China Abschied von der Tonnenideologie erfordert angepasste China-Strategien

Autor / Redakteur: Thomas Kiefer / Ulrike Gloger

China, das Land der großen Chancen und Geschäfte, das Land der Plagiate und Preisbrecher. Das Bild vom Reich der Mitte ist oft festgelegt. Die Realität ist jedoch differenziert und lässt sich mit Schlagworten nicht fassen. Der Maschinenbau in China ist in den einzelnen Segmenten sehr unterschiedlich. Ebenso unterschiedlich sind die Strategien der Unternehmen.

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Werner Rührer, Vice President Sales Glass Technology Asia bei der Grenzebach Maschinenbau GmbH in Asbach: „Wir arbeiten eng mit unseren chinesischen Kollegen zusammen und können dadurch kulturelle Unterschiede leichter ausgleichen.“ Bild: Grenzebach
Werner Rührer, Vice President Sales Glass Technology Asia bei der Grenzebach Maschinenbau GmbH in Asbach: „Wir arbeiten eng mit unseren chinesischen Kollegen zusammen und können dadurch kulturelle Unterschiede leichter ausgleichen.“ Bild: Grenzebach
( Archiv: Vogel Business Media )

China will sich von der quantitativen Entwicklung, der Tonnenideologie, verabschieden. Investitionen in Projekte mit hohem Rohstoffverbrauch oder hohen Schadstoffemissionen sollen eingeschränkt oder vollständig untersagt werden, sagt Zhang Mao, stellvertretender Vorsitzender der chinesischen staatlichen Kommission für Entwicklung und Reform in Beijing.

Einen Modernisierungssprung machen Chinas große Staatsbetriebe, die durch Managementreformen und Börsengänge ihre Wettbewerbsfähigkeit stark verbessert haben. Im vergangenen Jahr stiegen die Gewinne staatseigener Unternehmen um 31%.

Die chinesische Industrie könne komplette Maschinenanlagen von hohem technischen Standard liefern, meldet das offizielle China Internet Information Center. Auch die China Machinery Industry Federation sieht die Wettbewerbsfähigkeit der chinesischen Maschinenbaubranche weiter gestärkt. Chinesische Anbieter stoßen in immer höherwertige Segmente vor.

Bei den Werkzeugmaschinen werden noch rund 60% der Nachfrage von den Einfuhren gedeckt. Die chinesische Branche holt jedoch schnell auf. Funktionsteile und Steuerungssysteme für numerisch gesteuerte Werkzeugmaschinen sowie große, hochpräzise Hochgeschwindigkeitsanlagen, bei denen das Land nach wie vor von ausländischen Bezügen abhängig ist, sollen künftig mit Unterstützung der Regierung stärker im eigenen Land gefertigt werden.

Ganze Einheiten werden zunehmend in China gebaut

Auch bei den Textilmaschinen finden hochwertige Importmaschinen Abnehmer. Durch harte Preiskämpfe sind die Textilhersteller zur kontinuierlichen Modernisierung gezwungen. Zukünftig wächst insbesondere die Einfuhr wichtiger Komponenten, während ganze Einheiten zunehmend im Inland gefertigt werden. Insgesamt stieg die Textilmaschinenproduktion im Land um etwa 20%.

Große chinesische Maschinenbauer gehen mit Importen und ersten Produktionsstätten ins Ausland, vor allem nach Indien, Pakistan, Vietnam und in die arabischen Länder. „Aus China bekommen wir die für Indien passende Technologie und exzellente Qualität zu einem günstigen Preis“, erklärt Krishna Kumar Ahuja, Vizeleiter des chinesisch-indischen Maschinenbau-Joint-Venture Krishna Hengyuan auf einer Fachmesse für Textilmaschinen in Delhi.

Weiterhin sorgen ehrgeizige Großprojekte für Bedarf an Spezialmaschinen, beispielsweise im Tunnelbau, beim Schienenverkehr oder dem Bau hochleistungsfähiger Nahverkehrssysteme. Auch Anbietern von Bergwerkstechnik werden in der VR China künftig gute Chancen bescheinigt.

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