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Verteilzentren Bilstein Group trotzt dem Brexit

Autor / Redakteur: Udo Schwarz / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Während sich Wettbewerber nach der Brexit-Entscheidung vom britischen Markt teilweise zurückzogen, investierte das deutsche Unternehmen Ferdinand Bilstein in die Region und in die Versorgungsprozesse zu den Kunden. Unter dem Dach der Bilstein Group entstand in der geografischen Mitte Englands ein neues Logistikzentrum. Mehr als 50.000 verschiedene Artikel werden dort gelagert. Wer bis um 17:30 Uhr bestellt, bekommt seine Teile schon am nächsten Tag; sogar eine Abholung am selben Tag ist möglich.

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Das 19.000 m² große Logistikzentrum der Bilstein Group in Markham Vale (UK).
Das 19.000 m² große Logistikzentrum der Bilstein Group in Markham Vale (UK).
(Bild: Witron)

Was haben Sie am 23. Juni 2016, am Tag des Brexit-Referendums, gemacht? Paul Dodgson, Betriebsleiter bei Ferdinand Bilstein UK, und Felix Wortmann, Projektleiter Logistikplanung bei Ferdinand Bilstein, planten im Juni das neue Logistikzentrum – gemeinsam mit Ulrich Schlosser von Witron. „Eigentlich wollten wir uns im Süden von England ansiedeln, um in Zukunft sowohl das Vereinigte Königreich als auch den Kontinent mit Febi-, Swag- und Blue-Print-Fahrzeug-Ersatzteilen zu versorgen“, erklärt Felix Wortmann. Doch der Brexit verschlug Ferdinand Bilstein und die Logistikmannschaft in die geografische Mitte von England, in das industrielle Herz der Insel.Die ursprünglich geplante Mitversorgung des Kontinents, zum Beispiel Lieferungen nach Frankreich oder Spanien, war nach der Brexit-Entscheidung im Süden der Insel nicht mehr realisierbar.

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In Markham Vale, in unmittelbarer Nähe der Großstädte Manchester, Sheffield und Nottingham, betreibt die Bilstein Group seit 2018 ein 19.000 m² großes Distributionszentrum für den UK-Markt. „Wir haben unsere Logistikprozesse in Markham Vale zentralisiert. Zuvor belieferten wir unsere UK-Kunden aus zwei Distributionszentren, eines im Norden und eines im Süden Englands. Der Betrieb war recht komplex, da die Teile in separaten Hallen innerhalb der Standorte gelagert wurden. Die Konsolidierung von versandfertigen Paletten und Paketen war zeit- und kostenintensiv. Jetzt liefern wir alle Marken von einem Standort aus“, erklärt Wortmann.

Das Liefer- und Leistungsspektrum von Witron umfasst die Konzeption und Realisierung sämtlicher Materialfluss-, IT-, Steuerungs-, Warehouse-Management- und Mechanikkomponenten. Die Fördertechnik und Regalbediengeräte wurden von der Witron-Tochter FAS entwickelt und hergestellt. Ein Witron-On-site-Team ist langfristig direkt vor Ort für den kompletten Service und die Wartung der Anlage verantwortlich.

Konzern statt Werkstatt

Der Markt für Pkw- und Lkw-Ersatzteile hat sich im Vereinigten Königreich in den zurückliegenden Jahren stark verändert. „Wir haben nicht mehr die kleine Werkstatt mit dem Inhaber, der sich ein paar Kisten Ersatzteile auf Lager stellt. Unsere Kunden bestellen weniger auf einmal, aber dafür häufiger und immer später. Wer bis um 17:30 Uhr bestellt, bekommt seine Teile schon am nächsten Tag. Aus unseren kleinen Werkstätten sind Ketten mit Investoren, Shareholdern und Supply-Chain-Experten geworden. Die Wünsche reichen von 24-h-Service bis Same-Day-Delivery. Die Logistik hat in unserem Markt stark an Bedeutung gewonnen. Es ist nicht mehr die ,dirty dark side‘ des Geschäfts. Das wissen wir und unsere Kunden“, fasst Dodgson die Lage zusammen. An Spitzentagen bedeutet das mehr als 2200 Pakete und über 800 Versandmodule, die nach dem Ware-zum-Mann-Prinzip aus dem automatischen Kleinteilelager (AKL) mittels Pick to Tote kommissioniert werden. „Dies entspricht 38.000 Orderlines – mit in Summe 152.000 Pick-Einheiten.“ An elf Kommissionierarbeitsplätzen mit nachgelagerten Packarbeitsplätzen werden die kommissionierten Aufträge für den Versand in Kartons oder Versandmodulen vorbereitet.

Inhomogenes Artikelspektrum

Mehr als 50.000 verschiedene Artikel werden in Markham Vale gelagert. Aufgrund dieses breiten und inhomogenen Artikelspektrums im Automotive-Ersatzteilgeschäft besteht das Logistikzentrum aus einem automatisierten und einem manuellen Logistikbereich.

Der automatisierte Teilbereich in Markham Vale erinnert stark an das Logistikzentrum der Bilstein Group in Ennepetal. Auch dort ist das Order Picking System (OPS) von Witron als zentrales Logistikelement implementiert. OPS ist eine Integration von automatischem Kleinteilelager (AKL), Verteiler-Loop und vorgelagerten ergonomischen Kommissionierplätzen. Gut 90 % des gesamten Auftragsvolumens der Bilstein Group wird hier abgewickelt.

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