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Intralogistik Grenzebachs Transportfahrzeuge – Kommissionieraufwand um 70 % reduzieren

| Redakteur: Robert Weber

Im Frühjahr berichtete MM Logistik über ein neues Intralogistiksystem eines Maschinenbauers, das an die Lösung von Kiva erinnert. Damals bat uns Grenzebach keine Namen zu nennen. Heute dürfen wir es. Verändern sich die Prozesse in der Logistik?

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(Bild: Stefan Bau)

Die neue Lösung, G-Com, besteht aus einem mobilen Lagersystem, einem fahrerlosen Transportsystem (FTS) mit robusten, intelligenten Transportfahrzeugen (FTF) sowie ergonomischen und variabel konfigurierbaren Pick-Stationen, an denen die Kommissionierung der Sendungen erfolgt. G-Com ist speziell ausgerichtet auf die Anforderungen im dynamisch wachsenden E-Commerce/Multi-Channel.

Die Grundidee des Systems bilden mobile Regale, die von kleinen Robotern, den „Carrys“, unterfahren, angehoben und automatisch zur Pick-Station transportiert werden. Die Regale sind in ihrer Aufteilung völlig variabel und können somit Artikel unterschiedlichster Abmessungen und Gewichte sowie hängende Konfektion lagern. Damit sind sie auch bei sehr heterogenen und sich oft verändernden Sortimenten flexibel einsetzbar.

Über den Warenhausmanager des Kunden wird die chaotische Lagerung einzelner Regale organisiert. Der Grenzebach-Flottenmanager übernimmt diese und steuert die Flotte der Grenzebach-Carrys. Die Carrys können durchgängig fahren, da sie sich induktiv aufladen. Dadurch muss der Kunde nur so viele Carrys kaufen, wie er auch operativ einsetzen will – zusätzliche Fahrzeuge, die stundenlang in Ladestationen verweilen, entfallen.

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Multifunktionale Pickstation

Laserpointer, Put-to-Light-Technik sowie ein Scanner in Verbindung mit einem Display unterstützen den Mitarbeiter an der Pickstation und ermöglichen hochproduktive Kommissionierleistungen bei höchster Pickqualität. Die Pickstation selbst ist multifunktional: Sie kann flexibel zum Kommissionieren, für die Nachschubeinlagerung oder die Retourenrücklagerung eingesetzt werden.

Ein weiterer Vorteil ist, dass die Stationen ergonomisch ausgelegt sind. Müssen Lagerarbeiter bei herkömmlichen Systemen bis zu 18 km am Tag zurücklegen, können sie hier ohne große körperliche Belastung stationär an der Pickstation arbeiten – und das nach einer kurzen Einarbeitungszeit von nur ein bis zwei Tagen.

Das G-Com kann problemlos in bestehende Gebäude und Anlagen integriert, modifiziert und auch von einem Standort zum anderen verlagert werden. „Wir haben G-Com so ausgelegt, dass es sich sowohl mit den physischen Komponenten als auch mit der Steuerungssoftware in bestehende Umgebungen leicht integrieren lässt“, so Dr. Christian Wurll, Chief Technology Officer (CTO) bei Grenzebach Automation. „Besitzt ein Kunde etwa ein bestehendes Warehouse-Management-System oder eine Versandtransportanlage, so ergänzen wir mit unseren maßgeschneiderten Bausteinen das System und optimieren es.“

G-Com ergänzt damit das Grenzebach-Portfolio an Intralogistiklösungen um einen weiteren Sektor. Umfassende vernetzte Lösungen zwischen Produktion, Lagersystemen und Betriebsmitteln unterstützt Grenzebach zudem mit verschiedensten fahrerlosen Transportsystemen, die über bis zu 1,2 t Aufnahmelast verfügen. Komplexe Aufgabenstellungen des gemischten Palettierens und Depalettierens werden mittels innovativer Greifer- und Steuerungstechniken gelöst.

Fragen an die Entwickler:

Welche direkten Produktivitäts- und Kostenvorteile bringt das G-Com-System?

Prinzipiell reduziert ein „Ware-zum-Mann“-System wie das G-Com deutlich die Wegezeiten des Kommissionierers. Hier notieren diverse wissenschaftliche Studien etwa 55 % der Gesamtzeit gegenüber dem traditionellen Picken mit Kommissionierwagen. Hinzu kommen etwa 15 % der Orientierungs- und Suchzeit am Kommissionierregal. Somit reduziert das G-Com den Gesamtaufwand des klassischen Kommissionierens um circa 70 %. Nur der reine Pick- und Ablagevorgang des Artikels ist auch bei diesem System weiterhin manuell erforderlich.

Die Anlernzeit neuer Mitarbeiter gestaltet sich deutlich kürzer: Sie liegt beim G-Com lediglich bei ein bis zwei Tagen. Bei traditionellen Systemen kalkulieren einzelne Distanzhändler oft mit Einarbeitungszeiten von ein bis zwei Monaten. Dies ist insbesondere bei kurzfristigen und kurzzeitigen Einsätzen von Aushilfen und Leasingkräften zur Bewältigung von Auftragsspitzen wirtschaftlich. Es reicht aus, die Aushilfen erst wenige Tage vor dem tatsächlichen Bedarf einzustellen. Dies reduziert die Personalkosten signifikant.

Beim G-Com-System ist eine Bildung großer Batches nicht unbedingt erforderlich. Eine Online-Abarbeitung von Aufträgen ist möglich. Die Durchlaufzeit eines Auftrags reduziert sich damit auf wenige Minuten. Durch die zunehmend verlangte extrem schnelle Lieferung – Next-Day-Delivery, teilweise Same-Day –, können Distanzhändler nicht mehr wie früher Aufträge sammeln und logistisch optimierte Batches (gestapelte Aufträge) bilden, die dann oftmals zweistufig kommissioniert werden. Kleinere, zeitnah fakturierte Aufträge lassen solche Systeme nur mit deutlichen Produktivitätsverschlechterungen und Kostenerhöhungen zu. Darüber hinaus benötigen diese traditionellen zweistufigen Systeme Auftragsdurchlaufzeiten von mehreren Stunden.

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