden, weil hier die sonst ungenutzten Gänge und Fahrgassen zu Lagerflächen werden.“

Komplett automatisiertes Verschieberegal-System

Einen Schritt weiter in der Entwicklung automatisierter Verschieberegale ging SSI Schäfer im Herbst 2005, als man erstmalig und als einziger Anbieter weltweit ein automatisiertes Verschieberegal in Verbindung mit einem Schmalgangstapler vorstellte. Nur wenige Monate nach seiner Markteinführung erhielt das System eine Auszeichnung: In der Kategorie „Beschaffen – Fördern – Lagern“ konnte sich die Weltneuheit als „Bestes Produkt 2006“, ausgewählt von einer Jury der Messe Logimat, durchsetzen. Heute ist SSI Schäfer auf dem Gebiet der automatisierten Verschieberegaltechnik weltweit führend. Als einziger Anbieter bietet SSI komplette, automatisierte Verschieberegalsysteme mit Regaltechnik, Fahrwagen und Steuerung aus einer Hand an.

Automatische Verschieberegale sind nach Aussage von Fischer nicht auf bestimmte Branchen, Einsatzzwecke oder Produktgruppen fixiert. „Weil aber der gesamte Materialfluss beim automatisierten Verschieberegal von SSI Schäfer mannlos abläuft, eignet sich diese neue Technik hervorragend für den Einsatz in Kühl- und Tiefkühllagern“, so Fischer.

Den entscheidenden Vorteil sieht Roland Fischer darin, dass beim automatisierten Verschieberegal mit dem Einsatz von Schmalgangstaplern im Vergleich zu nicht-automatisierten Verschieberegalen eine um 50% geringere Öffnungsbreite des Bediengangs genügt: „Die Ein- und Auslagerungsprozesse erfolgen schneller und vor allem kontinuierlich.“ Die Entkopplung von manuellen Funktionsflächen und automatisierten Lagerbereichen ermögliche eine optimale Anpassung an die logistischen Abläufe im Lager und steigere darüber hinaus die Sicherheit.

Gesteuerte Regal-Anlage erhöht Umschlaggeschwindigkeit

„Davon abgesehen, dass ein manuelles Handling ab einem bestimmten Gewicht nicht mehr möglich ist, hat eine elektronisch gesteuerte Anlage weitere Vorteile“, ist sich Jan Sperling sicher und fährt fort: „Sie spart Zeit, weil die Anlage über Fernsteuerung vom Stapler bedient werden kann und für die Mitarbeiter ergibt sich eine verbesserte Ergonomie. Zudem sei es so, dass eine Schnittstelle zur Lagerverwaltungssoftware möglich ist, womit sich eine weitere Erhöhung der Umschlagsgeschwindigkeit ergebe.

Verschieberegal-Systeme sind schon jetzt weitgehend ausgereift

Christoh Schöttler ist der Meinung, dass die Verschieberegal-Systeme schon jetzt sehr ausgereift sind: „Die Wagen fahren stoß- und lastfrei an und bremsen automatisch ab. Entwicklungspotenzial sehe ich, wenn überhaupt, ausschließlich im Bereich der Steuerung.“ Ergänzend merkt dazu Manfred Volkmann von Stow an: „Sofern die Betriebssicherheit nicht darunter leidet, wird es sicher noch Optimierungen bei der Steuerung und Verdrahtung geben, beispielsweise Einsatz von W-LAN oder anderen Funk-Verbindungen. Die Anbindung an Lagerverwaltungssysteme ist von Stow schon jetzt verfügbar und wird noch universeller gestaltet.“ Die Philosophie von Stow sei es, keine technischen Experimente zu Lasten der Betriebssicherheit zu machen: „Wir verfolgen daher die Strategie der konsequenten Verfeinerung der ausgereiften Technik im Detail.“

Auch Jan Sperling von Bito sieht eher Weiterentwicklungspotenzial bei Verschieberegal-Systemen im Bereich der Steuerungen und der Antriebstechnik sowie der Sensorik als im Stahlbau. Außerdem werde es noch Fortschritte bei automatisch bedienten Verfahranlagen geben.

Roland Fischer erwartet für die Zukunft, dass moderne Verschieberegal-Systeme der Staplererkennung die Entwicklung der automatisierten Verschieberegale vorantreiben werden: „Eine Innovation auf diesem Gebiet stellen wir auf der Logimat 2008 in Stuttgart vor, die neue Schwerlast-Verschieberegal-Generation der Serie ESX. Sie verbindet die Vorteile kompakter Lagerung und optimierter Raumnutzung mit modernster Steuerungstechnik und hohem Sicherheitsstandard.“

Das neue Verschieberegal-System besteht laut Fischer aus den Komponenten: Schienen, Fahrwagen, Steuerung und Paletten-Regalsystem. Eine Besonderheit sei die Staplererkennung für eine automatisierte Gassenfreigabe. Personen innerhalb der Verschieberegalanlage sowie ein- und ausfahrende Stapler können laut Fischer vom System differenziert erkannt werden. „Die vollautomatische, mannlose Arbeitsweise nach dem Prinzip ,Ware zum Mann‘ ermöglicht die optimale Auslastung der Anlage durch die Arbeit im Mehrschichtbetrieb“, stellt Fischer fest.

Vierrad-Fahrwerk halbiert Bodenpressung und Punktlast des Verschieberegal-Systems

Technisch sieht sich SSI Schäfer vor den Mitbewerbern: „Mit unserem neuen automatisierten Verschieberegalsystem beweisen wir unseren technischen Vorsprung“, ist sich Fischer sicher und nennt die Eckdaten: „Die neuen Fahrwagen der Serie ESX erzielen durch ihre Flachbauweise mehr Nutzhöhe. Mit 258 mm Höhe sind die Verschiebewagen nach Aussage von Fischer 36% niedriger als bisherige Fahrwagen.

Neu sei auch das Vierrad-Fahrwerk. Damit können Bodenpressung und Punktlast im Vergleich zum herkömmlichen Zweirad-Fahrwerk halbiert werden. Die Traglast des Systems beträgt laut Fischer pro Regalfeld bis zu 24 t und je Verschiebewagen 600 t Nutzlast.

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