Fahrerlose Transportsysteme

Freie Fahrt für den Käse-Express

Seite: 2/2

Anbieter zum Thema

Jeder der Reiferäume in Spielberg, die alle gleich groß sind, ist als Blocklager konzipiert, das in Längsrichtung von einem Mittelgang durchzogen wird. Vom Mittelgang aus werden die sogenannten Reifegestelle, in denen die Käselaibe und -blöcke auf Holzbrettern auf zehn Ebenen untergebracht sind, rechtwinklig zu beiden Seiten in parallelen Reihen abgestellt. Dabei stehen die Gestelle, die jeweils eine Charge darstellen, dreifach hintereinander und dreifach hoch. Jedes der Gestelle (L × B × H = 2250 × 1920 × 2335 mm) kann bis zu 3350 kg wiegen. Die Reiferäume sind zu beiden Seiten eines breiten Gangs angeordnet. Jeder Reiferaum bildet eine Klimazone und ist zu diesem Gang hin mit einem Schnelllauftor verschlossen. Die FTF können die Räume nur über diesen Gang erreichen und müssen das Schnelllauftor durchfahren. Sobald ein FTF ein Schnelllauftor erreicht hat, öffnet sich das Tor. Hat das Fahrzeug das Schnelllauftor passiert, schließt das Tor sofort wieder.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 10 Bildern

Mannigfaltige Fahrzeugaufgaben

Die Bedienung des Kühl- und Reifelagers übernehmen zwei – dank bewährter Magnetnavigation frei verfahrbare – FTF von MLR. Es handelt sich dabei um dreirädrige Radarmstapler vom Typ Phoenix SS-3.4 Mr mit einer Hubplattform als Lastaufnahmemittel mit 3,35 t Tragfähigkeit und einer Hubhöhe von 4770 mm. Die FTF sind in der Lage, die Gestelle selbstständig von den Übergabepositionen durch Unterfahren der Gestelle aufzunehmen, zu transportieren und wieder auf eine Übergabeposition abzusetzen. Die Beschickung und Entsorgung der Käsepflegemaschine via Fördertechnik und der Transport der Gestelle zur Konfektionierung und Verpackung obliegt ebenfalls den FTF – und dies alles in genau vorgegebenen Zeiten. Die Fahrzeuge tragen immer jeweils ein Gestell und bringen sie mit maximal 1,2 m/s (vorwärts beziehungsweise rückwärts) zum Zielort. Die Strecke, die die automatischen Fahrzeuge in der Anlage befahren, ist etwa 250 m lang.

3600 Käselaibe und -blöcke pro Stunde

„Pro Tag werden durchschnittlich sechs Gestelle aus Knittelfeld in Spielberg angeliefert“, schildert Bärnthaler. „Alle Gestelle sind mit einem eindeutigen Barcode versehen. Damit lassen sie sich sowohl vom Barcode-Leser auf dem automatischen Fahrzeug bei der Lastaufnahme als auch stationär an der Käsepflegeanlage identifizieren.“ Die gesamte Anlage, in der pro Stunde rund 3600 Käselaibe und -blöcke behandelt werden, ist so ausgelegt, dass sie rund um die Uhr arbeiten kann. Daher gehört zum System auch eine Ladestation, ausgestattet mit zwei Ladegeräten und einem Batteriewechselwagen zum Tauschen der entladenen gegen eine geladene 630-Ah-Bleibatterie. Der Tausch geschieht manuell in weniger als fünf Minuten.

Intelligentes Leitsystem von MLR

Das intelligente Herzstück des OM-Reifezentrums ist das multifunktionale Logistic Operating System Log-OS, eine MLR-eigene Entwicklung für die Steuerung komplexer Materialflussströme, die sich inzwischen über Jahre hinweg in vielen Anlagen bewährt hat. Log-OS erfasst die eingehende Ware, verwaltet den Käse im Reifelager chargenbezogen, also gestellbezogen, steuert die Ein- und Auslagerförderstrecken vor und hinter der Käsepflegemaschine sowie die Schnelllauftore und sorgt für den exakten Ablauf der detaillierten Käsepflegeprogramme. Welche Behandlungen in welchen Zeitabständen erfolgen müssen, wird durch eine Rezeptur festgelegt. Rezepturen sind in jeder Käserei ein streng gehütetes Geheimnis. Für jede Käsesorte gibt es ein eigenes Rezept. Bei der Einlagerung in das Reifezentrum wird jeder Charge eine Rezeptur zugeordnet, die dann vom Leitsystem Log-OS abgearbeitet wird. Das Gestell wird genau nach den Vorgaben der Rezeptur von den FTF an die Käsepflegemaschine übergeben, dort behandelt und anschließend wieder von einem FTF in einen Reiferaum eingelagert.

Erweiterung bereits beauftragt

Das Leitsystem verfügt über eine Rezepturverwaltung. So können mithilfe eines Dialogs Rezepturen angelegt, modifiziert und wieder gelöscht werden. Die Zuordnung einer Rezeptur zu einem Gestell erfolgt durch einen OM-Mitarbeiter. Log-OS generiert auch sämtliche Transportaufträge für die automatischen Fahrzeuge und stellt sicher, dass jede Charge entlang der logistischen Kette rückverfolgbar ist. Damit lässt sich später feststellen, wann, wo und durch wen die Ware erhalten, hergestellt, verarbeitet, gelagert und transportiert wurde.

Die Anlage ist bereits jetzt sehr gut ausgelastet, daher plant die Obersteirische Molkerei wegen des zu erwartenden höheren Milchaufkommens eine Erweiterung des Reifezentrums mit weiteren vier Reiferäumen. Bärnthaler: „Die Zusammenarbeit mit MLR war sehr gut vorbereitet und hat bestens funktioniert. Deswegen haben wir auch MLR bereits mit der Erweiterung der Anlage beauftragt.“

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung.

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

(ID:43259014)